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Terkel in Trouble

12.12.2005 | 13:54 Uhr | Peter Müller

Stößt Ihr autarker Online-Vertrieb auf Resonanz?

Felsenheimer: Uns gehen mit Sicherheit Käufer verloren, weil wir nicht bei den großen Anbietern gelistet sind, aber wer nach uns in normalen Suchmaschinen wie Google recherchiert, der stößt relativ schnell auf unser Angebot. Wer sucht, der findet.

Für den belgischen Animationsfilm „Terkel In Trouble“ haben Sie nun im Alleingang nicht nur alle Lieder gesungen, sondern auch alle Stimmen synchronisiert...

Felsenheimer: Was eine Riesenherausforderung war. Es müssen inklusive der Hintergrundcharaktere so um die vierzig Stimmen gewesen sein.

Auffallend ist bei der recht unterhaltsam geratenen Story vor allem das politisch Unkorrekte. Ist das eine Geisteshaltung, mit der Sie als Punk-Rocker auch gerne kokettieren?

Felsenheimer: Mich hat diese Komponente natürlich gereizt, auch wenn ich sie eher „moralisch unkorrekt“ nennen würde. Sie stellt Dinge auf den Kopf, provoziert und lässt die Charaktere Dinge tun, die sie eigentlich lieber bleiben lassen sollten. Im Grunde thematisiert der Film nämlich das, was in der Gesellschaft ohnehin bereits vorhanden ist: Einen moralischen Defekt.

Sie werden offenbar nie müde, das anzuprangern, was Sie an der Gesellschaft stört...

Felsenheimer: Ich bin Künstler, mache Musik und stehe damit seit 23 Jahren in der Öffentlichkeit. Ich stehe unter einer anderen Beobachtung als früher. Klar, dass ich mich dann nicht nur in Interviews zu Dingen äußere, mit denen ich nicht einverstanden bin. Das ist keine Masche, noch in den Achtzigern wäre mir das echt egal gewesen. Da habe ich in Interviews „Rock‘n‘Roll“ gebrüllt und nach Whiskey und Bier verlangt. Heute maße ich mir an, eine Meinung zu gewissen Dingen öffentlich kundzutun, manchmal auch ohne gefragt zu werden.

Mit Ihrem Erfolg kam schließlich auch das Geld, wenn nicht sogar Reichtum. Spürten Sie nie die schleichende Gefahr, durch diesen finanziellen Wohlstand ins Establishment abzurutschen?

Felsenheimer: Geld ändert immer alles. Das ist so. Bei den Ärzten ging das aber zum Glück nicht so schnell. Wir ironisieren uns selbst gern als die sympathischen Punk-Millionäre aus Berlin. Ich sammle keine Ferraris und hab erst einmal in einem Porsche gesessen.

Und? Das Röhren des Motors hat Sie nicht schwach gemacht?

Felsenheimer: Scheisse nein. Ich bin einfach nicht der Typ dafür. Interessiert mich nicht. Mein Reichtum dient mir zu anderem infantilem Quatsch, ich nutze ihn dazu, meine Kinderträume zu verwirklichen, deshalb passt Terkel ja auch so gut zu mir. (lacht)

Das Interview führte Johannes Bonke/d:press

Dieser Artikel ist dem aktuellen iPod Special entnommen, das seit dem 7. Dezember am Kiosk oder über den Macwelt-Shop erhältlich ist.

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