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Sculleys Sargnagel

24.01.2009 | 00:00 Uhr

Sculleys Sargnagel

Als finaler Stolperstein von John Sculley erwies sich der Newton, dem der von Technik wenig verstehende CEO sich als Herzensprojekt verschrieben hatte. Wie einst Jobs zu den Mac-Entwicklern stieß und sie - nicht jeden freiwillig - unter seine Fittiche nahm, erklärte Jahre später Sculley den Newton zur Chefsache, als ihn das Zwischenergebnis einer einst vom Gassée-Protegé Steve Sakoman ins Leben gerufenen Projektgruppe begeisterte.

Die Revolution blieb aus
Vergrößern Die Revolution blieb aus

"Nicht weniger als eine Revolution" hat Sculley 1992 auf der Consumer Electronics Show versprochen und das Entwicklerteam des Newton noch weiter unter Druck gesetzt. Die Kinderkrankheiten des schließlich 1993 auf den Markt gekommenen Gerätes waren schwerwiegend, die Handschriftenerkennung lieferte lustige Resultate, Software und Erweiterungen kamen erst später heraus. Schlussendlich lag der Preis von 700 US-Dollar deutlich über dem, was Anwender für den Newton auszugeben bereit waren. Die Konkurrenz war günstiger und effektiver. Anstatt Handschriften zu erkennen zu wollen, entwickelte Palm für seine PDAs eine eigene Kurzschrift namens Graffiti . Dennoch eroberte sich der Newton eine treue Fangemeinde, die über sein Ende im Februar 1998 schockiert war. Kurz horchte die Community auf, als Apple 2002 in Mac-OS X 10.2 Jaguar die Handschriftenerkennung Inkwell integrierte, zusammen mit dem iPod, könnte man da nicht?… Apple ging bekanntlich einen anderen Weg: "Wer braucht schon einen Eingabestift?" lautet das iPhone-Credo. Der Newton bleibt aber in den Herzen der Macianer als der beste Erfolg, den Apple nie hatte.

Newton und der Apple-Baum
Vergrößern Newton und der Apple-Baum

Die Zeit war einfach noch nicht reif, heute geben Kunden ohne zu zögern 750 bis 800 Euro über zwei Jahre für ein iPhone aus. Der von Sculleys ausgelöste Zeitdruck manifestierte sich erneut im Produktnamen, "Newton" war nur der interne Projektnamen. Wer weiß, ob ein "PocketMac" oder ein "AppleAssistant" nicht erfolgreicher gewesen wäre. Der Projektgruppe und Apples Marketing gelang es nach Sculleys voreiliger Ankündigung aber nicht mehr, einen aussagekräftigen Produktnamen zu erfinden.

Während seinerzeit der Mac-Vorgänger Lisa womöglich nach Steve Jobs’ unehelicher Tochter benannt war und Apple offiziell das Akronym "Local Integrated Software Architecture" erfand, bezog sich das Newton-Projekt auf Apples erstes Firmenlogo. Denn noch vor dem gestreiften angebissenen Apfel verwendete Apple ein Logo im Holzschnitt-Design, das den Physiker und Mathematiker Isaac Newton unter dem Apple-Baum sitzend zeigte. Dem Newton aber alleine die Schuld an der Existenz gefährdenden Krise zuzuweisen, wäre auch nicht korrekt, wie wir morgen im dritten Teil der Macintosh-Geschichte zeigen werden.

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