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Studie: 60 Prozent deutscher Internetnutzer gegen Handel mit ihren Daten

06.05.2016 | 11:06 Uhr |

Eine repräsentative Befragung der TU Darmstadt zeigt, dass deutsche Internetnutzer trotz kostenloser Angebote Wert auf ihre Privatsphäre legen.

Navigationsrouten, Speicherplatz für Dateien und E-Mail, dazu für Fotos samt Bildbearbeitung und vieles mehr bieten Internetkonzerne wie Google. Dies alles kostenlos, und dennoch hat der Service seinen Preis: Nutzer "zahlen" mit ihren persönlichen Daten, welche die Anbieter beispielsweise verwenden, um zielgerichtete Werbung zu schalten oder gar mit den Daten direkt zu handeln. Die TU Darmstadt wollte zum wiederholten Male herausfinden, "ob die Nutzer den Wert ihrer Daten kennen und ob sie bereit wären, ihre Daten zu verkaufen", so der Leiter der Studie Peter Buxmann, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Technischen Universität Darmstadt. Das Ergebnis der Studie bei 1000 Befragten zwischen 14 und 80 Jahren: 60 Prozent der deutschen Internetnutzer finden den Handel mit ihren Daten nicht in Ordnung. Nur knapp zehn Prozent empfinden demnach den Deal "Daten gegen Service" als fair. Dazu wachse die Angst vor der Macht, die Internetkonzerne durch das Sammeln persönlicher Daten erhalten könnten – diese sei mit höherem Bildungsabschluss und steigendem Alter größer, insbesondere mit Bedenken für die eigene Privatsphäre.

Gar nicht mal so wertvoll

Auch über den prinzipiellen Wert ihrer Daten seien sich deutsche Internetnutzer bewusst. Sie schätzen ihn freilich zu hoch ein, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Facebook beispielsweise verdiene pro Nutzer in Europa maximal 13 Euro pro Jahr. Teilnehmer der TU-Studie schätzen den Wert ihrer persönlichen Daten oft bis zu drei- bis viermal höher ein. Ihre Daten gegen Geld zu verkaufen, wie dies in den USA seit kurzem zunehmend als Geschäftsmodell verbreitet ist, lehnen deutsche Nutzer weiterhin mit großer Mehrheit ab. In den USA könne man zum Festpreis auf Online-Plattformen seine Daten verkaufen, sei es den Namen, das Geburtsdatum, die Kreditkartennummer oder andere persönliche Informationen. Zwar stehen jüngere Teilnehmer der Studie dieser Möglichkeit eher offen gegenüber, wenn der Preis stimme. Ältere Befragte dagegen könnten sich das gar nicht vorstellen.

Im Rahmen der Studie "Der Preis des Kostenlosen“ hat die TU Darmstadt nun nach 2012 und 2014 Internetnutzer bereits zum dritten Mal befragt. Ziel war es herauszufinden, ob und inwiefern Nutzer die Geschäftsmodelle von Facebook, Google & Co. kennen, und ob sie sich des Werts ihrer Daten bewusst sind und diese verkaufen würden. Nähere Informationen dazu gibt es bei HR Info , mit dem diese Studie in Kooperation entstanden ist. Im Programm des Radiosenders erfährt man dazu mehr in "Das Thema“ am Freitagnachmittag, 6. Mai, außerdem in den Sendungen "Wissenswert“ am Sonntag, 8. Mai, 7.35 und 15.35 Uhr, sowie am Montag, 9. Mai, 21.35 Uhr.

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