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Studie: Deutsche Unternehmen mit Rückstand bei eCommerce

10.07.2000 | 00:00 Uhr |

Deutsche Unternehmen hinken nach einer Studie des
Marktforschungsinstitutes GfK bei ihrem Internet-Angebot den
Verbraucherwünschen hinterher. «Viele deutsche Unternehmen haben bis
vor einem Jahr das Internet einfach nicht ernst genommen», sagte der
Geschäftsführer der GfK-Medienforschung, Michael Spohrer, in einem
dpa-Gespräch. «Das online-Angebot hat sich deswegen weniger schnell
als die Nachfrage entwickelt.» Die Zahl der deutschen e-Commerce-
Nutzer habe 10,5 Millionen Menschen erreicht und sich innerhalb des
vergangenen halben Jahres verdoppelt.

Virtuelle Firmen-Angebote beschränkten sich heute oft auf
Massenartikel. «Dabei sind die online-Käufer eine elitäre Zielgruppe,
die geben auch mal 250 Mark für ein Paar Schuhe aus.» Nach einer GfK-
Studie, die Spohrer mit seiner Kollegin Sandra Leck erarbeitete,
handelt es sich um eine «attraktive Zielgruppe» für den Handel:
zwischen 30 und 49 Jahren alt, zu 80 Prozent berufstätig und gut
verdienend.

«Diese Leute finden Einkauf per Internet 'trendy'», sagte Spohrer.
«Sie sind sehr optimistisch und probieren gerne Neues aus.» Daher
könnten auch solche Produkte über das Internet verkauft werden, die
bisher kaum Absatz fänden. «In Deutschland hat einfach noch kein
Unternehmen versucht, haltbare Lebensmittel übers Netz zu verkaufen.»
Rund 30 Prozent der insgesamt 8 400 befragten Personen wollten
künftig Möbel oder Schuhe per Internet kaufen. Bisher seien Bücher,
CDs, Unterhaltungs-Elektronik, Geschenke und Handys gefragt.

Zudem lasse das Service-Angebot der deutschen online-tätigen
Firmen zu wünschen übrig. «Da fehlt die Qualität. Die Firmen halten
oft nicht, was die 'Site' verspricht», sagte Spohrer. So mache die
Logistik und Lieferung der Produkte vielen Firmen Probleme. Auch die
Reklamationsmöglichkeiten seien häufig schlecht. 86 Prozent der
Kunden fürchteten das Sicherheitsrisiko bei der Bezahlung.

Die Unternehmen seien gefordert, neue Ideen zu entwickeln. Dabei
müssten sie aber ihr Denken völlig umstellen. Der einzelne Kunde
interessiere viele Firmen nicht, meinte der Experte. «Im Web muss ich
aber wissen, wer der Kunde ist, der gerade eine Schokolade kauft.» Es
sei datentechnisch leicht möglich, den Kunden zu identifizieren und
zu speichern, welche Einkäufe er einen Tag zuvor erledigt habe und
was ihm noch fehle. «Das ist wie früher im Tante-Emma-Laden. Das Web
weiß, ob der Kunde Bananen lieber reif oder grün kauft.»
dpa

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