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Steigers Solo-Kolumne

26.09.2004 | 12:24 Uhr | Thomas Hartmann,

Steigers Solo-Kolumne

Die GEZ und meine Badehose

Neulich hatte ich Besuch von einem netten Herren. Er klingelte forsch an meiner Haustür, ein hübscher Neubau, irgendwo zwischen München und Augsburg. Das war Samstags, da bin ich eigentlich immer im Einkaufsstress. An diesem Tag auch. Nun ja, da war er nun und erkundigte sich nach einem Fernseher. Ich hab ja schon erlebt, dass die Zeugen Jehovas um meine Seele bitten, aber nehmen die neuerdings auch Fernseher? Ich meine, kein Problem, mein taiwanesisches Topmodell ohne Namen hat schon fünf Jahre auf der Röhre und das Bild zuckt gelegentlich ganz schön hässlich rum. Ich hätte ihm das Teil gerne mit auf den Weg gebeben, meinen Top-Apparat aus Fernost. Doch als der nette Herr mit Schlips und ernstem Blick einen Kugelschreiber mit dem Buchstabenaufdruck "GEZ" aus der Brusttasche zog, schwante mir Schlimmes. Der Mann will mein Geld. Für eine Leistung, die ich gar nicht in Anspruch nehme. Öffentlich-röchelnder Rundfunk.

Ich hatte Glück. Seinerzeit erwischten mich die Herren mit den drei Buchstaben schon im Zivildienst, seitdem zahle ich brav für einen Fernseher und ein Radio. An diesem Status hat sich rein mengentechnisch nichts geändert, unser Schlafzimmer ist Glotzenfrei, das Arbeitszimmer auch, Shorty (3 Jahre, männlich) steht eher auf die tollen Bilder aus der Xbox als von ARD und ZDF. Kann ich verstehen, geht mir genauso. Statt vermeintlichen Barden beim Trällern auf Ruderbooten zuzusehen, ramme ich lieber einen virtuellen Gegner mit 240 Stundenkilometern in eine ebenso virtuelle Straßenbegrenzung. Baut hervorragend Agressionen ab, im Gegensatz zum genannten Barden-Trauerspiel.

Anfang dieser Woche kam die Horrornachricht, dass mein PC und das Powerbook meiner Frau ebenfalls als theoretische "Rundfunkempfänger" mit einer GEZ-Gebühr belegt werden. Moment, dachte ich mir beim Durchlesen der entsprechenden DPA-Nachricht. Nur weil es Dutzende von TV-Karten für alle Öffnungen von Computern gibt, soll ich eine Gebühr für meine Mühle abführen, weil ich mir theoretisch so ein Ding kaufen und damit die öffentlich-rechtlichen Schlafanstalten angucken könnte?

Nehmen wir diese Regelung - übrigens nicht besonders neue, hab ich inzwischen erfahren - einmal genauer auseinander. Ein Computer, eine Schnittstelle. Zunächst mal nicht ungewöhnlich. Aber: Ich könnte ja eine TV-Karte da reinstecken, in diese freie Schnittstelle. Will ich aber gar nicht. Weil ich Fernsehem am PC für eines der uninteressantesten Themen der digitalen Welt halte. Aber nach der GEZ-Richtlinie darf ich allein für die Möglichkeit dieser technischen Errungenschaft pauschal jeden Monat einen Betrag X nach Berlin überweisen. Damit sich noch mehr Barden in noch größeren Ruderbooten zum kollektiven Fremdschämen treffen können.

Ein Kollege vom bekannten (und sympathisch privaten) Fernsehprogramm Giga fand für diese aktuelle Situation einen netten Vergleich: Stellen Sie sich mal vor, Sie bekämen Post von einem Schwimmbad, welches Ihnen regelmäßig Gebühren dafür abbucht, dass Sie eine Badehose besitzen. Sie würden protestieren: "Aber ich schwimme nicht in Ihrem Schwimmbad!". - "Aber sie besitzen eine Badehose." - "Nein. Und selbst wenn?" - "Aber Shorts?" - "Ja." - "Schön, dann müssen Sie zahlen - wir haben nämlich weder Zäune, noch ein Kassenhaus und können sowieso nicht kontrollieren, wer bei uns reingeht."

Wäre das nicht total bekloppt?
Eben.

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