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Siri-Korrektorin: "Manchmal wird es zu dreckig"

09.08.2019 | 14:15 Uhr | Thomas Hartmann

Nachdem bekannt wurde, dass Amazon wie Google und Apple für ihre Sprachassistenten auch ohne Zustimmung mithören, ist das Interesse an Hintergrundberichten groß.

So findet sich ein ausführlicher Artikel im "Tagesspiegel" vom 8. August, hier online, mit der Überschrift: ” Viele Kinder bezeichnen Siri als ihre beste Freundin ”. Dies mag zwar ein bisschen traurig klingen. Doch auch mit richtig heftigen Sprachschnipseln müssen sich die sogenannten ”Transcribers“ und ”Correctors“ beschäftigen, deren Aufgabe es ist, die Spracherkennung von Siri & Co. per Hand zu verbessern – weil die künstliche Intelligenz das noch nicht alles selbst schafft. So konnte die vom Tagesspiegel befragte 55 Jahre alte Mitarbeiterin mit befristeter Anstellung und dem Pseudonym Renate F. mithelfen, dass der Begriff Code nun nicht mehr als ”Kot” erkannt wird, wenn das andere gemeint war. Doch nach ihren Aussagen gibt es sehr viel absichtlichen ”Dirty Talk” auch über Siri, bis hin zu äußerst heftigen und vulgären Ausdrücken. Da drückt sie dann schon mal auf den Button ”unverständlich”, auch, wenn das eigentlich untersagt ist. Ob und wie die Mitarbeitenden beim Mithören von Straftaten oder deren Vorbereitung zu reagieren hätten, dazu gibt es keine klaren Anweisungen. Ihr selbst sei das aber auch noch nicht passiert.

Ausführlich berichtet sie über die Arbeitsbedingungen bei einem von Apple engagierten Dienstleistungsunternehmen in einem Großraumbüro in Barcelona, wo sie 30 Stunden pro Woche mit Kopfhörern zubringt und täglich etwa 1200-1800 Sprachfetzen aus dem deutschen Sprachraum bearbeitet. Das lässt sich alles gut und flüssig in dem Artikel lesen. Am liebsten würde Renate F. auch nach der Phase von zwei mal sechs Monaten befristeter Anstellung fest übernommen werden. Doch zur Zeit gilt aufgrund der Ankündigung von Apple, künftig ausdrücklich die Erlaubnis der Nutzer zum Mitschneiden von Siri einzuholen, eine Beurlaubung, immerhin unter Beibehaltung von Vertrag und Gehalt und der Auflage, jederzeit zur Verfügung zu stehen. Ob es aber tatsächlich weitergeht wie bisher, oder ob man sogar den Job verliert, steht bislang nicht fest.

Heute hatten wir bereits im Morgenmagazin berichtet, wie auch der "Spiegel" das Thema aufgreift unter der Überschrift ” Wie arbeitet jemand, der Siri-Aufnahmen auswertet? ”. Dabei ähneln sich die persönlichen Berichte der Transcribers teilweise bis ins Detail, was sicherlich am ähnlichen Arbeitsumfeld, – das von beiden Interviewpartner als durchaus gut und fair bezeichnet wird, – und an der gleichen Sprachquelle für die Auswertung liegen dürfte. Auch der vom "Spiegel" Befragte teilt mit, dass er derzeit in den bezahlten Urlaub geschickt wurde. Ausgang offen …

Siri ist der meistgenutzte Assistent in Deutschland

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