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So schön war 2021 – Macphisto am Freitag

03.12.2021 | 10:25 Uhr |

Dezember ist die Zeit für Rück- und Ausblicke. Der Kolumnist aus der Hölle kennt zwar die Ewigkeit – doch die Zukunft bleibt vage.

Menschen sind seltsam, befindet Macphisto aus seinem der inneren Kreise der Hölle. Geschichte verstehen sie rückwärts, leben und gestalten sie dann ohne Sinn und Verstand vorwärts. Nein, nein und nochmals nein : Geschichte wiederholt sich nicht, sie verläuft nicht einmal in Zyklen. Dennoch können weise Leute kurz-, mittel- und langfristige Prognosen erstellen, die aus vorhandenen Daten und fundiertem Wissen über dynamische physikalische und soziale Systeme Modelle entwickeln. Diesen weisen Leuten, Magister genannt, Doktoren gar, gebricht es jedoch an der Macht, Maßnahmen durchzusetzen, die Folgen düsterer Prognosen mildern oder im günstigsten Fall die Voraussetzungen so ändern, dass die nächsten Prognosen nicht mehr so finster sind.

Die Leute, die an der Macht sind, verstehen aber weder die Prognosen noch das Ausbleiben der allerschlimmsten Folgen, wenn sie dann doch Maßnahmen ergreifen. Stattdessen verstehen sie und viele ihre Wähler (oder Untertanen in anderen Weltregionen) Geschichte als einen Zyklus, der nach einem Menschenalter immer wieder in Krieg und Zerstörung enden muss, um einen Neuaufbau zu ermöglichen. Oder sehen alle 2000 Jahre ein neues Zeitalter anbrechen, jetzt eben das des Wassermanns. Dabei beschreiben diese 2000 Jahre nur die ungefähre Zeit, die der Frühlingspunkt, jener Schnittpunkt zwischen dem an die scheinbare ferne Himmelskugel projiziertem Äquator und der Ekliptik, der scheinbaren Bahn der Sonne um die Erde, benötigt, um eines der willkürlich erfundenen "Sternbilder" zu durchwandern. Macphisto, in der Ewigkeit gefangen, hat schon viele komplette Präzessionsumläufe der Erdachse beobachtet und viele Zeitalter gesehen. Im Zeitalter des Aberglaubens scheint die Menschheit weiter gefangen zu sein. Zumindest die negativ herausragenden Vertreter der Spezies Homo sapiens sapiens, die Glauben als ein Nicht-Wissen-Wollen begreifen, wie es ein Herr Nietzsche erkannte.

So wird 2022 …

Macphisto behauptet nicht, das Jahr 2022 in allen Details vorhersagen zu können, doch Macphisto hat so die eine oder andere Ahnung, wie das kommende Jahr laufen könnte. Basierend auf vorliegenden Daten und nicht allzu komplexen Modellen. Im Frühjahr, wenn die Uhren wieder eine Stunde vorgerückt sein werden – Zeit ist auch nur Schall und Rauch – bringt Apple das iPhone SE der dritten Generation. Wenn der Sommer nicht mehr weit ist, zeigt uns Cupertino, was es sich für macOS 13, iOS 16, iPadOS 16 und den ganzen Rest ausgedacht hat – und straft einige Auguren, die heute schon die Trends 2022 kennen wollen, wenn nicht der Lügen, so doch der unpräzisen Vorhersageinstrumente. Wenn die Blätter langsam ihre Säfte verlieren, sich aber immer noch grün an die Bäume klammern, zählt Apple beim iPhone von der 13 zu 14. Zwischendrin und immer wieder neue Macs mit Apple Silicon: Macbook Air M2 im ersten oder zweiten Quartal, iMac M1 Max/Pro im zweiten oder dritten und wenn es wieder gegen Advent geht, kommt mit einem Mac Pro mit M1 Max Duo eine Höllenmaschine, die dort unten als Heizung nicht zu gebrauchen sein wird, weil sie kaum Abwärme produziert.

… weil 2021 so war

Apple hat sich in den vergangenen elf Monaten und zwei Tagen an manchen Punkten verschätzt. Wenn sich aber neue Fakten ergeben, sollte man tunlichst auch die Meinung über sie ändern und nicht stur an einem einmal gefassten Vorhaben festhalten. So wollte insbesondere Apples Personalabteilung einen Großteil der Belegschaft schon im September oder Oktober wieder im Apple Park sehen. Modellrechnungen aus dem Frühsommer ließen darauf schließen, im Winter könnte die Pandemiegefahr tatsächlich beendet sein. An neuen Fakten wurde dann offenbar, dass zu viele Menschen das Angebot des Impfstoffs, der ein Geschenk des Himmels ist, als Teufelswerk ablehnten – Macphisto kann bestätigen: Aus der Hölle kommt der Stoff nicht. So bleiben die Infektionen hoch und höchst gefährlich. Menschen eben, die lieber an einen siebenjährigen Entwicklungzyklus glauben, den man nicht durch Impfung stören möchte oder an Heilkraft gewässerter Zuckerkügelchen, als auf Wissenschaftler zu hören oder ihre Erkenntnisse verstehen zu wollen. Nietzsche hatte Recht: Dieser Glauben an Humbug ist Nicht-Wissen-Wollen.

Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein

Apple hat sich also beim menschlichen Faktor verschätzt, aber nur in diesem Aspekt. Was das Begehr der Kundschaft betrifft, hatte Cupertino wieder eine goldene Nase bewiesen. Das werden die Zahlen für das Weihnachtsgeschäft offenbaren, die Apple Ende Januar 2022 vorlegen wird. Erneut sollte da ein Plus beim Umsatz stehen, ein neuer Rekordwert. Die gierigen Erinnyen der Wall Street werden aber fürchterlich Rache nehmen, wenn das Wachstum nicht noch viel höher ist, oder gar so hoch, dass dieses ihre begrenzte Vorstellungskraft sprengt. Der Analystenberuf bringt es mit sich, oft Dinge so zu sehen, wie man sie sehen will und nicht wie sie tatsächlich sind, das hat etwas von Leerdenker- und Leerverkäufertum.

Vollkommen richtig in seiner Prognose der nahen und nicht mehr so nahen Zukunft lag Apple in technischer Hinsicht. Auf fundiertem Wissen, guten Prognosemodellen und etwas Wagemut beruhte die Entscheidung, den Mac mit auf ARM-Designs basierenden, selbst entwickelten Chips umzustellen, die schon lange Jahre zuvor ihre besten Dienste in iPhone und iPad leisteten. Anstatt den Mac auf Höllenfahrt zu schicken, wird der immer mehr zu einer Höllenmaschine, die nur leise vor sich hinsäuselt, während High-End-Systeme mit x86-Chips und Monstern von Grafikkarten in der selbst entwickelten Hitze schmoren und stöhnen.

Dutzende und Tausende von Jahren

Etwa ein Dutzend Jahre arbeitete der Mac mit 68k-Prozessoren von Motorola und Konsorten, ein weiteres dreckiges Dutzend mit dem PowerPC, dann folgte der Wechsel zu Intel, dem Apple etwas mehr als ein Dutzend Jahre nun den Abschied bereitet. Daraus zu schließen, in der Mitte der 30er stünde der Wechsel zur nächsten Plattform an, wäre aber ein Trugschluss der den kruden Ideen derer gleicht, die alle sieben Jahre einen persönlichen Entwicklungsschub sehen, alle 80 Jahre einen Krieg oder alle 2000 Jahre ein neues Zeitalter. Macphisto weiß nur: Alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht. Wäre es aber besser, wenn nichts entstünde? Nein, nein und nochmals nein : Apple Silicon ist gekommen, um zu bleiben. Wie lange, das kann nicht mal Macphisto sagen. Aber Macphisto hat eine ganze Ewigkeit Zeit für die Beobachtung der Menschen und ihrer Geschicke.

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