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Black Friday - Nase voll von Schrott? - Macphisto am Freitag

26.11.2021 | 10:35 Uhr |

Advent – Besinnung und Besinnlichkeit, frohe Erwartung und Gelassenheit. Nein, nein und nochmal nein: Wir sind im Kaufrausch. Apple muss das nicht auch noch befördern.

So beginnen behagliche Geschichten: Als Macphisto letztens in einem Kochbuch für Advent, Weihnachten, Silvester und Neujahr blätterte, stolperte der Geist, der stets verneint, im Vorwort über zwei markante Sätze aus dem Jahr 1978. Den ersten schreiben Kochbuchautoren und andere Behaglichkeitsdarsteller auch heute noch: „Wenn im Spätherbst die Blätter fallen und die Tage kürzer werden, besinnen sich auch heute noch viele Menschen auf Tugenden, die in unserer schnelllebigen Zeit als verloren galten“. Schnelllebige Zeit, 1978? Macphisto erinnert sich anders daran.

Der zweite Satz aber: „Besonders die Chefin des Hauses schaltet und waltet dann in der Küche, und unsere empfindlichen Nasen erreicht der verführerische Duft von Vanille, Zimt, Mandeln und Bratäpfeln.“ Man merkt, seit Drucklegung des Buches ist viel Zeit vergangen, Macphisto rümpft die empfindliche Nase, wirft die Dame des Hauses aus Hell's Kitchen und macht sich selbst an die Weihnachtsbäckerei. Frauen an den Herd: Nein, nein und nochmals nein.

Gut, so scharf brutzelt die Höllenküche nicht, dass es für Weibsvolk keinen Zugang gäbe. Macphisto empfiehlt Kochen und Backen auch zur Entspannung und nicht nur der Nahrungszubereitung, die Dame des Hauses darf sich währenddessen anderweitig entspannen. Und nachher die versaute Küche aufräumen. Nein, natürlich nicht, das Abspülen gehört zur Entspannung beim Kochen und Backen dazu – ist beinahe wie das Dehnen nach dem Laufen.

Schnell kaufen, ehe alles wieder schlieĂźt

Schnelllebige Zeit – wahrscheinlich kann man das immer über die Zeit nach dem Spätherbst und vor dem Winter behaupten. Wie der große Münchener Philosoph Karl Valentin richtig erkannte: „Nach der staaden Zeit werd’s a wieda ruhiger“ – dann müssen wir zur Entspannung auch nicht mehr so viel backen, was die Höllenfigur wieder in Normalform zurückbringen hilft. In diesen Pandemiejahren kommt noch das ein oder andere Frustkilogramm hinzu, wenn denn Maßnahmen zur Stilllegung des öffentlichen Lebens wieder dazu führen, entfällt die Notwendigkeit einer Ausrede, um das Fitnessstudio einen großen Bogen zu schlagen. Wenigstens hat Apple jetzt mit Fitness+ einen Dienst am Start, für den man nicht einmal das Haus verlassen muss. Die Küche besser schon.

Was alle Generationen seit jeher jammern, das ganze Jahr über: Die Jugend ist verdorben – man lese nach bei Sokrates. Dieser Tage jammern die Leute vor allem wieder: „Es wird von Jahr zu Jahr hektischer“. Dabei entfallen die Winter-, Lichter- und Weihnachtsmärkte landauf, landab, was das Einkaufsvolk aber nicht daran hindert, die Zentren zu stürmen, in denen man ab und an auch einen Apple Store findet. Wer aber immer noch ohne Impfschutz ist, wird nur noch online einkaufen können, Lebensmittel ausgenommen. Verlagert sich eben noch mehr ins Web. Dem virtuellen Kaufrausch kommt man dort seit Wochen nicht mehr aus.

Black Cyber Friday Monday Week – Macphisto kann es schon nicht mehr hören. Selbst Macwelt hat reichlich Informationen darüber gegeben, warum, das hat das Magazin schon vor zwei Jahren hier aufgeschrieben . Das mit den Rabatten funktioniert hier generell anders als jenseits der Säulen des Herakles und des großen Wassers dahinter. Dort gibt es in vielen Geschäften und bei vielen Marken nur an jenem Freitag nach Thanksgiving Rabatte. Viele Leute sind darauf angewiesen, bei Investitionen Geld zu sparen, damit sie wieder für andere Dinge wie Wohnung, Kleidung und Nahrung Mittel haben – das soziale Netz ist aus hiesiger Sicht in den USA nicht gerade dicht geknüpft und so mancher fällt schnell durch die Maschen – die Pandemie verstärkt die Ungleichheit noch eher, während überfüllte Geschäfte die Pandemie weiter anfachen. Geradezu teuflisch, dieser Kreis.

Ja, auch hierzulande gibt es Leute – viel zu viele – die auf Rabatte angewiesen sind, um über die Runden zu kommen. Aber die bekommt man das ganze Jahr immer und immer wieder, kein Grund, immer im  November durchzudrehen, jedes Jahr schon ein paar Tage früher.

Was sich seit 1978 geändert hat – und was nicht

Es sind ja nicht nur die Rabattjäger, die vor dem und im Advent die Innenstädte verstopfen … Moment, der Satz klingt irgendwie sehr nach 1978. Es sind ja nicht nur die Rabattjäger, die bei diversen Onlinehändlern dieser Tage und Wochen für Rekordumsätze sorgen und deren Lieferungen die Vorortstraßen verstopfen und unterbezahlte Paketboten nerven.

Was soll’s? Das ist der Kapitalismus, jedes Jahr mehr, das ist sein Treibstoff. Das hat auch Vorteile, seit 1978 ist die Lebensqualität deutlich angestiegen – den Preis dafür zahlen wir später, das ist systemimmanent.

Apple ist auch nicht die Heilsarmee oder stiftet sein gesamtes Vermögen von heute auf morgen an den GlobalFund, sondern ist ein am Profit orientiertes Unternehmen. Nein, nein und nochmals nein: Apple ist nicht die Wohlfahrt. Aber das werfen wir dem Mac-Hersteller nicht vor.

Macphisto schließt sich nicht dem  Gejammer an, von wegen Apple würde ja nicht einmal heute Rabatte geben, sondern nur schimmlige iTunes-Karten . iTunes! Haben die das nicht abgeschafft?

Nein, Macphisto weiß, dass die Marke Apple nicht zu verschenken ist und Black-Cyber-Week-Rabatte sind so etwas wie kleine Geschenke, die die Beschenkten falsch verstehen könnten.

Apple macht dafür sinnvolle und nachhaltige Geschenke: Von jeder Bezahlung im Apple Store und online über Apple Pay spendet  Apple jeweils einen Dollar an den GlobalFund. Gegen AIDS und Malaria in Afrika vorzugehen, ist wesentlich wichtiger, als mit Schleuderpreisen den Absatz anzukurbeln – die Apple Stores sind auch so dieser Tage trotz 2G-Regelungen voll genug und nicht nur, weil die Logos um den 1. Dezember herum so hübsch rot leuchten, dass es eine Höllenfreude ist.

Man darf auch nicht vergessen: Apple ist auch eine der verlässlichen Maschen des sozialen Netzes in den USA. Zahlreiche Rentenfonds haben in Apple-Aktien investiert und damit das Guthaben ihrer Versicherten – naja, eher: Kunden – in den letzten Jahren deutlich erhöht. Alles in allem macht Apple einen Höllenjob, meint Macphisto, der es wissen muss. Einen höllisch guten Job. Das ist kein Widerspruch.

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