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Switch, Teil II: Abgeschminkt

10.07.2004 | 10:00 Uhr | Peter Müller, Stephan Wiesend, Stephan Wiesend

Switch, Teil II: Abgeschminkt

Glaube, Liebe, Hoffnung - und das böse Wort "Produktverfügbarkeit"

Was bisher geschah: Mit iTunes kriegt Steve alle, auch Lars aus Berlin. Er will nun seine XP-Virenschleuder gegen einen Mac eintauschen - eine gesunde Entscheidung, findet auch unser Autor, der nun die Migration managen soll.

von Ole Meiners

"Das ist doch unverschämt von Apple - wieso hat das iBook keinen Sound-Eingang? Ich muss mir also ein Zusatzgerät kaufen?" Lars hat schnell gelernt: Was bei einem Notebook aus den Händen der Gebrüder Albrecht gang und gäbe ist, ist bei Apple längst nicht selbstverständlich. Für unter 1000 Euro gibt’s beim Discounter um die Ecke ein 15-Zoll-Laptop mit DVD-Brenner - und Sound-Eingang zum Digitalisieren von Vinyl-Platten. Sollte er vielleicht doch noch die Entscheidung, von Windows XP zum Mac zu switchen, überdenken?

"Puuhhh…" - Lars macht dicke Backen - "dann kann ich mir ja wohl den Gedanken an einen transportablen Rechner abschminken." Denn schnell ist gerechnet, dass ein 14-Zoll-iBook mit DVD-Brenner plus iMic-Audiokonverter locker das selbst gesteckte Budget um glatte 50 Prozent übersteigt. Und die 12-Zoll-Variante mit Combo-Laufwerk? Das Ergebnis klingt ähnlich: "Puh…" Und dann ist da ja noch eine gewisse Diskrepanz zwischen Lieferumfang und des Panthers Speicherhunger. "Aufrüsten soll ich den Mac auch noch?"


Der Traum vom iBook wird begraben, denn: "Ich will mir nicht erst Weihnachten 2005 das iPod leisten können." An der Wand neben seinem Schreibtisch hängt das Objekt der Begierde in Form der vier Postkartenmotive aus der iPod-Werbekampagne - und im Regal seht ein laufender Meter Vinyl, der neben den ganzen CDs endlich den abstehenden und gepiercten Ohren des 29-Jährigen auch unterwegs zugänglich gemacht werden will. Seit Wochen schon wechselt er an seinem AMD-Tower die Silberscheiben wie ein DJ und lässt iTunes für Windows seine Musiksammlung "rippen", aber beim Digitalisieren der LPs schafft die "Dose" bloß Datenraten von 56 kBit. "Ich glaube, es langt, wenn ich meine Musik mit mir herumtragen kann. Der Rest meines digitalen Lebens kann sich gerne am Schreibtisch abspielen." Damit ist die Entscheidung zum eMac gefallen, zumal Apple gerade alle Modelle aufgewertet hat: Ab sofort wird das kleinste Modell bereits mit 1,25-Gigahertz-Taktung und Combo-Laufwerk ausgeliefert.


Jetzt soll es ganz schnell geschehen: "Gehen wir morgen einkaufen?", fragt Lars ungeduldig. Apple-Händler gibt es zwar auch in Berlin nicht wie Sand am Meer, aber doch immerhin ein knappes Dutzend. Einer wird ja wohl… - Moment, muss ich den Enthusiasmus dämpfen und werfe die Vokabel "Produktverfügbarkeit" in den Raum. Ein Wort, das jedem, der jemals in den Vertrieb von Apple-Produkten involviert war, kalte Schauer über den Rücken laufen lässt. Der Blick in die Online-Shops von Gravis, Comspot und Co. bestätigt die Befürchtung: Alle Signale stehen auf Rot. "Kann es sein", und Lars klingt mittlerweile irgendwie säuerlich, "dass Apple von seinen Kunden reichlich Geld und Geduld abverlangt?" - Vergiss nicht den Glauben, ergänze ich, der Glaube, dass mit einem Mac alles schöner, schneller und besser wird - und du, du lernst gerade den kleinen Katechismus aus Cupertino. Willkommen in der Welt von Apple!

Nächste Woche lesen Sie bei "Switch" über das Prinzip der Quängelware und genetische Abweichungen bei Deutschlands größtem Mac-Einzelhändler.

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