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Shazam als Beispiel: Was Apple aus gekauften Firmen macht

15.06.2021 | 15:00 Uhr | Halyna Kubiv

Apples Firmen-Käufe sind meist undurchsichtig, erst einige Jahre später sieht man, was das Unternehmen mit dem Kauf beabsichtigt.

Als Apple Ende 2017 Shazam aufgekauft hat, war mehr oder weniger klar, worin Cupertinos Entwickler den Kauf integrieren können: Der Musikerkennungsdienst wird Apple Music zugutekommen, was auch tatsächlich passierte. Mittlerweile ist Shazam fest ins System integriert, das iPhone erkennt Musik auch ohne installierte App schon per Aufruf aus dem Kontrollzentrum.

Anders als bei vergleichbaren gekauften Apps hat Apple die App nicht eingestellt: Die Android-Version gibt es nach wie vor im Google Play Store . Wie versprochen hat Apple in der App Werbung abgeschaltet, auch die Android-Version ist werbefrei . Gleich nach der Übernahme haben wir spekuliert , Apple werde durch den Kauf vor allem an der Android-Front profitieren, hat doch die App eine recht große Installationsbasis auch auf den Android-Smartphones. Dies hat sich indirekt bestätigt, als Apple im Frühling eine neue Shazam-Playlist vorstellte: " Predictions ". Dies funktioniert ähnlich wie Google Trends – je mehr Nutzer einen bestimmten Song erkennen wollen, desto wahrscheinlicher ist es, dass der gleiche Song erfolgreich wird. Wird sich doch keiner für Musik interessieren, die einem nicht gefällt. Und hier kommt die Android-Fraktion ins Spiel: Hätte Apple vor knapp drei Jahren die Android-App eingestellt, hätte seine Musik-Analyse-Abteilung auf einige Hundert Millionen Nutzer verzichtet, die die App auf dem Android installiert hatten.

Weit mehr als nur Musikerkennung

Doch Apple Music und Musikerkennung auf dem iPhone scheinen ein Kinderspiel zu sein, im Vergleich zu der Ankündigung, die Apple auf der vergangenen WWDC machte: Die Sounderkennung aus Shazam wird auch den Dritt-Apps zur Verfügung stehen, ab iOS 15 können Apps erscheinen, die mittels Shazam-Technologie eigene Mediatheken für Geräusche, Wörter etc. verwenden.

Was zunächst recht abstrakt klingt, zeigt dieses Video, was damit alles möglich ist: Gleich nach einem Tag nach der Ankündigung hat ein Entwickler einen Wort-Zähler für gesprochene Sprache gebastelt, man kann damit zum Beispiel feststellen, wie viele Male Tim Cook auf einer Keynote das Wort "amazing" verwendet hat.

Doch das ist momentan nur eine nette Spielerei, die sozusagen erst die Spitze des Eisbergs aufzeigt, wozu Shazamkit in den Dritt-Apps fähig sein kann. Apple hat bei seiner Präsentation eine Lern-App als Beispiel gewählt. Damit wird ein linear aufgenommenes Video zu einem interaktiven Erlebnis : Wird eine bestimmte Frage des Lehrers erkannt, blendet die App Frage-und-Antwort-Modul ein, damit der Schüler den gerade eben besprochenen Stoff besser sich besser aneignen kann. Mit diesen zwei oder drei Beispielen sind jedoch noch keine Grenzen gesetzt, Shazamkit kann überall dort zum Einsatz kommen, wo die Audio-Inhalte noch eine zusätzliche interaktive Schicht benötigen. Das obligatorische "Schreibt in die Kommentare" bei jedem Youtube-Video kann sofort ein leeres Kommentar-Feld einblenden, sodass der Nutzer nicht danach proaktiv suchen muss. Apple Watch kann beispielsweise anzeigen, wenn jemand an der Tür klingelt, diese Option kann mit Shazamkit auch auf weitere Geräte und Geräusche angewendet werden.

Kurz um: Apple hat Shazam als eine recht nützliche Funktion für seinen Streaming-Dienst Apple Music dazugekauft, hat jedoch die Köpfe dahinter und eigene Forschungs-Ressourcen weiter investiert, sodass aus einem Gimmick eine Grundlage für tolle Apps werden kann.

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