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Steve Jobs’ „Gedanken zur Musik“

10.03.2007 | 08:00 Uhr

Steve Jobs’ „Gedanken zur Musik“

Die Verantwortung für den restriktiven Kopierschutz im iTunes Store und damit den Ärger mit Verbraucherschützern sieht Apple einzig und allein bei der Musikindustrie, wie Apple-CEO Steve Jobs in seinem Anfang Februar veröffentlichten offenen Brief „Thougts on Music“ darlegt . Diese habe ihre Kataloge überhaupt erst freigegeben, nachdem Apple zusicherte, Lücken im System innerhalb kurzer Zeit zu schließen. Würde es einem Hacker nachhaltig gelingen, „Fairplay“ auszuhebeln, könnten die großen vier gar ihre Songs und Videos zurückziehen. Nur, wenn man stets Kontrolle über die Technik behalte, könne man rechtzeitig reagieren – in der Vergangenheit hatte sich Apple wiederholt Software wie Hymn erwehrt, die den Fairplay-Schutz von Musikdateien aus dem iTunes Store entfernte. Einer Lizenzierung, wie es etwa Verbraucherschützer fordern, erteilt Jobs in seinem Aufsatz eine klare Absage. Als Alternative bringt er aber die völlige Freigabe von Musik ins Spiel. Wenn die Musikindustrie jährlich 20 Milliarden ungeschützte Songs verkaufe – Kopierschutzmechanismen auf CDs haben sich nicht am Markt bewährt – und nur zwei Milliarden Songs legal aus dem Internet kämen – warum muss man dann solch einen Aufwand betreiben?

Die Reaktionen

Reaktionen auf den radikalen Vorschal gleißen nicht lange auf sich warten. Macrovision, Hersteller von Kopierschutzmechanismen, lobte den Vorstoß : DRM sei zwar unerlässlich, eine offenere Gestaltung aber wünschenswert. Auch von der Konkurrenz kommt Unterstützung: Dave Goldberg, Manager bei Yahoo Music meint, dass ein Verzicht auf DRM-Maßnahmen die Verkäufe von digitaler Musik antreiben würde: "Ich habe mich schon lang für DRM-lose Musik eingesetzt, denn es gibt bereits jede Menge Musik ohne Kopierschutz zu kaufen, was es für den Kunden kompliziert macht." Auch Real Networks stellt sich hinter Jobs: "Wir denken, es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Online-Vertrieb von Musik DRM-frei sein wird." meint Dan Sheeran, Senior Vice President von Real Networks Rhapsody. Real-CEO Rob Glaser habe erst zwei Wochen zuvor einen ähnlcihen Vorstoß auf einer internationalen Musikkonferenz gewagt. Phil Leigh, Analyst bei Inside Digital Media, sieht Digitales Rechtemanagement gar als Hemmschuh für den Online-Musikmarkt , auch Ted Schadler von Forrester Research kritisiert den Kopierschutz als eine Maßnahme, die dem Kunden suggeriere, der Anbieter traue ihm nicht.

Ablehnend reagieren Musikindustrie und Phonoverbände. Während der Industrieverband der US-Audioindustrie RIAA dem Apple-CEO dezent widerspricht und eine Lizenzierung von Fairplay als taugliches Mittel anpreist, attackiert Warner-Chef Edgar Bronfman Steve Jobs Essay in einem wesentlichen Punkt: „Das Argument, dass Musik nicht den gleichen Schutz wie Filme, Videospiele oder Software verdient, nur weil es ein physikalisches, ungeschütztes Pendant gibt, ist vollkommen unlogisch.“ Warner werde auch weiterhin an DRM festhalten. Als „scheinheilig“ bezeichnete gar der Deutsche Phonoverband den Vorstoß des Apple-Chefs. Apple versucht, seine Probleme mit dem eigenen Kopierschutz zum Problem der Musikindustrie zu machen", sagte Michael Haentjes, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände, in Berlin.

Die norwegischen Verbraucherschützer, die mit ihrer Entscheidung, das iTunes-DRM sei nach norwegischem Recht illegal, Anlass zu Jobs offenem Brief gaben, spielen den Ball nach Cupertino zurück. Torgeir Waterhouse, Vorstand des norwegischen Consumer Council erklärte:" Wir sind zufrieden damit, dass Steve Jobs der Verantwortung folgt, die Apple als führendes Unternehmen im digitalen Vertrieb eingenommen hat." Wer jedoch auf die Musikindustrie einwirken soll, darüber hat Waterhouse andere Vorstellungen. Nicht die Verbrauscherorganisationen hätten mit der Musikindustrie über eine Öffnung des DRM zu verhandeln, sondern Apple als Anbieter selbst. "Es ist der iTunes Store, der den Verbrauchern einen Service bietet und so die Verantwortung für dessen Anwenderfreundlichkeit trägt."

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