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"The Plant" geht in Fortsetzung

31.07.2000 | 00:00 Uhr |

Stephen King ist optimistisch, weitere Kapitel
seines neuen Thrillers «The Plant» (Die Pflanze) über das Internet
veröffentlichen zu können. Er gehe davon aus, dass 85 bis 90 Prozent
der Leser, die sich seit Start des Verkaufs vor einer Woche das erste
Kapitel aus dem Internet geholt hätten, bezahlt hätten oder noch
bezahlen würden.

Die genaue Zahl wollte King noch am Montag bekannt geben,
kündigte der Bestsellerautor auf seiner Webseite
(www.stephenKing.com) an.

«Öffentlich habe ich immer großes Vertrauen in die menschliche
Natur verkündet. Aber insgeheim habe ich mich schon gefragt, ob
jemals jemand für etwas aus dem Netz zahlen würde», sagte er. «Jetzt
sieht es so aus, als würden sie zahlen. Das heißt, dass ich das Buch
wahrscheinlich zuende schreibe». Die kommenden Kapitel allerdings
sollen länger, dafür aber auch teurer werden. Der erste Teil kostete
einen Dollar (2,10 Mark) pro Download, die nächsten könnten aber auch
2,50 Dollar (5,25 Mark) kosten.

Bereits am ersten Tag der Veröffentlichung, am Montag vergangener
Woche, hatten sich mehr als 40 000 Leser das erste Kapitel von der
Webseite des Horror-Autors, www.stephenking.com geholt. Vier von
jeweils fünf Lesern bezahlten auf Anhieb, wie von King gefordert,
einen Dollar (etwa 2,10 Mark) per Kredikarte oder Scheck über den
Onlineverkäufer Amazon.com direkt an den Autoren. Dessen US-Verlag
Simon & Schuster ist an dem Buchverkauf nicht beteiligt.

Mit «The Plant» schließt ein Schriftsteller seinen Verlag erstmals
ganz und gar von der Veröffentlichung eines größeren Werks aus. Das
Experiment könnte zumindest unter Bestsellerautoren eine Welle in
Bewegung setzen und Verlagen einmal erhebliche Verluste einbringen,
spekulierten US-Medien. «Verleger würden nichts lieber sehen, als
dass dieser Versuch platzt», sagte King am vergangenen Montag im
Rahmen der TV-Sendung «Today Show» des Netzwerksenders NBC.

Der Kultautor erklärt seinen Lesern auf der Webseite klipp und
klar, er werde nur dann das nächste Kapitel online veröffentlichen,
wenn wenigstens 75 Prozent freiwillig den Preis für den Download des
ersten Kapitels zahlen. Sollte dies nicht geschehen, dann werde er
aufhören. King äußerte im voraus Zweifel, dass das Experiment klappen
werde. «Ich weiß nur, dass ich eine verdammt gute Geschichte zu
erzählen habe, und wenn ihr mich bezahlt, dann erzähle ich sie.»

Bereits vor wenigen Monaten hatte der Gruselautor neue Wege
beschritten, als er das Buch «Riding the Bullet» nur als
elektronische Ausgabe veröffentlichte. Das Buch konnte ebenfalls
herunter geladen werden und mit Hilfe eines so genannten e-book
gelesen werden. Dabei war sein Verlag aber am Gewinn noch beteiligt
gewesen. Das Buch wurde mehr als 500 000 Mal verkauft.
dpa

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