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Schwächelt das Macbook Pro M2 unter Dauerlast?

30.06.2022 | 15:45 Uhr | Stephan Wiesend

Unter langer Dauerlast, etwa einem Video-Export, zeigt das neue Macbook Pro M2 einige Leistungseinbrüche.

Die beiden neuen M2-Macbooks von Apple, das Macbook Air M2 und das Macbook Pro M2 unterscheiden sich in einem Detail: Nur das Macbook Pro M2 besitzt einen internen Lüfter, das Macbook Air wird komplett passiv gekühlt. Für das Macbook Pro M2 kann man deshalb bessere Leistung unter Dauerlast erwarten – etwa wenn ein umfangreiches Videoprojekt exportiert oder eine App kompiliert werden soll. Diese kann auch mal eine halbe oder mehrere Stunden dauern und den Rechner stark erhitzen. Die aktive Kühlung durch den Lüfter sollte aber ein schnelles Heruntertakten der CPU oder Grafikkarte vermeiden und hohe Leistung garantieren. Auch Apple selbst hebt diesen Vorteil eigens hervor und verspricht „Aktive Kühlung für durchgehend schnelle Performance“. Laut neueren Tests hat der M2 bei Dauerlast aber ein Problem mit Throttling – er überhitzt schnell und muss die Leistung reduzieren.

Benchmark vs. Dauerlast

Was man erklären sollte: In allen üblichen Benchmarktests wie Geekbench oder Cinebench schneidet das Macbook Pro hervorragend ab, auch in unserem ausführlichen Test .

Was hat es nun mit diesen Dauerlast-Tests auf sich? Viele Benchmarktests wie Geekbench oder Cinema 4D sind nach relativ kurzer Zeit beendet. Innerhalb von mehreren Minuten Volllast treten aber noch keine Probleme mit Überhitzung auf. Dies kann man erst beobachten, wenn ein Video sehr lange gerendert wird oder eine komplexe 3D-Grafik die CPU oder Grafikkarte über eine halbe Stunde oder länger voll auslastet.

Lüfterprobleme

Laut Tests etwa von Maxtech scheint die aktive Kühlung des neuen Macbook in dieser Situation mäßig effektiv zu sein. Vor allem im direkten Vergleich mit dem Macbook Pro 14-Zoll kann das 13-Zoll-Modell nicht mithalten. Das Problem: Bei langer Dauerlast muss der Lüfter CPU und andere Komponenten kühlen. Sonst muss sich der Prozessor und die Grafikkarte heruntertakten, um die Überhitzung zu vermeiden. Bei den teureren Macbook Pro 14- und 16-Zoll gelingt dies erfolgreich, hier sorgen zwei effektive Lüfter für gute Kühlung und konstant hohe Leistung. Bei Dauerlast-Tests des neuen Macbook Pro M2 ergibt sich aber ein anderes Bild: Beim M2-Modell springt der Lüfter erst verspätet an, hier setzt Apple offenbar auf ein möglichst leises Gerät. Dadurch wird die CPU aber schnell heiß, Tester berichten von bis zu 108 Grad Celsius. Die Folge: Die CPU und Grafikkarte takten sich beim Erreichen eines Grenzwertes von 108 Grad stark herunter – die CPU laut Maxtech von 3200 MHz auf 1894 MHz, die GPU von 1393 auf 289. Der Export einer Videodatei oder andere Berechnung dauern dann deutlich länger als zu erwarten.

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Relevanz von Volllast

Zu den Ergebnissen sollte man aber ein paar Anmerkungen machen: Die Tests von Maxtech sind Spezialfälle, die gezielt dieses Throttling provozieren. So wurde beim Export-Test wohl nicht zufällig das Format Canon RAW 8K gewählt, dass das Macbook zwingend mit der CPU encodieren muss. Bei anderen Formaten, etwa beim Export von ProRES-Videodateien aus Final Cut Pro, würde das Macbook diese Aufgabe mit der Media Engine des M2-Chips durchführen. Dieser Spezialchip übernimmt bei bestimmten Videoformaten die Encodierung – die CPU wird dann nur mäßig belastet. Dies betrifft die weiter verbreiteten Formate H.264. HEVC, ProRES beim Abspielen und Encoden. In einem HEVC-Test konnte das M2 deshalb auch gut mit einem M1 Pro mithalten.

Ob man durch die Erhöhung der Lüfterdrehzahl (etwa mit Mac Fan Control) das Herunterakten verhindern kann, wurde bisher ebenfalls nicht getestet. Hier setzt aber wohl die Leistung des einzelnen Lüfters Grenzen.

Warum hat Apple nicht einfach zwei Lüfter verbaut?

Offensichtlich ist das Kühlungssystem des Macbook 14-Zoll dem des Macbook Pro M2 überlegen und der Lüfter des Macbook Pro deutlich weniger effektiv als erwartet. Beim Vorgänger M1 war der Lüfter offenbar noch ausreichend, beim M2 weniger. Ein besseres Kühlsystem war Apple aber wohl zu kostspielig, kann der Hersteller doch durch die Übernahme des alten Systems Entwicklungskosten reduzieren und alte Produktionslinien und Komponenten weiter verwenden. Auch aus Sicht des Marketings macht eine zu starke Annäherung an das Macbook Pro 14-Zoll keinen Sinn, ist es doch nur im Sinne von Apple, wenn Kunden dann doch zum Macbook Pro 14-Zoll greifen.

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Unsere Meinung

Beim Macbook Pro hat Apple offenbar den Wert auf möglichst leise Lüfter gelegt – was bei Vollast zu Throttling führt. Auch dafür gibt es aber gute Gründe, so wissen Büroanwender einen leisen Rechner zu schätzen und aufheulende Lüfter stören bei Teams-Konferenzen immens. Mit dem Macbook Pro 14-Zoll kann das M2 nur begrenzt mithalten, eigentlich konkurriert es aber eher mit dem Macbook Air. Wir sind deshalb gespannt, wie das neue Macbook Air M2 unter Vollast abschneiden wird. Mangels Lüfter sollte ein Throttling eigentlich deutlich früher auftreten als beim Macbook Pro. Angesichts der mäßigen Kühlleistung könnte der Leistungsunterschied aber deutlich geringer sein, als bisher von uns erwartet.

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