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Steckt der Mac App Store in der Krise?

23.02.2017 | 13:39 Uhr |

Der App Store für iOS sorgt für Milliarden-Umsätze, dagegen sind viele Entwickler mit dem Mac App Store unzufrieden. Wir erklären, warum.

Am iOS Store kommt kein Entwickler vorbei, der ein Tool oder ein Spiel verkaufen möchte. Dank des Erfolgs von iPhone und iPad gibt es eine riesige Nutzerschar, die jede App ausschließlich über Apples iOS-Store installieren können. Bei Einführung des Mac App Store hatte man erwartet, der Erfolg des iOS-Stores würde auch mit der Desktop-Version gelingen. Das hat aber nach unserer Einschätzung nur teilweise geklappt. Heute ist der Store sehr beliebt bei den Anwendern, vor allem dank der einfachen automatischen Aktualisierung der Apps.

Die Entwickler hat Apple dabei aber ein wenig vernachlässigt. Sie sind nicht völlig begeistert, was sich vor allem am App-Angebot zeigt. Die echten Verkaufsschlager fehlen noch immer: Software-Konzerne wie Microsoft und Adobe brauchen keinen Mittelsmann für ihre Verkäufe, der 30 Prozent Provision verlangt. So gibt es von Microsoft nur kostenlose Apps wie One Note. Adobe hat ebenfalls nur seine Low-End-Programme Premiere Elements und Photoshop Elements freigegeben. Aber auch viele kleinere Entwickler verkaufen ihre Apps lieber selbst: Vor allem Software, die mehr als 50 Euro kostet, bieten sie selber an. Dazu gehören Cyberlinks Photodirector, Papyrus Autor, DxO Optics Pro und Profi-Audioprogramme von Steinberg wie Cubase.

Eigentlich sollte es ja die Aufgabe des Store sein, dass man als kleiner Entwickler schnell bekannt wird. Auf den ersten Plätzen der umsatzstärksten Apps sind aber seit Jahren die gleichen Programme zu finden: WISO Steuer, Affinity Fotos und 1 Password, dJay Pro, PIxelmator und PDF Export. Das ist auch kein Wunder: Ist man nämlich erst einmal in den Top 30, hält man sich leichter oben.

Welche Reformen nötig waren

Apple ist offensichtlich auch nicht völlig zufrieden und hat einige Neuerungen gebracht. Über „New apps und "Games we love“ stellen Redakteure neue Apps vor, um auch Neulingen eine Chance zu geben. Noch wichtiger: Eines der größten Ärgernisse für Entwickler war die fehlende Möglichkeit, auf Bewertungen von Nutzern zu antworten – selbst wenn diese völlig ungerechtfertigt waren. In Kürze soll es endlich möglich sein, hier etwa auf Missverständnisse hinzuweisen. Gab es doch sogar schon Nutzer, die eine App loben wollten und aus Unwissenheit nur einen Stern vergaben... Einige Kritikpunkte bestehen aber noch immer, vor allem technische Einschränkungen beim Einstellen der Apps und Upgrade-Möglichkeiten.

Niedrige Einnahmen

Enttäuscht sind viele Entwickler von den Einnahmen, selbst im US-Store bedeutet anscheinend ein Platz in den Verkaufscharts noch keine hohen Umsätze. So freute sich der Entwickler Jeff Johnson, als seine App Social-Media-App Underpass auf Platz 18 der Rangliste „Top Paid Social Networking“ auftauchte ! Auch in der Rangliste der umsatzstärksten Apps im Bereich Social Networking erreichte die App den Platz 29. Allerdings genügte für die Platzierung ein einziger Kauf – was dem Entwickler 70 Cent und Apple 30 Cent einbrachte. Johnson hatte nie erwartet, mit der App viel Geld zu verdienen. Dass man mit so wenig Verkäufen so hoch in einer der vielen Ranglisten stehen kann, erstaunt wohl nicht nur ihn. Auch wenn Social Networking nur ein Randbereich ist, sollte man also vom Mac App Store keine allzu hohen Umsätze erwarten.

Nach einem einzigen Kauf landete diese App in einer der Top-Listen.
Vergrößern Nach einem einzigen Kauf landete diese App in einer der Top-Listen.

Besser sieht es natürlich für Apps im iOS-Store aus, allerdings darf man nicht vergessen, dass hier vor allem mit Spielen Geld verdient wird. Zeiten, in denen man mit einer Pups-App Unsummen verdienen konnte, sind einfach vorbei. Ein Beispiel sind Foto-Apps: Noch vor einigen Jahren bot die Fotoverwaltung des iOS kaum Optionen, für das Verschönern von Fotos musste man zu Apps von Drittherstellern greifen. Heute kann man mit Bordmitteln die wichtigsten Korrekturen durchführen, nebenbei ist die Konkurrenz riesig und es gibt unzählige kostenlose Apps wie Snapseed, Photodirector und mehr.

Muss man aber Gehälter für zehn Angestellte und die Miete für ein Großraumbüro zahlen, sollten schon tausend Euro pro Tag herein kommen, um nicht pleite zu gehen. Das ist schon mit einer deutschsprachigen App kaum zu schaffen und eigentlich nur mit iOS-Apps möglich.

Hohe Gebühren, lange Prüfungen

Üppig sind schon die Gebühren, die bei jedem Verkauf anfallen. Apple behält stolze dreißig Prozent vom Umsatz als Vermittlungsgebühr. So rechnet der Entwickler der App Rapidweaver vor, dass sein Programm im App Store einen Umsatz von 2 Millionen US-Dollar erzielt habe. Nach Abzug der Apple-Steuer bleiben davon allerdings nur noch 1,4 Millionen Dollar übrig. Vergleicht man diesen Betrag mit den üblichen Händlerprovisionen im Einzelhandel, sind 30 Prozent eigentlich kein hoher Betrag. Für eine etablierte Softwarefirma, die ihre Programme seit Jahren über ihre eigene Website verkauft, sind 30 Prozent sehr viel. Bekanntere Programme wie Graphic Converter, Star Money oder Wiso Steuer hätten den App Store für ihren Verkaufserfolg nicht nötig. Viele Entwickler meinen, es sei vor allem der Wunsch von Kunden, im Store verfügbar zu sein.

Im Gegenteil könnten Entwickler sogar argumentieren, dass der App Store ohne ihre Programme weniger erfolgreich wäre. Microsoft und Adobe bleiben da lieber gleich ganz außen vor und setzen auf den Eigenverkauf. Ein noch öfter beklagtes Problem sind außerdem die langen Review-Zeiten durch Apple: Hat man eine neue App oder App-Version eingereicht, dauert die Prüfung im Schnitt eine Woche. Ärgerlich, wenn ein Update sehr wichtig ist. Die Programmierer von Garage Sale nennen dies als einen der Hauptgründe, auf den App Store zu verzichten , haben sie doch dank Ebay als Plattform ein ständiges Update-Problem: Ebay ändert öfter einmal die Zugangsmethoden zu seiner Webseite, alte Garage-Sale-Versionen sind dann nutzlos. Da aber Apple sich bei seinen Prüfungen oft Zeit lässt, müssen sich die Programmierer auf laute Kritik von ihren Kunden gefasst machen wie „Aktuell ist kein Arbeiten mit der App möglich!! Dringend Updaten!!!!“. Rezensionen, die im App Store auch Jahre später noch lesbar sind.

Es geht auch ohne App Store

Auf den Komfort des App Store musste der Hersteller Kapeli plötzlich verzichten: Ohne Vorwarnung wurde das Hauptprodukt Dash aus dem Store geworfen. Laut Apple hatte Unregelmäßigkeiten bei den Bewertungen gegeben, was der Entwickler völlig anders sieht . Der Programmierer musste seinen für die Anzeige von Entwickler-Dokumentationen gedachte App über seine Homepage verkaufen. Zur Überraschung vieler stieg die Anzahl der verkauften Lizenzen sogar, die meisten App-Store-Kunden nahmen außerdem sein Angebot in Anspruch, die App-Store-Lizenz in eine unabhängige Lizenz umzuwandeln.

Ähnliches berichtet das bekanntere Entwicklerstudio Rogue Amoeba. Die Firma bietet nur wenige Apps im App Store an, bis zum 12. Februar 2016 gehörte dazu das Aufnahme-Tool Piezo . Etwa die Hälfte der Verkäufe wurde über den App Store abgewickelt, die andere Hälfte über die Homepage der Entwickler. Vor allem auf Wunsch vieler Kunden hatte man einige Produkte in den App Store gestellt, aufgrund von Problemen mit den Einschränkungen des Apps Store nahmen die Entwickler Piezo aber letzten Februar wieder aus dem Angebot. Kurz nach der Entfernung sanken die Verkäufe, stiegen dann wieder an. Im Laufe des Jahres verdiente Rogue Amoeba dabei sogar mehr als im Jahr zuvor: Ohne die App-Store-Provision stiegen schließlich die Einnahmen pro Lizenz um 30 Prozent oder knapp 5 Dollar. Als größten Vorteil sehen die Entwickler aber weniger die gestiegenen Einnahmen sondern die Möglichkeiten, ein besseres Produkt zu bieten und weniger Mühe zu haben.

Nachdem Dash aus dem Store verschwand, kauften die Nutzer die App einfach über die Herstellerseite.
Vergrößern Nachdem Dash aus dem Store verschwand, kauften die Nutzer die App einfach über die Herstellerseite.

Das soll natürlich nicht bedeuten, der App Store sei für Entwickler uninteressant. Nicht vergessen sollte man, dass nicht jede Softwarefirma so bekannt wie Rogue Amoba ist und durch die „Verbannung“ von Dash die App geradezu berühmt wurde.

Es gibt aber vor allem für die Entwickler weiterhin viele Probleme mit dem App Store, vor allem die Vorgaben bei Preisen und Upgrades sind ein Problem. "Eine App - ein Preis" ist das Grundprinzip des Stores, vergünstigte Upgrades sind dadurch aber nicht möglich. Diese Einschränkung ist wohl der wichtigste Grund dafür, warum viele teurere Apps im Store fehlen. Tools wie Parallels, Payprus und Photo Director können nämlich ihre Entwickler nicht ausschließlich durch die Einnahmen durch Neukunden bezahlen. Neue Versionen sind deshalb kostenpflichtig, für Besitzer einer alten Version aber günstiger zu haben. Im Mac App Store ist dies aber nicht möglich. Es gibt natürlich Auswege: Pixelmator und Affinity Photos sind bei Erscheinen einer neuen Version billiger, um treuen Kunden einen Rabatt zu ermöglichen. Für Neukunden ist dieses Angebot aber ebenfalls verfügbar, was Altkunden auf Dauer dann doch ärgern könnte.

Ein weiteres Problem sind Einschränkungen bei dem Anbieten von Demo-Versionen. Es gibt natürlich viele Apps, die „Pro-Versionen“ oder längere Laufzeit dann als In-App-Kauf anbieten. Eine elegante Lösung ist dies aber nicht.

Alternative Vertriebsformen

Um Verkäufe älterer Versionen anzukurbeln haben sich außerhalb des App Store Bundles bewährt. Diese Sonderangebote von Anbietern wie Macheist oder auch Macupdate bringen zwar pro verkaufter Lizenz nur einen Bruchteil, sind aber zusätzlich Werbung und bringen neue Kundenkontakte.

Ein weiteres interessantes Konzept ist ein neues Software-Abo: Setapp ist ein Flatrate-Modell für Mac-App, das von der Softwarefirma MacPaw initiiert wurde. Dazu zahlt man einen Preis von knapp zehn US-Dollar pro Monat und kann eine Auswahl hochwertiger Apps uneingeschränkt nutzen. Upgrades werden automatisch durchgeführt, die Programme sind immer auf dem aktuellen Stand. Einen Überblick zu allen enthaltenen Programmen findet man hier . Zum Angebot gehören unter anderem die iPhone-Backup-App iMazing, der Editor Ulysses und der Webeditor Rapid Weaver. Interessant wird das Programm, wenn man mehrere der enthaltenen Apps nutzt und die sowieso anfallenden Upgrade-Kosten einrechnet.

Fazit

Der Mac App Store ist noch immer kein echter Erfolg, wenn er auch dank Komfort und einfacher Bedienung von vielen Anwendern geschätzt wird. Nach unserer Einschätzung geht Apple hier einfach immer noch zu wenig auf die Wünsche der Entwickler ein und bietet für seine 30 Prozent-Gebühr eigentlich nur relativ wenig.

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