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Schlimmer als befürchtet: Macwelt-Umfrage zum Macbook bestätigt Tastaturprobleme

12.04.2019 | 11:18 Uhr | Stephan Wiesend, Halyna Kubiv

Apple, das war wohl nichts: Die Macbook-Tastatur sorgt laut unserer Umfrage auch beim neuen Macbook Air für Ärger.

Zu den neuen Macbook-Tastaturen in Apples Notebooks wurde schon viel geschrieben, das Problem ist gut bekannt: Manche der seit 2016 im Macbook Pro und 2015 im Macbook verbauten superflachen Tastaturen entwickeln ein ärgerliches Eigenleben. Bei einigen Anwendern fallen einzelne Tasten der so genannten Butterfly-Tastatur aus, bei anderen wird mancher Buchstabe doppelt ausgegeben. Eigentlich hofften wir, die Tastaturprobleme wären so gut wie gelöst: Für die Modelle zwischen 2016 und 2017 bietet Apple eine erweiterte Garantie von vier Jahre n, die Modelle ab 2018 bekamen eine neue Tastaturvariante mit zusätzlicher Schutzfolie: Offiziell für einen niedrigeren Geräuschpegel, inoffiziell ein Schutz gegen Fremdkörper.

Allerdings scheinen auch die Modelle von 2018 betroffen zu sein, wie zahllose Beschwerden in Foren, Artikeln und auch auf Youtube zeigen. Auch beim neuen Macbook Air ärgern sich Nutzer über doppelte und fehlende Eingaben – ein vor allem für Textarbeiter lästiger Fehler, den zuletzt Joanna Stern im Artikel „ Appl Still Hasn’t Fixd Its MacBook Kyboad Problm “ festhielt. Apple veranlasste dies kürzlich zu einer Stellungnahme:

„Wir sind uns bewusst, dass eine kleine Anzahl von Benutzern Probleme mit ihrer Butterfly-Tastatur der dritten Generation hat, das tut uns leid. Die überwiegende Mehrheit der Mac-Notebook-Kunden hat mit der neuen Tastatur aber positive Erfahrungen  gemacht. Wenn Sie ein Problem haben, wenden Sie sich an den Apple-Kundendienst“.

Eine Stellungnahme, zu der uns auch Apple Deutschland nichts hinzufügen wollte.

Also alles übertrieben? In früheren Artikeln zu diesem Thema haben wir die Zahl der Beschwerden vielleicht unterschätzt: Bei Apple-Produkten gibt es ja immer eine Tendenz zu Übertreibungen, man denke nur an iPhone-"Skandale" wie Antennagate, Beautygate oder Chargergate. Auch  Umfragen in Medien wie Twitter sind oft problematisch, herrscht doch hier ein etwas polemischer Grundton und und auch Nicht-Apple-Nutzer können hier teilnehmen. Die Frage blieb aber für uns: Wie viele Notebooks sind eigentlich betroffen? Und wie groß ist diese „kleine Anzahl“? Um hier für mehr Klarheit zu sorgen, starteten wir letzte Woche auf Macwelt.de eine Umfrage :  Wir wollten wissen, ob Besitzer eines Macbook Pro der fraglichen Baujahre Tastaturprobleme haben..

Traten Tastaturprobleme auf?

Unsere Fragen waren einfach: Nach einer Angabe des Macbook-Modells wollten wir wissen, ob Probleme bei Tastatureingaben auftraten. Zusätzlich wollten wir von den Anwendern mit Tastaturproblemen erfahren, ob daraufhin eine Reparatur stattfand oder noch aussteht.

Bei den aktuellen Modellen ab 2018 gibt es weniger Beschwerden, allerdings sind Geräte wie das Macbook Air noch nicht lange in Benutzung.
Vergrößern Bei den aktuellen Modellen ab 2018 gibt es weniger Beschwerden, allerdings sind Geräte wie das Macbook Air noch nicht lange in Benutzung.

Ein wenig hatten wir gehofft, die Tastaturprobleme als Mythos zu entlarven, von 657 Teilnehmern berichteten aber 284 von auftretenden Problemen. Vor allem bei den Geräten vor 2018 berichtet knapp die Hälfte der Macbook Pro-Besitzer über Probleme. Beim Modell von 2016 sind es 54,59 Prozent, beim Modell von 2018 47,55 Prozent. Aber auch beim Macbook Pro 2018 mit neuer Tastatur berichten 33,03 Prozent von Komplikationen, beim nagelneuen Macbook Air sind es immer noch viel zu hohe 27,66 Prozent.

Die Zahlen sind horrend, deshalb noch einige Anmerkungen zur Relevanz: Trotz der 657 Teilnehmer kann man die Umfrage nicht als repräsentativ bezeichnen. Unsere Zahlen können angesichts von Millionen an Macbooks nicht belegen, dass 27 Prozent aller Macbook Airs Problem haben, nur dass sie bei 27 Prozent der von uns befragten Macbook-Air-Benutzer auftreten. Die Ergebnisse sind aber signifikant und zeigen überraschend große Übereinstimmungen mit ähnlichen Umfragen zu diesem Themen.

Bei Umfragen zu einen solchen Thema besteht zwar immer die Gefahr, das sich vor allem Anwender mit Problemen melden, ganz offensichtlich haben aber viel zu viele Macbooks ein Tastaturproblem. Apple liegen sicher genauere Zahlen vor, diese sind aber bisher nicht öffentlich bekannt.

Bei auftretenden Tastaturproblemen findet nur bei einem Drittel eine Reparatur statt.
Vergrößern Bei auftretenden Tastaturproblemen findet nur bei einem Drittel eine Reparatur statt.

Wurden sie auch repariert?

Die Ergebnisse sind überraschend, stehen sie doch im Widerspruch zu Apples Behauptung, nur wenige Geräte wären betroffen. Der  Basecamp-Gründer David Heinemeier vermutet , Grund für diesen scheinbaren Widerspruch sei ein großer Anteil an unreparierten Geräten bei den Kunden. Vermutlich berücksichtigt Apple in seinen internen Statistiken ja nur die Geräte, bei denen der Anwender tatsächlich die Tastatur austauschen ließ. Nicht von Apple erfasst werden aber nervende aber nicht reparierte Geräte. Ebenfalls zu bedenken: Nicht jeder Macbook-Besitzer ist ein Texter oder ein Software-Entwickler, bei dem ein Tastatur-Fehler im Code für Programmfehler oder ein nicht funktionierendes Skript sorgt. Bei manchen Anwendern treten die Probleme nicht permanent auf, oder sie benutzen ihr Macbook mit externer Tastatur. Andere haben keinen Apple Store in der Nähe, während der Umtauschfrist gibt mancher es wohl auch kommentarlos zurück.

In einer zweiten Frage wollten wir deshalb von unseren Lesern mit Tastaturproblemen erfahren, ob das Gerät bereits repariert wurde. Das Ergebnis: Nur 34,64 Prozent der Anwender mit Tastaturproblemen ließen ihr Macbook reparieren. Das ist eigentlich sehr viel, im Verhältnis zu allen Macbook-Besitzern sind es aber nur mäßige 15 Prozent. Das bestätigt die These, dass sich die Leute zwar über ihre Tastatur ärgern, aber nicht gleich in den Apple Store rennen.

Mit unseren Ergebnissen sind wir übrigens nicht allein, andere Umfragen zu diesem Thema kommen zu ähnlichen Ergebnissen, etwa bei Basecamp und 9to5Mac .

Fazit

Apples Notebooks hatten immer einen hervorragenden Ruf. In einer kürzlichen Umfrage des US-Verbrauchermagazins Consumer Reports erhielten selbst die aktuellen Macbooks Bestnoten. Grund dafür ist wohl auch, dass sich Apple bisher bei Schäden kulant gezeigt hat. Perfekt waren sie nie: Beim Macbook Pro 2007 brannte die Nvidia-Grafikkarte regelmäßig durch, beim Powerbook 2011 die Grafikkarte von AMD. Alles Schäden, für die Apple einsprang. Die Achillesferse der neuen Macbooks ist nun eindeutig die Tastatur und hier muss sich Apple fair verhalten. Auch die Modelle von 2018 sollten in die erweiterte Garantie aufgenommen werden, was schon bald geschehen könnte: Läuft doch in den USA bereits eine Klage gegen Appl e.

Was kann Apple tun? Abstellen kann Apple die Probleme wohl erst durch ein komplett neues Macbook, schon aus Platzgründen kann man ja nicht einfach die Tastatur von 2015 einbauen. Zumindest die Übernahme der Reparaturkosten sollte aber eigentlich selbstverständlich sein - selbst ohne Apple Care.

Schon der Aufwand für die Reparatur ist für den Anwender sehr ärgerlich, das eigentliche Problem sehen wir aber in den Reparaturkosten. Dank Apples Macbook-Design ist die Reparatur der anfälligen Tastatur sehr teuer, dies darf nicht am Kunden hängen bleiben. In einem früheren Artikel zu diesem Thema haben wir noch die Meinung vertreten, man könne trotz Tastaturproblemen zu einem aktuellen Macbook (Pro, Air) greifen. Angesichts aktueller Nutzerberichte und fehlender Garantie sind wir mit unserer Empfehlung nun aber vorsichtiger.

Macwelt Marktplatz

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