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So wird die Corona Warn App überall in der EU funktionieren

21.07.2020 | 17:44 Uhr | Halyna Kubiv

Die Arbeiten an Corona-Apps in der EU gehen weiter, es gibt konkrete Pläne, wie die Apps auch länderübergreifend funktionieren sollen.

Erste Konzepte, wie die Tracing-Apps aufgrund der Bluetooth-Schnittstelle von Apple und Google untereinander in unterschiedlichen Ländern funktionieren sollen, gab es schon im Mai. Seit der Fertigstellung der deutschen Corona Warn App gibt es in der EU mittlerweile 14 nationale Tracing-Apps , die meisten setzen auf die Google-Apple-Schnittstelle und funktionieren nach einem dezentralisierten Prinzip. Weitere fünf Apps wie in Spanien oder Portugal sind in Planung. Frankreich, Ungarn, Norwegen und die Slowakei haben sich für eine zentralisierte App entschieden. Die Datenschutzbehörde in Norwegen hat die bereits veröffentlichte App aus dem Verkehr gezogen.

Mittlerweile hat die EU in der vergangenen Woche beschlossen, dass vorhandene und geplante Tracing-Apps die Daten der erkrankten Nutzer untereinander tauschen sollen. Federführend in der Arbeitsgruppe zu dem Federation Gateaway Service, dem Austauschservice der Apps, sind wieder Deutsche Telekom und SAP. Ein ausführliches Dokument beschreibt die Funktionsweise des Austauschservices.

Die Idee dahinter ist einfach: Neben den üblichen Daten, die Smartphones untereinander austauschen (Bluetooth-Schlüssel, Datum und Zeit, Signalstärke) soll noch zusätzlich der Länder-Code übermittelt werden. Diese werden anhand des mobilen Netzwerkes festgestellt, in dem sich gerade das entsprechende Smartphone eingewählt hat. Die Entwickler empfehlen eine automatische Erkennung des Landes , in dem sich der Nutzer gerade aufhält, mit der Möglichkeit, diesen automatischen Vorschlag in der App nachträglich zu ändern.

Im Backend benötigt man für die europäische (ggf. weltweite) Interoperabilität eine zusätzliche Instanz, die die Codes der Positiv-Getesteten aus den beteiligten Ländern zusammenfasst und an die nationalen Behörden weiter distribuiert. Als Ansatz schlagen die Entwickler vor, dass diese zentrale Instanz alle Codes von allen nationalen Behörden sammelt und dann weiter an alle beteiligten Behörden weiterleitet. Diese soll die verfügbaren Codes an die Smartphones der Nutzer pushen, der Algorithmus lokal wird entscheiden, welche von gepushten internationalen Codes in die Berechnung von Ansteckungsrisiko fließen werden und welche nicht, anhand der Daten, in welchen Ländern sich der Nutzer in den vergangenen vierzehn Tagen aufgehalten hat. Was nach jeder Menge Daten und Rechenpower klingt, wird sich in der Praxis auf 100 bis 200 MB an Daten in Europa belaufen.

Grundsätzlich sind mit der Lösung alle Apps kompatibel, die auf die Schnittstelle von Google und Apple setzen. Einmal eine zentrale europäische Instanz für Bluetooth-Schlüssel-Austausch implementiert, können unterschiedliche nationale Apps untereinander Bluetooth-Kennungen austauschen. Für den Abgleich der möglichen Ansteckungen sorgt in zwei Schritten zunächst der EU-Service und dann die nationale Behörde, die die App betreibt, beispielsweise das Robert-Koch-Institut. Nutzer müssen nicht neue Tracing-Apps installieren, sobald sie sich in einem neuen Land befinden.

Momentan gibt es keine konkreten Daten für die Implementierung des Federation Gateaway Services genannt, als nächster Schritt müssen die nationalen Behörden ihre Apps aktualisieren, sodass sie auch Ländercodes untereinander austauschen können.

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