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Switch - Teil 11

11.09.2004 | 10:02 Uhr | Peter Müller, Thomas Hartmann,

Switch - Teil 11

Mit und ohne Pipapo

Oder: Von BMG lernen heißt Siegen lernen

Schlagfestes Polycarbonat war der Retter in der letzten Folge, denn die Glasplatte von Lars’ Schreibtisch gab nach und sein eMac erlebte den sprichwörtlichen Ernstfall. Und das, wo doch endlich der Regelbetrieb seiner Ich-AG aufgenommen werden sollte…

"Wo ist der Sinn?" Lars sitzt an seinem neuen Ikea-Schreibtisch mit der neuen Ikea-Lampe und stöbert an seinem fast neuen eMac wieder einmal in Steve Jobs’ Plattenladen. Schließlich ist es Dienstag, da gibt’s im digitalen Haushalt neue Musik - unter anderem von 2raumwohnung, und zwar in der Basic-, Standard- und der Premium-Version. Wir erinnern uns: Kurz nach dem Launch von iTMS Deutschland sackte bei den Plattenbossen eine Kinnlade nach der anderen in Mitleid erregende Tiefen. Nun sollen drei unterschiedliche Ausstattungsvarianten (nackt / wie gewohnt / mit allem Pipapo) ein und desselben Albums wieder Käufer in den Tonträgerhandel spülen. Doch: "Wo ist der Sinn, diese drei Varianten zum Download im MusicStore online zu stellen?" Ein Paradoxon, kann vielleicht jemand in Cupertino erklären, was das soll? Die Basic-Version hat zwölf Titel und kostet 9,99 Euro, 14 Titel hat die Standard-Ausgabe - und kostet 9,99!? Und welchen Sinn hat die Pipapo-Edition in einem Online-Musikladen? Lars hat sich diese geladen - auch für 9,99 Euro, aber ein ausführliches Booklet wollte der Drucker nicht ausspucken und den geheimen Internet-Zugang hat er auf eine andere Art und Weise ohnehin schon…

Basic, Standard und Premium: Von BMG lernen heißt siegen lernen. Und so hat sich Lars einiges abgeguckt vom Big Player für seine Ich-AG. "Digitalisierung analoger Tonträger" steht auf seinen frisch gedruckten Visitenkarten, die der Postbote soeben zugestellt hat, nur die Preise stehen noch nicht fest. Ich werfe ihm Vokabeln wie durchschnittlicher Stundenlohn, Vorsteuerabzug und geringwertiges Wirtschaftgut um die gepiercten Ohren, doch beim 29-Jährigen sträubt sich der Iro. "Ich will doch bloß erst einmal anfangen und sehen, ob ich überhaupt eine Chance habe mit meiner Idee." Und 9,99 Euro als Einstiegspreis für eine digitalisierte Langspielplatte, ohne Booklet und anderes Pipapo, "das ist doch ein fairer Preis, oder?" Das ist Preisdumping à la Hauptstadt, entgegne ich, unterm Strich verdient ein Berliner Taxifahrer dann mit fünf Euro pro Stunde mehr als du. Doch alles Reden hat keinen Sinn: "Änderst du bitte den Preis auf meiner Homepage?"

Da staunen Sie, was? Lars hat seine eigene Homepage. Zugegeben, die nötigen HTML-Kentnisse wurden kurz bei mir ausgeborgt und auch ich bin nicht wirklich beleckt. Nach Monaten nativen Arbeitens unter Mac-OS X musste ich sogar die klassischen System-Kessel unter Dampf setzen, denn der einzige Editor, mit dem ich halbwegs ansehnliche Seiten gestalten kann, ist das deutlich angestaubte PageMill 3.0. Aber irgendwie ist das Arbeiten unter Mac-OS 9 so wie das Hören alter Schallplatten - man kennt jeden Knacks und erinnert sich an damals, als keine UNIX-Subroutinen einen von den eigenen Dokumenten ausgeschlossen haben und startfähige Backups locker auf einem CD-Rohling Platz fanden. Oder an die gute, alte Zeit mit dem Multifinder und dem Font/DA-Mover..? Ach, das interessiert Sie überhaupt nicht? Sie wollen bloß sehen, was wir völlig unprofessionell ins Netz gestellt haben? Oder gar eine Vinyl-Scheibe zum Hungerlohn digitalisiert bekommen? Na, dann klicken Sie doch einfach hier . Bis nächste Woche!

Nächste Woche macht "Switch" das Dutzend voll - und zieht das Resümee von 111 Tagen Umstieg von XP zum Mac. Und vielleicht gibt es auch schon den ersten Kunden von Lars zufrieden zu stellen.

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