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Schleichender Vormarsch

13.12.2005 | 13:19 Uhr |

Für alle diese Probleme, so Daniel Golding, Senior Analyst beim Beratungsunternehmen Burton Group, gebe es mittlerweile genügend Workarounds wie etwa NAT (Network Adress Translation) oder Mechanismen wie QoS oder IPsec. Sie hätten sich im IT-Alltag bewährt, so dass niemand aus technischen Gründen zum Umstieg auf IPv6 gezwungen sei. "IPv6 ist die falsche Technologie zur falschen Zeit", lautet Goldings vernichtendes Urteil.

Komplett anders schätzt dagegen Silvia Hagen, Gründerin und President des Schweizer Beratungsunternehmens Sunny Connection AG, die Situation ein. Sie sieht bereits heute einen Business Case für IPv6 und glaubt, dass neue Dienste eventuell für IPv4 nicht mehr verfügbar sein werden. Zudem bestehe für die Anwender die Gefahr, dass sie bereits in naher Zukunft Geschäftspartner in Asien über IPv4-Netze nicht mehr erreichen.

Schleichender Vormarsch

Schon die gegensätzlichen Meinungen dieser beiden Berater verdeutlichen das Dilemma für den Anwender: Muss er sich bereits heute mit dem Thema IPv6 auseinander setzen, oder kann er abwarten?

Eine Frage, die niemand dem Anwender mit letzter Sicherheit beantworten kann. "Zurzeit schleicht sich IPv6 langsam in alle Netze, Betriebssysteme und Anwendungen", fasst Bruchhäuser das Meinungsbild der Branche zusammen. So betreiben fast alle Carrier heute Teile ihrer Netze mit IPv6 oder experimentieren damit. Während die Telekom hierzulande mit einem eigenen IPv6-Backbone zwischen den Standorten Darmstadt, Münster und Berlin eine Art Showcase-Projekt realisiert, plant beispielsweise Telia Sonera für 2006 die komplette Umstellung ihres Netzes.

Google setzt auf IPv6

Eine weitere starke Nachfrage nach IPv6-fähigen Netzen sieht Level-3-Manager Nickl aus dem universitären Bereich kommen, "dieser hat fast eine Vorreiterrolle in Sachen IPv6". So gebe es heute fast keine Hochschulausschreibung mehr, in der nicht IPv6 verlangt werde. Zudem pusht die EU-Kommission im Rahmen des Programms "eEurope" den Einsatz von IPv6, denn Brüssel hat Angst, technologisch gegenüber Asien und Amerika ins Hintertreffen zu geraten. Deshalb will man vermeiden, wie beim heutigen Internet mit IPv4 den USA folgen zu müssen und diesen das ganze Wirtschaftspotenzial der neuen Technik zu überlassen.

In den USA sind viele Regierungsbehörden und vor allem das Verteidigungsministerium in Sachen IPv6 aktiv. So will die US-Armee ihre Soldaten als Information Warrior mit IPv6-fähigen "Soldiers Computer" ausstatten. Ein weiteres Beispiel, wie die nächste IP-Generation langsam Einzug hält, ist Google. Der Internet-Dienstleister hat sich bereits IPv6-Adressen reserviert.

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