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Sucht oder nur Unverständnis?

02.04.2007 | 13:43 Uhr

Sucht oder nur Unverständnis?

Egal ob Sucht oder Exzess: Den Umstand, dass es manche eindeutig übertreiben, sieht auch Malte Behrmann, Geschäftsführer von G.A.M.E., dem Bundesverband der deutschen Computerspieleentwickler in Berlin. Allerdings sei nicht jeder junge Zocker, dessen Eltern sich sorgen, tatsächlich ein Problemfall. "Die Eltern stehen einfach oft unwissend neben ihren Kindern und fragen sich: Was machen die da?"

Aber wie finden Väter und Mütter heraus, ob ihre Sorgen berechtigt sind oder nicht - beziehungsweise: Wie ermittelt ein permanent spielender Erwachsener, ob er zu den Süchtigen zählt? "Wenn man für sich feststellt: Ich hab außer dem Spielen nichts, was mich glücklich macht, sollte man wachsam werden", sagt Witting. Ein Signal für das Umfeld ebenso wie für Eltern ist, wenn sich ein Freund oder das Kind immer häufiger zurückzieht, um sich vor den Bildschirm zu setzen.

Tückisch ist: "Viele spielen über das normale Maß hinaus, sind aber trotzdem nicht süchtig", sagt Witting. Grüßer-Sinopoli rät, weitere Fragen zu stellen: Kommt zum scheinbar unwiderstehlichen Verlangen nach dem nächsten Spiel die fortschreitende Vernachlässigung anderer Hobbys? "Zockt" das Kind weiter exzessiv, obwohl seine Leistungen in der Schule nachlassen? Wird es nervös, wenn es nicht spielen darf? Es müssen schon mehrere Faktoren zusammenkommen, ehe es kritisch wird.

Wichtig zu wissen ist auch, dass Online-Games die Spieler häufig noch stärker in ihren Bann ziehen als Titel, die nur auf dem eigenen PC oder der Konsole gespielt werden. "Hier gibt es viele Aufgaben, die sich nur mit besonders hohem Zeitaufwand erledigen lassen", sagt Tanja Witting. Zudem wird in so genannten Gilden oder Clans agiert. "Wenn ich dann vom Rechner weggehe, hab ich eher das Gefühl, ich verpasse etwas." Nicht zuletzt fallen für die Spiele Gebühren an, und damit es sich rentiert, muss man eben auch nachts ran - so zumindest die Logik mancher Spieler.

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