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Switch, Teil 5: Schön wär's gewesen

01.08.2004 | 16:00 Uhr | Peter Müller, Stephan Wiesend, Thomas Hartmann, Stephan Wiesend

Switch, Teil 5: Schön wär's gewesen

Die K-Frage oder: Redmond, wir haben ein Problem!

Was bisher geschah: 27 Kilo niegelnagelneue Hochtechnologie aus Cupertino saugen das bisherige Windows-Leben von Lars' altem AMD-Tower, der "Switch" von XP hin auf die gute Seite der Macht ist in vollem Gange - und Sie sind live dabei: Willkommen in "Mission Control".

von Ole Meiners

"Kompatibel" versteht Lars so: "Du holst mir die Daten vom AMD-Tower, dann sitzt du zwei Stunden vor meinem eMac, während ich ein kluges Gesicht mache, und dann sind auch meine Kontakte und Mails auf dem neuen Rechner, und nicht bloß die Bewerbungsunterlagen und meine Pic-Sammlung, oder?" Das war vor 105 Minuten. In Mission Control, unserer improvisierten Migrationszentrale, geht’s jetzt aufs Ganze: Microsoft-Benutzerdateien mit dem Ursprungsort einer fremden Galaxie rauschen durch die Leitungen und erreichen das heimatliche Mac-OS-System. Wirklich leicht waren sie dort in der Ferne nicht aufzuspüren, tief in den berüchtigten Windows-Verzeichnis-Untiefen - und sie widersetzen sich auch hartnäckig allen Versuchen, sie in ein halbwegs standardkonforme Formate zu exportieren.

"Vielleicht können wir einfach das Telefonbuch aus dem Handy benutzen?", fragt der 28-jährige Switcher, und Head of Mission Control ist dankbar für den Vorschlag. Du weißt, gebe ich zu bedenken, dass du einige Kommentare zu den Einträge verlieren wirst..? "Ja, aber wir müssen doch auch noch die E-Mails sichern..." Gut, Planänderung: Dem Problem "Microsoft" kann man sich gleich wieder zuwenden, kurz zur Abwechslung also der entspannende Konfigurationsritt durch die Bluetooth-Einstellungen, iCal, Adressbuch und iSync, und nach einer kurzweiligen und erfolgreichen Viertelstunde ist dieser Teil von Lars' digitalem Leben migriert. Selbst die Ad-hoc-Konfiguration der Netzwerk-Bluetooth-GPRS-Settings braucht bloß weitere zehn Minuten bis zur ersten erfolgreichen Einwahl mit dem Handy bei GMX, zumindest kann der eMac jetzt überall online gehen, sogar in Lars' Wohnung, wo bloß ein nackter ISDN-Anschluss wartet. Doch nach einer weiteren Stunde und dem Einsatz eines wirklich viel versprechenden Shareware-Tool streiche ich die Outlook-Segel: Schön wär's gewesen!

Muss man als Mac-Journalist eigentlich so und viel über Microsoft und Windows schreiben? Ich finde - nein. Darum nur kurz dies: Lars war gewarnt und fand es auch gar nicht witzig, die "Dose" noch einmal anzuschalten und sich die wirklich wichtige Post per Mail auf den eMac zu schicken. Am Outlook-Datenbank-Backup versuche ich mich noch mal an einem grauen Herbsttag und schreibe dazu einen Workshop, dessen Verkauf mich sicher finanziell über den Winter tragen wird. Schließlich wollen wir uns an diesem Abend noch den schönen Dingen im Leben widmen - der Musik: Wochen zuvor hatte mir Lars beim Re-Digitalisieren meiner Minidisc-Sammlung mit dem CD SpinDoctor von Roxio zugeschaut und das Prinzip zügig durchblickt. Nun wollte er noch "bloß ganz schnell" wissen, wo er zu Hause die Kabel von der Hi-Fi-Anlage anschließen soll. "Mein Tower war doch auch schon am Plattenspieler und Verstärker angeschlossen. Ich platze vor Neugier, ob ich das nicht auch alleine hinkriege!" Nur zwei Tage später, es ist der erste "Hausbesuch" beim Baby, sehe ich es liegen, das Album "Pleasure One", von Heaven 17 - aus Lars Vinylsammlung. Teenagererinnerungen. Und obendrauf liegt die Hand gemachte CD-Kopie - für mich und meine Ohren.

Nächste Woche geht "Switch" einkaufen, und zwar im KaDeWe. Außerdem geht "Switch" surfen - in den Häuserfluchten der Hauptstadt. Und "Switch" geht der These nach: Wer die Tür offen lässt, darf sich über Besuch nicht wundern.

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