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Terkel in Trouble

12.12.2005 | 13:54 Uhr | Peter Müller

Weil dadurch das Konzeptalbum ein für allemal ausgedient hat?

Felsenheimer: Als Künstler verstehe ich ein Album als Ganzes. Die richtige Reihenfolge der Songs, das Cover, das Booklet – all das spielt für mich eine wichtige Rolle. Durch das simple Downloaden von einzelnen Songs wird Musik entmystifiziert, zur Ware, die man beliebig zusammenstellen kann und damit letzlich auch wertloser. Und diese technische Weiterentwicklung wurde von derselben Industrie gefördert, die zuerst den Anschluss verpasst hat und nun herumjammert, dass Leute sich illegal Songs aus dem Internet herunterladen.

Spüren Sie die Auswirkungen illegaler Downloads am eigenen Leib?

Felsenheimer: Natürlich merke ich das! Es nervt mich, dass es inzwischen sogar so weit geht, dass sich Fans gebrannte CDs unterschreiben lassen wollen und mir stolz erzählen, sie hätten es endlich geschafft, sich alle Songs der Ärzte von anderen Fans zu kopieren. Wir verkaufen immer noch ziemlich viel, obwohl wir prinzipiell keinen Kopierschutz auf unsere CDs tun, was wohl daran liegt, dass wir uns bei Inhalt und Cover viel Mühe geben.

Wie reagieren Sie auf diese direkte Konfrontation mit illegalen Kopien?

Felsenheimer: Ich diskutiere mit den Leuten. Ich versuche ihnen klarzumachen, dass es ihre Lieblingsband bald nicht mehr geben wird, wenn sie in diesem Stil weitermachen. Ich erkläre ihnen, dass Musik auch etwas mit der richtigen Einstellung und mit Wertbewusstsein zu tun hat. Die meisten tun das ja nicht, weil sie sich die Musik sonst nicht leisten könnten, sondern einfach nur, weil es für sie billiger ist. Inzwischen laden ja sogar Erwachsene herunter. Das Phänomen beschränkt sich nicht mehr nur auf die Jugend. Geiz ist geil, das ist der aktuelle Spirit.

Warum ergreifen Sie dann nicht selbst die Initiative und unterstützen Projekte wie den Music Store? Zwar findet man in dem kostenpflichtigen Downloadprogramm Soloplatten wie Ihr Hörbuchprojekt mit Thomas D., nach den Ärzten dagegen sucht man vergeblich...

Felsenheimer: Als Band haben wir immer versucht, so autark wie möglich zu sein. Natürlich mussten wir zu Beginn mit großen Plattenfirmen zusammenarbeiten, um unsere Musik überhaupt vertreiben und bekannter machen zu können. Aber seit 1999 haben wir unser eigenes Label. Diese Selbstständigkeit beinhaltet natürlich auch, dass wir unsere Songs über unsere eigene Website www.bademeister.com vertreiben. Um uns selbst keine Konkurrenz zu machen, haben wir die Ärzte-Songs deshalb für alle anderen Online-Anbieter gesperrt.

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