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Tim Cook: Apple scheitert lieber intern

17.06.2021 | 16:15 Uhr | Stephan Wiesend

Apples CEO spricht mit dem Magazin Brut in einem langen Interview über Corona, DSVGO und das Scheitern mit Produkten.

Eine wichtige europäische Startup-Messe ist die in Paris stattfindende VivaTech. Viele prominenten Gäste sind dabei, dieses Jahr war auch Tim Cook zu einem Interview geladen – das allerdings als Videokonferenz stattfand. Das Interview mit dem CEO des Magazins Brut, Guillaume Lacroix, wurde auf Youtube anfangs nur mit französischer Simultanübersetzung angeboten. Mittlerweile ist aber auch die englische Originalfassung auf Youtube verfügbar

Die Themen reichten von Datenschutz, Tipps an Startups zu Covid, auch auf den für Apple wichtigen Umweltschutz wurde eingegangen.

Covid

Bei der Pandemie habe Apple sich gefragt, wie man helfen könne und angefangen, Masken und Face Shields zu entwerfen und mit Google zusammen die Grundlage für die Nachverfolgungs-Apps geschaffen. Aktuell arbeite man etwa mit der Organisation RED zusammen, um Impfstoffe für Afrika zu spenden. Nach Meinung von Cook habe die Pandemie bei vielen Menschen das Beste hervorgebracht und gezeigt, wie widerstandsfähig die Menschheit ist. Die Frage, ob die Pandemie eine „verlorene Generation“ geschaffen habe, bestritt Cook. Er habe dazu zu viele engagierte junge Menschen getroffen, die daran arbeiten würden, die aktuellen Probleme der Gesellschaft zu lösen und nannte auch einige App-Projekte.

Datenschutz

Apple setze sich seit seiner Gründung vor 45 Jahren für Datenschutz ein. Tim Cook lobte die Regulierung der Datennutzung durch die DSGVO in Europa. Das Gesetz sei vorbildlich und solle weltweit gelten. Von anderer geplanten Gesetzgebung hält Cook indes wenig. So soll Apple durch den Digital Markets Act dazu gezwungen werden, App Stores Dritter zuzulassen. Genau das gefährde aber die Sicherheit und Integrität des iPhones. Das könne man wunderbar anhand Android abschätzen, das deutlich stärker von Malware geplagt werde. Der App Store indes garantiere mit der Prüfung jeder App, dass deutlich weniger Schadsoftware durchrutsche.

Umweltschutz

Der Klimawandel sei eine der wichtigsten Themen des Jahrhunderts, weshalb man viel Energie für die Suche nach Lösungen aufwende. Das Unternehmen Apple selbst sei schon seit Jahren "Carbon neutral", man verpflichte aber auch immer mehr Zulieferer von Apple zu Klimaneutralität in der Herstellung, was man bis 2030 erreichen wolle. Ein weiteres Ziel sei Recycling, bei der Produktion setzt Apple immer stärker auf die Wiedergewinnung von Rohstoffen aus Altgeräten.

Steuern

Auch zum Thema Unternehmenssteuern wurde Apple befragt, zahlt doch Apple bekanntlich in Europa relativ wenig Steuern. Laut Cook zahle aber Apple immer seinen fairen Anteil: Insgesamt 23 Prozent Steuern werden von dem Konzern jährlich bezahlt, ein Standard bei Unternehmen der OECD. Eine Besonderheit sei aber, dass diese Abgaben vor allem in den USA anfallen. Allerdings würde die OECD hier an einer Regelung arbeiten.

 Über neue Produkte wie etwa das Apple Car wollte Cook erwartungsgemäß nicht sprechen, erklärte jedoch, dass bei Weitem nicht aus jeder Anstrengung bei Apple auch ein Produkt werde.

Den anwesenden Firmengründern gab Tim Cook noch den Rat „allow yourself to fail“. Zu versagen sei ein Teil des Lebens und auch er würde dies jeden Tag erleben. Apple würde Produkte entwickeln, nachträglich aber oft entscheiden, sie nicht zu veröffentlichen. Man wolle seine Kunden dabei nicht einbeziehen, und versuche möglichst nur intern zu scheitern – statt öffentlich.

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