2639405

Spotify reagiert auf Neil Youngs Rückzug: Infoplattform zu Covid19

31.01.2022 | 10:20 Uhr | Peter Müller

Neil Young war nur der Anfang, Spotify drohen die Felle davonzuschwimmen. Daniel Ek reagiert ein wenig halbherzig.

Neil Young hat seinen Katalog vom Streamingdienst Spotify zurückgezogen, weitere teils prominente Künstler folgten ihm. So zog auch Joni Mitchell ihre Werke zurück  und der Gitarrist von Bruce Springsteens E-Street-Band, Nils Lofgren. Der Grund war der Podcast "The Joe Rogan Experience", der in mindestens Folgen unwidersprochen Lügen über Covid-19 verbreitete, vorgetragen von ausgewiesenen Impfgegnern wie Robert Malone und Peter McCollough.

"Er oder ich!" drohte Neil Young dem Streaminganbieter und zog die Konsequenzen, als Spotify nicht reagierte und den strittigen Podcast von Joe Rogan im Programm beließ. Gründer und CEO des Streamers Daniel Ek holt eine Reaktion nun nach , etwas verspätet und ein wenig halbherzig. Zu "mehr Transparenz" soll nun die Veröffentlichung des schon lange angewandten Regelwerks führen, das festlegt, welche Inhalte noch akzeptabel sind und welche nicht.

Fakten gegen Verschwörungsmythen

Beiträge über die Pandemie sollen mit einer Art Content-Warnung versehen werden. "Ausgehend von den Rückmeldungen der letzten Wochen ist mir klar geworden, dass wir verpflichtet sind, mehr für die Ausgewogenheit und den Zugang zu allgemein anerkannten Informationen aus der medizinischen und wissenschaftlichen Gemeinschaft zu tun, die uns durch diese beispiellose Zeit führen", schreibt Ek. Eine Informationsplattform soll "datengestützte Fakten, aktuelle Informationen, die von Wissenschaftlern, Ärzten, Akademikern und Gesundheitsbehörden auf der ganzen Welt verbreitet werden, sowie Links zu vertrauenswürdigen Quellen" zusammenfassen.

Apple Music nutzt Neil Youngs Protest in eigener Sache und weist  darauf hin, den gesamten Musikkatalog des kanadischen Musikers (mit US-Staatsbürgerschaft) anzubieten.

Joe Rogan und die false balance

Ein wenig kleinlaut geworden verteidigt Joe Rogan in einem etwa zehnminütigen, auf Instagram veröffentlichten Artikel die beiden umstrittenen Episoden, berichtet der Hollywood Reporter. Rogan finde es in Ordnung, dass Spotify eine Art Faktencheck zum Thema Covid-19 einführe. Mit den beiden promovierten Impfgegner, die er als "sehr hoch qualifiziert, sehr intelligent und sehr versiert" bezeichnete, weil sie Meinungen vertreten, "die vom Mainstream abweichen". Unwidersprochen durften diese jedoch ihre verqueren Ansichten über die Wirkungsweise der Impfstoffe vertreten. Rogan "wollte hören, was ihre Meinung ist. Ich habe sie eingeladen, und deshalb wurden diese Sendungen als gefährlich und mit Fehlinformationen versehen abgestempelt". Diese seien aber angeblich Fakten, welche die "Mainstreammedien" nicht verbreiten würden. Und weiter: "Wenn es irgendetwas gibt, was ich besser machen könnte, dann wäre es, mehr Experten mit abweichenden Meinungen gleich nach den kontroversen Meinungen zu haben." Rogan begeht hier in seinem Podcast offenbar den Fehler, der auch so manchem klassischen Medium unterläuft. Behauptungen außerhalb des wissenschaftlichen Konsens sind eben keine gleich berechtigen Meinungen, sondern in diesem und in vielen anderen Fällen schlicht "alternative Fakten" – also Falschbehauptungen.

In einem offenen Schreiben an Spotify hatten 270 Wissenschaftler und Ärzte die Falschbehauptungen Malones in der Podcast-Folge vom 31. Dezember kritisiert, sie würden das Vertrauen in die Wissenschaft zerstören, indem sie etwa mRNA-Imfpungen fälschlicherweise als "Gen-Therapie" bezeichneten, der mittlerweile bei Twitter gesperrte Malone habe die Impfkampagne zudem als "Holocaust" geschmäht.

Macwelt Marktplatz

2639405