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Steiger vs. Müller: It all comes back

11.09.2004 | 10:02 Uhr | Peter Müller, Thomas Hartmann,

Steiger vs. Müller: It all comes back

Steiger und Müller sehen sich trotz modernster Kommunikationsmöglichkeiten um drei Jahrzehnte in der Zeit zurück versetzt. Oder ist es gerade wegen des Internet?

IMG id=5182 hspace=10 src="http://217.110.95.62/graphics/bild_db/5100/5182/thumbnail_80x55.idg" align=absMiddle vspace=10 border=0 caption="" format="original"> Müller: Steiger! Das haben Sie nicht gesehen! Ja, sind denn schon wieder die Siebziger angesagt? Der Fotodienstleister Fotokasten.de beitet auf seiner Website die Bestllung einer Fototapete mit eigenem Motiv an. Sie wissen, schon, diese furchtbar hässlichen und kitschigen Dinger mit Motiven wie Waldseen, Gebirgspanoramen oder Hängebrücken im goldenen Abendlicht, die vor 20 und 30 Jahren in vielen Haushalten an den Wänden pappten. Jetzt kann ich auf den Server von Fotokasten meine eigenen Kitschbilder laden und bekomme ein paar Tage später ein nach Maß produzierte Fototapete zugesandt, nur tapezieren muss ich noch selber. Warum kehrt das Internet denn immer nur das Schlechte im Menschen hervor? Schlechte Umgangsformen, schlechte Zahlungsmoral und jetzt auch noch schlechter Geschmack!

Steiger: Boah, Müller, schreien Sie nicht so rum. Ich kuriere noch die Nebenwirkungen von diesem Zitronen-Limes aus, der gestern großzügig bei unserem spontanen Verlags-Sommerfest ausgeschenkt wurde. Glücklicherweise hat Kollege Dassel immer einen Jahresvorrat Aspirin aus den Staaten in einem seiner Schränke. So, und jetzt lassen Sie mich mal nachdenken... Wovon reden Sie da? Fototapeten? Schlechter Geschmack? Ja, ich hab so auch so was Muffiges im Mund... *ekel*

Müller: Steiger, was haben Sie gestern noch veranstaltet, nachdem ich brav nach Hause geradelt bin? Na, egal. Was ich meine: Das Internet ist eine tolle Erfindung und hat uns ganz neue Möglichkeiten beschert. Raschen, weltweiten Informationsaustausch. Einkaufen rund um die Uhr. Sobald es richtig funktioniert, Musik und Filme, wann immer und wo immer wir wollen. Praktischer, bargeldloser Zahlungsverkehr, geöffnete Bankschalter zu jeder Zeit. Aber die Kehrseiten sind nun einmal, dass Menschen sich auch an ganz neue Unsitten gewöhnen. Pöbeleien anstatt Meinungsaustausch. Betrug mit gefälschten E-Mails und Websites, das erste Phishing-Opfer in Deutschland hat diese Woche 6.800 Euro nach Lettland verloren. Und schlechter Geschmack. Sie kennen doch diese Foto-Community-Sites, auf denen Hobby-Knippser ihre Werke ausstellen. Da muss man manchmal suchen, um die Perlen im Müll zu finden. Garagebanduser quälen uns mit ihren uninspirierten Klängen, manche private Weblogs enthalten nicht nur belangloses Geschwalle sondern sind auch noch in einem fürchterlichen Layout gehalten. Manchmal wünsche ich mir ein bisschen weniger digital life, obwohl gerade Apple daran gut verdient. Und eben auch andere, wie Fotokasten. Es ist ja nicht zu verdenken, dass sie neben Belichtungen digitaler Bilder auf Fotopapier auch andere Dienste anbieten, Fotos auf T-Shirts oder Tassen, aber muss es denn die Fototapete sein, die Ende der Achtziger zurecht aus unser allen Leben verschwand? Muss ich befürchten, dass ich jetzt überall in den Wohnungen meiner Bekannten, Verwandten und Freunde großformatige Ansichten von kitschigen Sonnenuntergängen auf Malle oder Bilder von den letzten Familienfeiern ansehen muss? Obwohl, Bilder vom gestrigen Grillfest, könnten recht interessant sein, auch in diesem Riesen-Format.

Steiger: Hören Sie mir auf mit Grillfest, ich kann mich an nichts mehr erinnern. Sie könnten die wildesten Montagen in Photoshop machen, ich würd’s Ihnen einfach so abkaufen. "Sehen Sie mal, Steiger, hier sind Sie auf dem Schoß der Chefsekretärin, und hier, liegen Sie kurz vor dem Kollaps auf dem Privatparkplatz des Geschäftsführers." Nee, lassen Sie mal stecken, Müller, was Sie aus diesem Fototapeten-Deal machen, möchte ich lieber gar nicht erleben.
Aber wo wir gerade über Geschmack streiten: Es heißt doch, dass Mac-User so ein tolles Gefühl für Design haben. Können Sie mir dann eine rationale Erklärung dafür geben, dass eine der angesagtesten 3D-Szene-Demos auf dem PC namens " The Popular Demo " der Programmier-Gruppe Farbrausch bei Mac-Heads überhaupt gar nicht ankommt? Warum sind die Leute so resistent gegen offensichtlich hippe Sachen aus der PC-Welt? Ignoranz? Arroganz? Oder einfach nur Neid, weil sich kein Schwein traut, sowas mal auf einem Mac zu versuchen?

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