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Tim Cook verteidigt App Store vor Justizausschuss

30.07.2020 | 10:24 Uhr | Peter Müller

Apple-CEO Tim Cook widerspricht den Anschuldigungen, Apple würde den Wettbewerb behindern, indem es eigene Angebote bevorzugt.

In seiner Aussage vor dem Justizausschuss des US-Repräsentantenhauses hat Tim Cook erneut bekräftigt, der App Store sei eine Job-Maschine, womöglich gar die wichtigste der letzten zehn Jahre: "Es ist ein Wirtschaftswunder, dass der App Store es einer Person in ihrem Keller ermöglicht, ein Unternehmen zu gründen und 170 Länder in der Welt zu bedienen." Jede App, die zur Veröffentlichung eingereicht wird, behandle man gleich und fair.

Konkret hatten die Abgeordneten aber Fragen etwa zu den Kindersicherungsapps, die Apple aus dem App Store entfernt hatte. Dies sei aber nicht geschehen, um die eigene Funktion der Bildschirmzeit vor Konkurrenz zu schützen, sondern weil die Anwendungen sich der Methoden des mobilen Device Managements (MDM) bedienten und dabei eben die Stabilität und Sicherheit gefährdeten.

Cook widerspricht auch den Vorwürfen, Apple habe App-Anbieter in Zeiten der Pandemie daran gehindert, ihre Geschäftsmodelle auf Abonnements umzustellen, für die Apple ab dem zweiten Jahr nur noch 15 Prozent Kommission kassiert. Das sei aber nur dann der Fall gewesen, wenn eine App nicht für das Abomodell geeignet war, man wolle keine durch die Pandemie entstandenen Notlagen ausnutzen.

Der Streitfall mit den Anbietern der E-Mail-Anwendung Hey sei mittlerweile auch beigelegt, auf Details ging Cook hier nicht ein. Ein interessanter Nebenaspekt: Wie aus dem Ausschuss vorliegenden Dokumenten bekannt wurde, hat Apple im Jahr 2011 mit dem Gedanken gespielt, für die damals noch recht neuen Abo-Modelle gar 40 Prozent Kommission zu verlangen, man habe die Gebühr aber dann bei 30 Prozent wie für Einmal-Käufe belassen. Seit 2016 verlangt Apple ab dem zweiten Jahr des Abos auch nur noch 15 Prozent.

Zur Anhörung, die aus Gründen der Pandemie nicht in Washington stattfand, sondern per Videokonferenz, waren neben Cook auch die Chefs anderer großer Tech-Firmen wie Facebook, Amazon und Google geladen. Im Kern geht es um die unregulierte Machtfülle der großen vier Technikunternehmen. Der Vorsitzende des Ausschusses, der Demokrat David Cicilline wurde in seiner Eröffnungsrede leiht pathetisch: "Unsere Gründerväter haben sich keinem König gebeugt, und wir sollten uns nicht den Kaisern der Online-Wirtschaft beugen."

Doch wie beinahe zu erwarten, zogen die Abgeordneten der beiden Parteien nicht an einem Strang. Die der Republikaner wollten die Untersuchung zu einem Tribunal umwidmen, in dem Facebook bezichtigt werde, "konservative Meinungen" zu unterdrücken, berichtet der Spiegel . Hier wird die Spaltung der USA noch einmal deutlich: Demokratische Abgeordnete beklagen, dass Facebook Falschinformationen zu Covid-19 massenhaft und ungeprüft verbreiten lässt, während die Republikaner sich darüber echauffieren, dass das Netzwerk in einigen selten Fällen genau solche Videos sowie andere Lügengeschichten und Hetztiraden löscht.

Apple kann sich aus diesem Teil der Kontroverse gelassen heraus halten.

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