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Smart Home 2.0: Was Apple fürs Homekit plant

10.02.2021 | 14:15 Uhr |

Apple war schon immer an vorderster Front des aufkeimenden Smart-Home-Marktes und könnte nun endlich einen Schritt weitergehen.

In den letzten Jahren hat sich Smart-Home-Technologie immer mehr in unseren Alltag integriert und Apples Homekit hat dabei eine maßgebliche Rolle gespielt. Da der Markt aber immer fortschrittlicher wird, beginnt Cupertinos Implementierung an den Nähten zu reißen. Vielleicht ist es an der Zeit, Homekit ernsthaft zu überdenken: Nicht nur, wie es funktioniert, sondern auch die Grundlagen, die uns so weit gebracht haben. Die gute Nachricht ist, dass es einige Anzeichen dafür gibt, dass Apple diesen Weg bereits eingeschlagen hat.

Apple, Google, Amazon: Alle einigen sich auf CHIP

Im Dezember 2019 hat sich Apple mit Amazon und Google zusammengetan , um den Start des Projekts namens "Connected Home over IP" (CHIP) anzukündigen. Die Grundidee war kühn: Einen neuen Konnektivitätsstandard zu schaffen, um Smart-Home-Technik universeller kompatibel zu machen. Beteiligt ist auch die Zigbee Alliance , eine Industriegruppe, die sich aus Unternehmen zusammensetzt, die im IoT-Bereich (Internet of Things) arbeiten – darunter große Player wie Samsung, IKEA und Signify.

Mehr, als nur Kallax- und Billy-Regale: Seit geraumer Zeit findet man bei IKEA auch Smart-Home-Produkte.
Vergrößern Mehr, als nur Kallax- und Billy-Regale: Seit geraumer Zeit findet man bei IKEA auch Smart-Home-Produkte.
© IKEA

Die Implikationen dieses Projekts sind groß, sowohl für Unternehmen als auch für Verbraucher. Theoretisch müssen Hersteller von Smart-Home-Technik nicht mehrere Protokolle implementieren, um mit Smart-Home-Assistenten von Apple, Amazon und Google zusammenzuarbeiten. Das spart nicht nur Geld, sondern ermöglicht auch, ein größeres Publikum anzusprechen. Verbraucher müssen zudem nicht riskieren, nach dem Kauf eines Smart-Home-Geräts festzustellen, dass es nicht in ihrem gewählten Ökosystem funktioniert. Beides könnte den Markt für Smart-Home-Technologien beflügeln.

Wie immer gibt es auch hier Vorbehalte. Wenn man für eine Reihe verschiedener Systeme entwickelt, werden dann alle in der Lage sein, die gleichen Funktionen zu nutzen? Außerdem: Welche Arbeit müssen Apple, Amazon und Google hinter den Kulissen leisten, um ihre eigenen Plattformen darauf vorzubereiten? Sicherlich scheinen die Vorteile die Nachteile zu überwiegen, doch es wird noch eine Weile dauern, bis wir alle Kompromisse selbst erleben und verstehen werden. Die Entwicklung von CHIP-kompatiblen Geräten schreitet voran und angeblich sollen Produkte, die den neuen Standard unterstützen, noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.

Homepod Mini bereits mit CHIP-Support?

Ein Hinweis darauf, dass sich Apple bereits auf diese vernetzte Zukunft vorbereitet, war ein Produktdetail, das weitgehend unter dem Radar geflogen ist. Im vergangenen Herbst hat Apple den smarten Lautsprecher Homepod Mini vorgestellt, eine kleinere und günstigere Version des Homepod, der wie die größere Version auch als Hub für Smart-Home-Technologien fungieren kann.

Der HomePod Mini bietet einen tollen Klang zu einem fairen Preis.
Vergrößern Der HomePod Mini bietet einen tollen Klang zu einem fairen Preis.
© Apple

Allerdings hat der HomePod mini ein paar Funktionen, die sein größerer Bruder nicht hat. Eine davon ist ein Thread-Radio . Bei einem Thread handelt es sich um eine Mesh-Netzwerktechnologie für Smart-Home-Technik, die zusammen mit Wi-Fi und Bluetooth ein grundlegender Bestandteil des oben erwähnten CHIP-Standards ist. Da Apple dieses Feature im Homepod Mini implementiert hat, scheint es wahrscheinlich, dass Apple mit diesem Gerät seinen ersten Vorstoß in einen Hub plant, der CHIP unterstützt.

Es ist auch möglich, dass der Homepod Mini auch mit Zigbee -Geräten zusammenarbeiten kann. Zigbee-Geräte verwenden manchmal die gleichen Chips, obwohl sie unterschiedliche Implementierungen haben. Das könnte ein großer Vorteil für den Homepod Mini sein, da er sich so in einen echten Smart-Home-Hub verwandelt, der die Notwendigkeit für separate Hubs für jeden anderen Hersteller von Smart-Home-Geräten überflüssig macht.

Derzeit heißt es in der Fußnote des Homepods Mini, dass der Thread-Chip "nicht kompatibel mit Thread-Geräten ist, die nicht zu Homekit gehören." Das heißt, die Mitgliedschaft in der Thread-Group erfordert die Einhaltung des Standards. Und da einer der Grundsätze der besagten Gruppe ein gewisses Maß an Kompatibilität ist, ist es wahrscheinlich, dass ein zukünftiges Software-Update Unterstützung für CHIP-Geräte bringen wird.

Was bisher schiefläuft

Die Kompatibilität ist jedoch nur ein Teil der Kluft. Apples Home-App auf iOS und Mac ist zwar freundlich, fühlt sich aber schnell beengt und überfüllt an, wenn Sie mehr als ein paar Smart-Home-Geräte haben. Es gibt nichts Schöneres, als sich durch mehrere Bildschirme zu blättern, nur um das eine Licht zu finden, das man ausschalten möchte, sodass man sich einmal mehr fragt, ob ein einfacher Wandschalter nicht effektiver wäre.

Smart, aber schnell unübersichtlich.
Vergrößern Smart, aber schnell unübersichtlich.
© Apple

Das soll nicht heißen, dass die Home-App nicht auch ihre Stärken hat: Sie ist zum Beispiel sehr praktisch, um Automatisierungen zu erstellen. Aber wenn es um die tatsächliche Steuerung von Geräten geht, ist die Verwendung von Siri oder der Zugriff auf Geräte über das Kontrollzentrum weit überlegen – vor allem, da die iOS-14-Version des Kontrollzentrums viel intelligenter geworden ist. So werden bestimmte Geräte zu gewissen Uhrzeiten angezeigt (vermutlich dank maschinellem Lernen).

Homepod Mini mit manchen Homekit-Geräten nicht kompatibel

Auf dem Mac hingegen gibt es nicht einmal eine solche Schnellzugriffsoption; stattdessen müssen Sie die Home-App starten, die sich nicht einmal besonders Mac-ähnlich anfühlt. Optionen von Drittanbietern haben diesen Platz nun gefüllt, aber es scheint, als ob Apple nicht einmal darüber nachgedacht hat, wie man Homekit an seine eigene Plattform anpassen könnte.

Mit der zunehmenden Verbreitung von Smart-Home-Geräten sollte Apple das Design der Home-App überdenken und sie in einen Ort verwandeln, den man für tiefer gehende Aufgaben nutzt, wie z. B. Automatisierungen oder die Konfiguration von Einstellungen auf den Geräten – die Art von Funktionen, die man nur ab und zu benötigt und nicht mehrmals am Tag.

Zwischen den Verbesserungen der Kompatibilität sowie der Art und Weise, wie wir mit unseren Smart-Home-Geräten interagieren, ist die nächste Generation von Apples Smart-Home-System bereit, noch leistungsfähiger, nützlicher und benutzerfreundlicher zu werden, was ein gutes Zeichen für die Zukunft von Apple auf dem Markt ist.

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