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Stimmbiometrie als Schutz gegen Cyberattacken immer wichtiger

05.07.2019 | 12:29 Uhr | Thomas Hartmann

Das Thema Cybersicherheit wurde zuletzt viel diskutiert. Auslöser dafür waren Zahlen zu Betrugsfällen, die von der R+V-Versicherung und der Deutschen Telekom stammen.

Brett Beranek Demnach seien bei dem Versicherer der genossenschaftlichen Bankengruppe allein von diesen Instituten im ersten halben Jahr 2019 knapp 300 Betrugsfälle gemeldet worden. Der Gesamtschaden soll sich auf gut fünf Millionen Euro belaufen. In etwa zur gleichen Zeit vermeldet die Deutsche Telekom, dass sie im April täglich bis zu 46 Millionen Cyberangriffe verzeichnet habe.

Als Gegenmittel sieht etwa Nuance Communications, von denen auch die kürzlich eingestellte Diktiersoftware Dragon für den Mac stammte, Stimmbiometrie. Brett Beranek, zuständiger Manager bei Nuance Communications, meint dazu: ”Solche beängstigenden Zahlen kommen zustande, wenn nach wie vor vielerorts veraltete Authentifizierungsmethoden, wie etwa SMS, PIN oder Passwörter verwendet werden. PINs oder Passwörter werden vergessen oder gehen verloren oder sind schlichtweg zu einfach, sodass Hacker schnell dahinterkommen und sehr einfach Zugriff auf Nutzerkonten erhalten.” Deshalb sollte Stimmbiometrie in Zukunft unbedingt Teil einer jeden Authentifizierungsstrategie sein, meint Beranek.

Stimmbiometrie ist eine Technologie zur Sprecherauthentifizierung, die eine Sprachprobe erfasst, sie mit einem zuvor gespeicherten Stimmabdruck – meistens eine eingesprochene Phrase wie ”Meine Stimme ist mein Passwort“ – vergleicht und ermittelt, wie genau diese übereinstimmen. Dabei enthält ein Stimmabdruck mehr als 1000 einzigartige Merkmale einer Person, die einerseits durch physische Faktoren wie die Länge des Stimmtraktes oder der Nasenpassage und andererseits durch Verhaltensmerkmale wie Tonhöhe, Rhythmus oder den Akzent bestimmt werden. Selbst wenn jemand die Passphrase kennt, ist er demnach nicht in der Lage, die Stimme des Sprechers vollständig zu imitieren.

Außerdem soll Stimmbiometrie Nutzerkomfort erhöhen, denn Verfahren wie die Eingabe von PINs, Passwörtern oder Sicherheitsfragen im Sprachdialogsystem werden durch die einfachere sprachliche Eingabe von Passphrasen überflüssig, was zudem als sicherer gilt.

Stimmbiometrie findet heute vor allem in Call- und Contact-Centern Verwendung, hier besonders im Finanz- und Bankensektor, bei Versicherungen, Telekommunikationsanbietern und in Behörden. Vermehrt kommt Stimmbiometrie auch zur Authentifizierung im Smart Home, im Gesundheitswesen und in Automotive-Lösungen zur Anwendung. 2016 nutzten laut Zahlen des Unternehmens weltweit 150 Millionen Menschen Stimmbiometrie-Lösungen von Nuance, heute sollen es bereits 300 Millionen sein, was einer Verdopplung in zwei Jahren entspricht. Bis 2020 rechnet der Konzern mit 600 Millionen. Die Akzeptanz sei in den letzten Jahren deutlich gestiegen , vor allem durch die Gewöhnung der Nutzer an die Interaktion mit ihren Smartphones und Geräten per Stimme – dabei spielen Alexa, Siri und Nuance-Assistentin Nina eine wichtige Rolle. Je mehr und besser Nutzer mit Maschinen sprechen können, desto mehr wird es zur Normalität, auch die eigene Stimme ”natürlich” als Passwort zu verwenden.

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