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Smarte Türklingeln: Nur drei von fünf sind sicher

12.11.2019 | 08:14 Uhr | Stephan Wiesend

In einem Test von fünf Video Türklingeln schneiden nur die Modelle von Arlo, Nest und Ring gut ab, die Modelle von Somikon und Doorbird zeigen Mängel.

So genannte Smarte Türklingeln wie Googles Nest oder Amazon Ring haben viele interessante Vorteile: Die auf einer Video-Sprechanlage basierenden Smart-Home-Geräte lassen sich per Smartphone steuern und zeigen auch dem nicht anwesenden Bewohner, dass gerade jemand vor der Tür steht. Dem Verwandten und Kind ohne (oder vergessenem) Schlüssel kann man so per Smartphone Einlass gewähren, dank Gesichtserkennung auf Wunsch sogar automatisch. Eine Videokamera nimmt außerdem alle Bewegungen vor der Tür auf und archiviert sie per Cloud. Dort werden die Aufnahmen zum Teil gleich analysiert und mit Hilfe einer Bewegungserkennung ausgewertet.

Für eine so sicherheitskritische Aufgabe wie die Haustür sollten aber besonders hohe Sicherheitsanforderungen erfüllt werden, das gilt dabei sowohl für die Geräte selbst als auch ihre Cloud-Dienste und die Smartphone-App. Erfasst das System doch nicht nur Daten über Besucher sondern sammelt sehr viele Daten über die Hausbewohner.

Die eher für ihre Antivirensoftware-Tests bekannte Firma AV-Test testet seit einiger Zeit auch IoT-Geräte und hat gerade fünf Videoklingeln ausführlich auf ihre Sicherheitsfunktionen hin getest et: Dazu gehören die Arlo Audio Doorbel l, Doorbird , Nest (Google) Hello , Ring (Amazon) Doorbell 2 sowie die die WLAN-HD-Video-Türklingel von Somikon.

Um den Funktionsumfang ging es bei den Test nicht: Bei dem Vergleich stand die Sicherheit der Geräte im Vordergrund, weniger der Bedienkomfort oder das Preis-Leistungsverhältnis.

Zum Funktionsumfang:

Der Funktionsumfang der Geräte wird im Sicherheitstest zwar nicht bewertet, ist aber sehr unterschiedlich. So bietet etwa nur die Hello von Google eine Personenerkennung, nur beim Gerät von Arlo kann ein Besucher eine Audio-Nachricht hinterlassen. Einige Funktionen wie langfristige Speicherung der Aufnahmen sind nur optional bzw. per Aufpreis zu haben, auch technisch gibt es Unterschiede. So läuft die Arlo Doorbell per Akku oder Batterie, während das Gerät von Nest an das Stromnetz angeschlossen werden müssen. Nicht zuletzt ist der Preis sehr unterschiedlich: Die Somikon-Lösung ist für 62 Euro zu haben, die DoorBird erst ab 649 Euro.

Lokale Kommunikation: Mängel bei Door Bird

Das Abgreifen von Daten oder Einstellungen soll keinesfalls von Außen möglich sein, drei der Geräte kommunizieren deshalb nicht einmal mit dem lokalen Netz des Besitzers und bieten dadurch keine Angriffsfläche für Hacker. Nur die Geräte von Arlo und Door Bird werden in das Heimnetz eingebunden. Während aber das Gerät von Arlo gut geschützt ist, kann das Gerät von Doorbird leicht angegriffen werden: Hat etwa ein Angreifer das WLAN-Kennwort herausgefunden, kann er auf das Gerät und somit die Bild- und Videodateien zugreifen. Sogar Nutzernamen und Kennwörter können laut Test abgerufen werden.

Online-Kommunikation: Schwächen bei Door Bird und Somikon

Sorgen manchen sich viele Nutzer aber wohl vor allem über die Sicherheit der Online-Daten. Neben Videos, Tonaufnahmen und biometrischen Daten werden schließlich auch Bewegungsprofile der Nutzer erfasst und archiviert.

Die Geräte von Arlo, Nest und Ring zeigten sich gut geschützt: Die Online-Konten sind gut geschützt und verweigern etwa Trivialpasswörter oder zu viele Einwahlversuche. Auch die Übertragung der Daten von der Kamera zum Online-Dienst werden verschlüsselt. Updates der Produkte gelangen nur verschlüsselt auf das Gerät, hier kann also niemand so einfach manipulierend eingreifen. Schwächen gab es hier aber bei den beiden Geräten von Doorbird und Somikon. Bei dem Geräte von Doorbird bemängeln die Tester, dass die Video- und Tonübertragung vom Gerät zu einer App und zum Online-Dienst nicht vollständig verschlüsselt wird. Zusätzlich fehlen zusätzliche Schutzfunktionen wie eine Zwei-Faktor-Authentifizierung. Das weit günstigere Modell von Somikon hat sehr ähnliche Schwächen: Auch hier erfolgt die Datenübertragung teilweise unverschlüsselt und auch der Cloud-Account ist unzureichend gesichert.

Sicherheit der App

Beim Überprüfen der Sicherheit der App kann Doorbird dagegen überzeugen, ebenso die Apps von Nest und Ring. Potentielle Sicherheitslücken gibt es bei der Arlo-App, aber keine schwerwiegenden Fehler. Negativ fällt hier die App von Somikon auf: Die Daten landen unverschlüsselt auf dem Smartphone und die Apps sammelt zahlreiche Nutzerdaten, etwa über auf dem Smartphone installierte Apps – die an den Hersteller in China übertragen werden.

Hinweis: Kürzlich bekannt gewordene Probleme mit der App-Sicherheit, die Bitdefender bei der App von Signal kritisierte , waren laut AV-Test für den Test ohne Belang und wurden zudem bereits korrigiert.

Nur drei der fünf Geräte waren laut AV-Test sicher.
Vergrößern Nur drei der fünf Geräte waren laut AV-Test sicher.
© AV-Test

Datenschutz: USA vs. EU

Beim Thema Datenschutz fällt auf, dass viele der Geräte für den US-Markt gedacht sind. Hier ist man etwas offener, so kooperiert der Ring-Hersteller Amazon hier sogar mit einigen Polizeibehörden, die die Videoklingeln vergünstigt abgeben. Diese erhalten dafür dann Zugriff auf den Video-Feed - eine Nachbarschaft-Funktion, die in Deutschland wohl undenkbar wäre. Hier ist schließlich sogar das Abfilmen des öffentlichen Raumes verboten, die Kamera darf nur auf das eigene Grundstück gerichtet sein. Über ein Schild muss man zudem auf die Videoaufnahme hinweisen. Unterschiede gibt es bei den fünf Geräten bei der nötigen Datenschutzerklärung: Informativ und umfassend informiert Ring, die Google-Tochter Nest berichtet ebenfalls sehr ausführlich über alle vom Gerät übermittelten Daten. Auch bei Arlo gibt es nichts zu beanstanden. Fragwürdig sind dagegen die Rechte, die sich der Hersteller Somikon in einer Datenschutzerklärung einräumt, so werden viele Daten an chinesische Unternehmen weitergeleitet. Schlusslicht ist hier das Gerät von Doorbird. Der Hersteller auch Berlin informiert nur unzureichend über die erfassten Daten und erhält deshalb hier die Note „ungenügend“.

Fazit: Drei der Geräte erhalten die Empfehlung von AV-Test, die Arlo Audio Doorbell, die Hello von Nest und die Doorbell 2 von Ring. Vor allem das Gerät von DoorBird fällt durch grobe Sicherheitsmängel auf.

Der Funktionsumfang war sehr unterschiedlich.
Vergrößern Der Funktionsumfang war sehr unterschiedlich.
© AV-Test

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