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Sensorvault: Google speichert intern Millionen von Ortungsdaten

16.04.2019 | 10:48 Uhr | Peter Müller, Halyna Kubiv

Dank einer internen Datenbank bei Google kann die Polizei auf die Bewegungsdaten vieler Smartphones zugreifen.

Apple preist den Datenschutz der mit dem iPhone verbunden ist und legt sich auch mal mit dem FBI an, wenn die Bundesbehörde Hintertüren fordert, um an Daten von Verdächtigen heranzukommen. Doch schützt der Besitz eines iPhones ebensowenig wie der eines Android-Phones davor, dass Strafverfolger an Bewegungsdaten gelangen, berichtet die " New York Times ". Dazu nützt die Polizei gewissermaßen indirekte Methoden – und fragt bei Google direkt nach.

Der Suchmaschinenkonzern ist offenbar weit weniger restriktiv und reagiert auf Anordnungen der Polizei. Intern pflegt Google eine Datenbank, in denen etwa Orte von Smartphone-Besitzern gespeichert sind. Die Datenbank ist bei Google auf den Namen Sensorvault getauft und beinhaltet die Daten von Hunderten von Millionen der Nutzern weltweit, manche Nutzerdaten werden seit rund zehn Jahren gespeichert. So kann die Polizei mit Googles Angaben ermitteln, welche Smartphones zum Zeitpunkt eines Verbrechens in der  Nähe lokalisiert waren. Die "New York Times" schildert das Prozedere der Ermittlungen anhand eines Bombenanschlags in Austin, Texas. Die Polizei stellt eine bestimmte Umgebung fest, in der sich das Verbrechen ereignet hat. Anhand der Geodaten kann Google alle Geräte identifizieren, die sich zu dieser bestimmten Zeit an dem Ort aufgehalten haben. Die Polizei nutzt die anonymisierten Geräte-IDs um Bewegungsmuster festzustellen. Von den "verdächtigen" Geräten erhält die Polizei noch zusätzliche Bewegungsdaten außerhalb von dem angefragten Ort und kann so das Smartphone in einem deutlich längeren Zeitraum auch außerhalb des Tatortes verfolgen. Nachdem die Polizei sich bei den Ermittlungen auf einige wenige Smartphone-Daten als mögliche Verdächtige geeinigt hat, kann Google Namen, E-Mails und andere Daten, verknüpft mit diesem konkreten Smartphone an die Behörden herausgeben.

Aus den anonymen Daten lassen sich auch Telefonnummern ermitteln und letztendlich Personen. Laut "New York Times" sind zwar hauptsächlich Android-Phones von dieser Ortung betroffen, aber auch iPhones. Google bearbeite bis zu 180 Anfragen pro Woche.

Solche Methoden können jedoch dazu führen, dass die Polizei Unschuldige festnimmt, die sich einfach am falschen Ort in der falschen Zeit befunden haben. So wurde im vergangenen Dezember ein US-Amerikaner festgenommen. Sein Smartphone hat sich vor neun Monaten an einem Ort eingeloggt, an dem ein Fahrradfahrer erschossen wurde. Dazu fuhr der Amerikaner einen weißen Honda, der am Tatort gesehen wurde. Er verbrachte fast eine Woche hinter Gittern, bis die Ermittler an neue Beweise herankamen, die ihn entlasteten.

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