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Schutz vor Stalkern und Autodieben: Android-App erkennt Airtags

28.02.2022 | 16:50 Uhr | Stephan Wiesend

Die Android-App Air Guard erkennt spionierende Airtags und andere Tracker und funktioniert sogar als Hintergrund-App.

Apples Airtags sind beliebte „Schlüsselfinder“ und nutzen das „Wo ist?“ Netz naher Apple-Geräte für das Wiederfinden von Taschen, Schlüsseln und anderer Gegenstände. Etwas in Verruf kamen sie aber, als Autodiebe begannen sie zum Orten wertvoller Autos und Stalker zum Ausspähen von Frauen zu nutzen. Apple hat deshalb einen neuen Mechanismus in iOS integriert, der solche „untergeschobenen“ Airtags erkennen und melden soll. Zusätzlich wurde die Android-App "Tracker Detect" vorgestellt, die unbekannte Airtags auch für Android-Nutzer ortet – sind doch Android-Nutzer sonst die perfekten Opfer.

Der Nachteil der Android-App, die App muss für das Überprüfen der Umgebung aktiv genutzt werden. Es gibt aber eine Alternative: Die nur für Android verfügbare App Air Guard bietet einen Hintergrundscan und meldet neben Airtags auch andere Apple-Geräte, die auf dieses Netzwerk zugreifen – etwa iPhones. Diese App eignet sich gut, um Nicht-Apple-Kunden vor dem Ausspähen per Airtags zu schützen und ist kostenlos. Ein weiterer Vorteil gegenüber Apples iOS-System: Laut Sicherheitsforschern könnten Böswillige Airtag-Kopien erstellen, die Apples Sicherheitsfunktionen überlisten – ein Beispiel für solche Geräte haben wir letzte Woche vorgestellt. Auch diese Geräte können aber von Air Guard entdeckt werden.

Die App wurde erstmals im August 2021 vorgestellt und seitdem laufend verbessert. Entwickelt wurde das als Open Source veröffentlichte Tool von einer Abteilung der TU Darmstadt, die einen guten Ruf im Thema IT-Sicherheit veröffentlicht hat und sich auch schon öfter mit dem Thema iOS-Sicherheit beschäftigt hat.

In einer aktuellen Studie haben die Entwickler nun die technischen Hintergründe ausführlich dargestellt und eine interessante Erfahrung mit der App berichtet. Gute Ergebnisse lieferte die App in einem Praxistest, bei dem die Scanergebnisse von Apple Lösung und der App verglichen wurde. Drei unterschiedliche Tracker kamen dabei zu Verwendung: Airtags, ein Gerät mit selbst entwickelter Open Haystack-Firmware, das Apples Netzwerk nutzen kann, und eine Lösung von Chipolo namens One Spot, ein kleines Gerät, das ebenfalls Apples My-Find-Netzwerk nutzt. Air Guard schnitt in drei Praxistests dabei deutlich besser ab als Apples Lösung. So konnte nur Air Guard das Gerät mit Open Haystack-Firmware erkennen, die Tracker wurden zudem deutlich früher von der Open Source-App gemeldet. Allgemein  scheint Apple die Tracker erst relativ spät zu melden. Nur mit der App wurde etwa ein an einem Auto angeklebter Airtag aufgespürt, für Apples Tool war das Signal offenbar zu schwach, um einen Tracker zu melden.

Interessant: Die Nachfrage nach der kostenlosen App war recht hoch. Die im Play Store angebotene Software wurde bis Erscheinen der Studie bereits von 120 000 Nutzern verwendet und laut Berichten auch bereits erfolgreich eingesetzt: Eine Nutzerin fand mit der App einen Airtag in ihrem Rucksack, ein anderer Nutzer zwei der Tracker an seinem Auto. Der Missbrauch von Apples Airtags ist wohl eher selten, es handelt es sich aber wohl nicht nur um einen Medienhype.

 

 

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