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Switch, Teil 8: OP ruft Doktor Meiners

21.08.2004 | 10:00 Uhr | Peter Müller,

Switch, Teil 8: OP ruft Doktor Meiners

Innovationen, Investitionen und Ideen: Reinstecken und rausholen

Das haben Sie verpasst: Sommer in Berlin und Wellenreiten im 2,4-Gigahertz-Band. Doch der neue eMac von Lars eiert im Betreib und geiert nach mehr Speicher - und Powerbooks bekommen im Tiefkühlfach hitzefrei.

von Ole Meiners

"Ich geh' heute RAM kaufen! Muss ich mir das eigentlich auch beim Apple-Händler besorgen oder gehe ich da in so'n DOSen-Laden?" Nach kurzer Einweisung in die Tagespreise und die benötigten Spezifikationen für einen Baustein in 512-MB-Größe (Nimm Markenware - auch wenn sie teurer ist!) wirft sich Lars auf seine 600er-Kickstarter-Enduro und braust in Richtung Hermannplatz. Bei mir beginnt gleich der Alltag in einer Berliner Tageszeitung: an einem Gerät, welches mit auf NT-Technologie basierender Software arbeitet. Der 29jährige Switcher Lars indes hat Redmond und Bill Gates vor nicht einmal zwei Wochen komplett abgeschworen, bloß der neue eMac will nicht so richtig rund laufen. Nun soll es mehr Arbeitsspeicher richten.

"Ich trau' mich nicht!" Kurz vor Feierabend klingelt das Handy: "Ich trau' mich einfach nicht! Als brave Oberschwester habe ich den OP vorbereitet, der Patient liegt anästhesiert und weich gebettet mit geöffnetem Unterleib vor mir - aber diesen Goldstaub der Knutschkugel in die Eingeweide zu stecken - nein: OP ruft Doktor Meiners!" Und tatsächlich: Gemäß Benutzerhandbuch liegt der Patient zum Upgrade bereit. Klick - das war's, zehn Minuten Anfahrt, zehn Sekunden Arbeit. "Wenn das Einkaufen auch so einfach gewesen wäre", und Lars beklagt sich beim Zunähen der Bauchdecke, dass es die teure Markenware nur in einem Laden - besser gesagt: im Hinterhof-Zentrallager - gab, und deren Preispolitik nicht einmal das eigene Warenwirtschaftssystem verstand. Aber die Erkenntnis "Biete bei Apple-Usern Markenware an", die war auch diesem Fachverkäufer bekannt. Mac-Benutzer sind halt nicht nur innovationsfreudig, sie sind auch investitionsbereit - und ideenreich. "Eigentlich will ich ja nicht nur in den eMac was reinstecken", und Lars wuchtet die 27 Kilo schneeweiße Hochtechnologie wieder auf seinen Schreibtisch, "was rauskriegen wäre natürlich auch gut."

Er zeigt, was er meint: grünes Vinyl. "Hier, ,Love in itself‘ von Depeche Mode, das ist ein Sammlerstück. Echte Kenner hüten so was natürlich und legen es nicht täglich auf. Oder können es nicht, im Auto zum Beispiel. Wenn ich jetzt anbiete, das Album auf CD zu brennen - kann ich damit Geld verdienen?" Hmm. Wenn man den Kreis der Kunden vielleicht erweitert und nicht nur auf Depeche-Mode-Vinylsammler beschränkt..? Lars ist richtig flink geworden, legt seine neueste Errungenschaft auf den Plattenteller - "Hab' ich am Samstag dem DJ abgeschnackt, kennst du!" - und fängt mit dem Spin Doctor an zu digitalisieren. Stimmt, kenn ich, danach bewege ich im Club gerne meinen Körper. Wenige Minuten später drückt mir Lars eine digitale Sicherheitskopie vom "Rocker" in die Hand. Respekt, gerade mal zwei Wochen ein Mac-User und schon so routiniert. "Und es läuft wirklich runder mit mehr Speicher! Das merke ich jetzt schon." Ist ja auch Markenware! "Ja, und für das Druckerkabel hatte ich dann kein Geld mehr." Braucht jemand vielleicht einen Brother HL-1040 mit Parallelschnittstelle?

Oder kennt sich jemand mit Cups aus? Nächste Woche trudelt nämlich bei Switch das USB-Parallel-Kabel ein, Mama und Papa fahren ihre Jugenderinnerungen in die Hauptstadt und Lars begreift, warum man sich für sechs Euro den Luxus eines Apple-Kaffebechers leistet.

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