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Tim Cook: "Ich verachte Polarisierung"

22.11.2019 | 08:35 Uhr | Peter Müller

Stolz auf den Mac Pro, aber auf Sicht keine iPhone-Fertigung in den USA: Tim Cook gewährt dem Sender ABC ein Interview.

Zum Baubeginns der neuen Apple-Fabrik in Austin hat Apple-CEO Tim Cook dem Fernsehsender ABC ein Interview auf der Baustelle gegeben . Darin betonte er nochmals, wie stolz seine Firma sein, ihren bei Weitem leistungsfähigen Computer bisher in Texas zu bauen.

Das iPhone hingegen werde man eher nicht in den US fertigen können, antwortete Cook auf eine entsprechende Frage. Doch aus seiner Sicht entstehe das iPhone an vielen Orten. Das Glas des Bildschirms entstehe in Kentucky, auch weitere Komponenten kämen aus den USA. Beim in Kalifornien entwickelten iPhone handele es sich um ein globales Produkt, dessen Endfertigung in China erfolge. Eine Produktion in den USA sei "nicht am Horizont erkennbar".

China sieht Cook aber auch als wichtigen Absatzmarkt, wie mögliche Zölle den Preis des iPhones tangieren könnten, darüber wolle er nicht spekulieren, hoffe aber, dass die USA und China zu einer Einigung kämen. Auch in Sachen Hongkong hofft er auf Dialog, generell formuliert er seine Ansichten über die Angelegenheit sehr vorsichtig: Er hoffe und er bete für die Sicherheit von jedem.

Die Beziehungen zu China, in denen Apple etwa ein Fünftel seines Umsatzes erwirtschaftet, seien gut, Druck habe die Führung auf Apple keinen ausgeübt – anders als etwa auf die Basketballprofiliga NBA, die klare Partei für die Opposition in Hongkong bezog. Interessanterweise habe die Regierung in Peking von Apple noch nie gefordert, ein iPhone zu entsperren, das FBI in den USA sehr wohl.

Angesprochen auf das laufende Impeachmentverfahren meinte Cook, er kümmere sich nicht um Politik (politics), sondern lieber um Regelwerke (policies). Er habe großes Vertrauen in die staatlichen Institutionen und egal, wer im Weißen Haus das Sagen habe, kümmere er sich um seine Schwerpunkte. Dazu gehöre etwa auch das Engagement für die sogenannten Dreamer und DACA, das Programm Deferred Action for Childhood Arrivals, das als Jugendliche und Kinder in die USA gekommene Migranten vor Abschiebung schützen soll. Das Programm betreffe 450 Mitarbeiter bei Apple, die Cook unbedingt schützen will.

Ausgaben für Lobbyismus gehen zurück

In dem Interview mit ABC News erklärte Tim Cook auch, Lobbyismus abzulehnen. Cook, dem gute Beziehungen zu Trump-Schwiegersohn Jared Kushner nachgesagt werden und der den Präsidenten öfter direkt anruft, sagte konkret: "Ich glaube nicht daran, dass Leute in meinem Namen sprechen sollten. Ich glaube nicht an Lobbyisten. Ich glaube an ein direktes Gespräch. Ich glaube fest an das Engagement. Ich hasse Polarisierung. Ich verachte es." 

Wie Business Insider anmerkt , ist Apple aber nicht konsequent. Laut dem  Center for Responsive Politics hat Apple in diesem Jahr bereits 5,5 Millionen US-Dollar für Lobbyismus in den USA ausgegeben und zuletzt den Trump-Vertrauten Jeff Miller angeheuert, um als Sprachrohr Apples in Washington zu dienen. Apple hat in den letzten Jahren sein Budget für die Einflussnahme auf politische Entscheidungsträger aber bereits zurückgeschraubt und gibt deutlich weniger aus als andere große Techfirmen wie Alphabet (47 Millionen US-Dollar), Amazon (36 Millionen US-Dollar), Facebook (32 Millionen US-Dollar), und Microsoft (24 Millionen US-Dollar).

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