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Telegram-CEO Durov wirft Apple Zensur vor

15.10.2020 | 09:47 Uhr | Peter Müller

Apple sperrt bestimmte Telegram-Threads, die Persönlichkeitsrechte verletzen, unter Berufung auf App-Store-Richtlinien.

Telegram-CEO Pavel Durov beschwert sich über eine Maßnahme Apples , die drei Channels rund um die Protestbewegung in Belarus für iOS-Nutzer sperre. In den von Apple unter Berufung auf App-Store-Richtlinien gesperrten Kanälen hätten Oppositionelle persönliche Daten von Polizisten veröffentlicht, dies war Anlass für die Sperrung. Apple hingegen betont gegenüber Gazeta, nur einzelne Threads seien für die Ansicht in der iOS-App gesperrt.

Durov widerspricht der Darstellung auch nicht, die fraglichen Kanäle seien voller "Informationen über Unterdrücker", welche die Proteste gegen die gefälschten Präsidentschaftswahlen in diesem Spätsommer teils mit Waffengewalt zu beenden versuchen. Präsident Lukaschenko – dessen Wiederwahl die EU nicht anerkennt und die Sanktionen gegen das Land zwischen Polen und Russland beschlossen hat – drohte bereits mit dem Einsatz tödlicher Waffen.

Folgt man Durovs Argumentation, stellt Apple sich nicht aber wie die EU auf die Seite der Verfechter freier, gleicher und geheimer Wahlen. Die fraglichen Kanäle und Threads seien auf anderen Plattformen weiterzusehen, wie schon in der Vergangenheit postete Telegram unter iOS zunächst nur den Hinweis, dass diese Inhalte von Apple gesperrt seien. Bereits dieser Hinweis sei Apple aber zu viel, und Cupertino untersage ihn, weil er "irrelevant" sei. Durov wiederum hält das alles andere für irrelevant.

Telegram hatte bereits in der Vergangenheit mit Apples Regulierungen zu tun, diverse Kanäle, die etwa der Verbreitung von Kinderpornographie dienten, seien gesperrt worden, merkt Apple Insider an . Das Grundproblem von Telegram ist, dass der Anbieter keinerlei Möglichkeiten gibt, fragliche oder gar strafrechtlich relevante Inhalte zu melden oder wenigstens deren Behauptungen zu widersprechen. So nutzen eben nicht nur Oppositionelle in Belarus die App, um Informationen zu verbreiten – die in der Tat die Rechte Dritter verletzen, egal, wer diese Dritten sind – sondern auch Esoteriker, Schwurbler, Radikale und Hetzer, die ihre Falschbehauptungen und plumpen Lügen gern ohne Möglichkeit der Einordnung oder Widerrede in die Köpfe ihrer Abonnenten blasen.

Verletzungen der Logik und Negieren der Realität durch Veganköche, Winselsänger und anderer Hohlbirnen hat Apple bisher noch nicht als Verstöße gegen die App-Store-Richtlinien betrachtet. Von "Zensur!" zu brüllen, ist in keiner Weise gerechtfertigt, selbst wenn Apple laut Durov im Interesse eines diktatorischen Regimes gehandelt haben sollte.

Apple stand zuletzt in einem ähnlich gelagerten Fall in der Kritik, als es die iOS-Version der HKlive.map aus dem App Store warf . Hier hatten Oppositionelle Informationen über Polizeiansammlungen und -aktionen in Hongkong veröffentlicht, um die Proteste der Demokratiebewegung zu steuern. Apple argumentierte in diesem Fall, dass derartige Informationen die Gewalt eher noch anfeuern würden.

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