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Timeline: Jobs bei Apple - und die Jahre im Exil

25.08.2011 | 11:04 Uhr | Peter Müller,

Timeline: Jobs bei Apple - und die Jahre im Exil

Sollte die Frage "Wer ist die Erfinder des Mac?" in einer Quiz-Show auftauchen, wäre die korrekte Antwort: "Jef Raskin". Steve Jobs dagegen hat sich über lange Zeit mit "Produkten" beschäftigt; sprich: Hardware und Software, die elegant und einfach sind, und die auf die Bedürfnisse des Käufers zugeschnitten sind. Jobs war auch nicht immer bei Apple beschäftigt. Ein kurzer Abriss seiner Karriere bei Apple und im Exil:

1976: Zusammen mit Steve Wozniak und dem erfahrenen Manager Ronald G. Wayne gründet Steve Jobs die Firma Apple. In das Handelsregister eingetragen wird sie am 1. April des Jahres. Wayne verlässt die Firma nur nach wenigen Monaten.

1976: Das erste Produkt der Firma, der Bausatz des Apple I, kommt auf den Markt. Für den Prototypen schrauben Jobs und Wozniak ein Holzgehäuse zusammen, der Bausatz kostet 666,66 US-Dollar

1977: Mit dem Apple II erscheint der erste Kassenschlager des jungen Unternehmens, diesmal mit Gehäuse. Den Apple II verkauft Apple in verschiedenen Varianten noch bis November 1993, insgesamt mehr als fünf Millionen Mal.

1980: Der Apple III wird zum ersten Flop der Apple-Geschichte, unter anderem wegen des lüfterlosen Designs, auf das Jobs bestanden habe. Bauteile verzogen sich in der von Prozessor produzierten Hitze derart, dass Apple allen Ernstes empfahl, den Apple III um wenige Zentimeter anzuheben und auf den Schreibtisch fallen zu lassen, damit sich alles wieder einrenke. Nur 120.000 Geräte verkaufte Apple.

1981: IBM "erfindet" den Personal Computer gut fünf Jahre nach Apple. In einer ganzseitigen Zeitungsanzeige begrüßt Apple den neuen Konkurrenten PC in einem ironischen Ton. Das Lachen sollte Apple jedoch bald vergehen, der PC mit dem Betriebssystem MS-DOS etabliert sich in den nächsten Jahren als Quasistandard.

1983: Apple bringt den ersten Personal Computer mit grafischer Benutzeroberfläche, die Apple Lisa zu einem Preis von über 10.000 US-Dollar. Der Rechner wird zum Flop

1983: Nach 18-monatigem Werben um seine Dienste heuert Steve Jobs den bisherigen Pepsi-Chef John Sculley als CEO an. Legendär der Satz, mit dem Jobs Sculley angeblich überzeugt hat: "Willst du weiter Zuckerwasser verkaufen oder die Welt verändern?" Steve Jobs wird jedoch schnell von Sculley in den Hintergrund gedrängt.

1984: Am 24. Januar stellt Apple den Macintosh mit einem noch heute faszinierenden Werbespot während der Superbowl-Übertragung, dem größten US-Sportereignis, vor. Jobs hatte zwar die Leitung der Macintosh-Gruppe übernommen, als eigentlicher Vater des Mac muss jedoch der Ingenieur Jef Raskin gelten, der dem ersten konkurrenzfähigen Rechner mit grafischer Benutzeroberfläche auch den Namen gegeben hatte. Sensationell ist das (namenlose) Betriebssystem, dem man Befehle mit der Maus erteilt - die Texteingabezeile ("Kommandozeile") fehlt.

1985: Die Differenzen zwischen Steve Jobs und John Sculley nehmen zu, Apple hat für das Jahr 1985 keinen neuen Knüller parat. Im September kündigt Jobs, mittlerweile an den Rand des Apple-Campus verdrängt, seinen Job und verkauft alle seine Apple-Aktien bis auf eine.

1985: Jobs gründet mit dem Erlösen aus seinen Aktienverkäufen die Firma Next Computer und schätzt die Chancen realistisch ein: "Entweder werden wir die letzte Computerfirma, die es schafft oder die erste, die es nicht schafft." Beide Teile der Prophezeihung treten ein.

1986: Weil der Star-Wars-Regisseur George Lukas wegen einer teuren Scheidung Bares benötigt, verkauft er den Computeranimationsbereich seiner Firma Industrial Light and Magic. Jobs schlägt zu, investiert in Pixar und kümmert sich seither um zwei Firmen - Apple hatte Jobs nicht zum Kauf von Pixar überreden können.

1987: US-Milliardär Ross Perot - im Jahr 1992 unabhängiger Präsidentschaftskandidat - investiert in Next, das jedoch den ursprünglichen Termin für die Vorstellung seines Computers verpasst.

1988: Next stellt mit einem Jahr Verspätung seinen ersten Rechner vor. Next stellt die Workstation mit dem Betriebssystem Nextstep vor; Chefentwickler der Software ist Avie Tevanian. Gestochen scharfe Zeichendarstellung unter Nextstep mit Display Postscript.

1992: Nextstep läuft auf Intel-PCs (später auch: Sun Sparc und HP PA Risc Workstations)

1993-1994: Nextstep wird mit Hilfe von Sun zu Openstep; Ziel ist eine objekt-orientierte Programmierung, mit der sich Software für Unix, Windows NT und Sun Solaris entwickeln lässt

1993: Next stellt die Produktion von Computern wieder ein und konzentriert sich auf Next Step, das mittlerweile Version 3.0 erreicht hat. Zur gleichen Zeit bringt Microsoft Windows 3.1 auf den Markt und Apple damit in Bedrängnis

1995: Next wird profitabel, Windows 95 erhöht den Druck auf Apple, das sich mit seiner Betriebssystemstrategie gehörig verzettelt.

1996: Apples CEO Gil Amelio, Nach-nachfolger von Sculley entscheidet in der Betriebssystemfrage und kauft für 400 Millionen US-Dollar Next Computer. Steve Jobs wird zunächst als freier Berater geführt

1996: Next veröffentlich Webobjects, eine Server-Programmiersprache basierend auf Java, mit der sich Internet-Server-Software entwickeln lässt

1997: Start der Anpassung von Nextstep an Power-Macintosh-Hardware

1997: Apple schreibt aufgrund des Missmanagements und der zerfahrenden Produktstrategie der letzten Jahren Milliardenverluste und steht kurz vor der Pleite. Im August nimmt Gil Amelio seinen Hut, Steve Jobs wird Interims-CEO

1998: Im ersten Quartal des Geschäftsjahres schreibt Apple erstmals wieder schwarze Zahlen, die von Amelio angestoßenen Power Macs G3 verkaufen sich gut. Für den ebenso von Amelio angestoßenen iMac fährt Jobs die Meriten ein. Den Newton, Sculleys Fiasko, stellt Jobs ein.

1998: Jobs konkretisiert die Betriebssystemstrategie, Next Step geht in Mac-OS X auf.

1999: Der iMac verkauft sich immer besser, bunte Gehäuse locken immer mehr Käufer. Mac-OS X Server erscheint.

2000: Mac-OS X geht in den öffentlichen Beta-Test, der Power Mac G4 Cube kommt ohne Lüfter. Trotz hoher technischer und gestalterischer Qualität verkauft sich der "geschrumpfte Supercomputer" nur schleppend und wird wenig später eingestellt.

2001: Apple schreibt wieder Verluste, die Wirtschaftskrise nach dem Platzen der Dot-Com-Blase und dem 11. September macht dem Unternehmen schwer zu schaffen. Ende Oktober setzt Apple auf den iPod statt auf die Neuauflage des PDA Newton. Eine weise Entscheidung. Im Mai eröffnen die ersten Apple Stores - zehn Jahre später sind es gut 350 Läden in 12 Ländern weltweit.

März 2001: Verkaufsstart von Mac-OS X 10.0 "Cheetah" mit Cocoa-Bibliothek für Software-Entwickler (basiert auf Openstep) und Carbon (Hilfssoftware für Mac-OS-9-Programme)

August 2002: Mac-OS X 10.2 "Jaguar" mit Quarz Extreme (Display PDF; Weiterentwicklung von Display Postscript)

2003: Der iTunes Store eröffnet zunächst in den USA und stellt den Musikvertrieb komplett auf den Kopf. Mit der exklusiven Bindung von iPod an iTunes schafft Apple ein neues Ökosystem und schafft sich ein neues Standbein als Mediendistributor.

2004: Steve Jobs muss sich einer Operation unterziehen, nachdem er seine Krebserkrankung ein Jahr lang alternativ hatte behandeln lassen. Die Auszeit währt nur drei Monate.

April 2005: Mac-OS X 10.4 mit Suchfunktion Spotlight

2005: Im Juni verkündet Steve Jobs den Wechsel des Prozessorenherstellers für die Macs. Intel macht als neuer Lieferant aber eine völlige Anpassung von System und Programmen notwendig, der Paradigmenwechsel vollzieht sich aber unerwartet problemlos. Erste Intel-Macs kommen im Januar 2006 auf den Markt.

Januar 2006: Mac-OS X 10.4 Tiger mit Rosetta (Übersetzungssoftware, die Power-Mac-Software an Intel-Prozessoren anpasst)

2007: Im Januar stellt Steve Jobs das iPhone vor, das den Mobilfunkmarkt in vorher nicht geahnter Weise umkrempeln wird. Erst im November ist das iPhone auch in Europa zu haben.

Oktober 2007: Mac-OS X 10.5 mit Backup-Software Time Machine und Boot Camp für die Installation von Windows auf Intel-Macs

Mitte/Ende 2007: iPhone mit dem Betriebssystem iPhone OS, ab Juli 2008 Cocoa Touch (Basis für iPhone Apps)

2008: Das Macbook Air zeigt die Zukunft des Notebooks und ist die passende Antwort auf den Netbook-Hype: Diese Subnotebooks nennt Jobs "Schrott". Währenddessen wird der Apple-CEO immer dünner und Spekulationen über seinen Gesundheitszustand werden laut.

2009: Apple gibt zunächst bekannt, im Januar das letzte Mal auf einer Macworld Expo auszustellen: "We don’t believe in tradeshows". Jobs zieht sich aus medizinischen Gründen aus dem Tagesgeschäft zurück und erhält eine Spenderleber. Im September tritt er erstmals wieder öffentlich auf.

2010: Nach monatelangen Spekulationen zeigt Apple den ersten erfolgreichen Tablet-Computer, das iPad. Der Netbook-Markt ist damit auf einen Schlag tot und Apple definiert eine neue Geräteklasse. Aufgrund seines technischen Vorsprungs wird Apple noch mehrere Jahre den Tablet-Markt dominieren, zudem verteidigt Apple seine Patente vehement vor Gericht gegen "sklavische Nachahmung".

2011: Das iPad 2 setzt den Siegeszug des Tabletcomputers fort, doch Steve Jobs muss ab Januar erneut eine gesundheitlich bedingte Auszeit nehmen. Zur Vorstellung des iPad 2 erscheint er aber genauso auf der Bildfläche wie zur WWDC, auf der Apple seine Softwarstrategie der nächsten Jahre vorführt: iOS und OS X Lion wachsen immer mehr zusammen und werden im Hintergrund von iCloud unterstützt.

Juli 2011: OS X "Lion" mit erweitertem Schutz vor Datenverlust "Automatisch Sichern" und "Versionen"

24. August 2011: Steve Jobs gibt bekannt, seine Aufgaben als CEO nicht mehr wahrnehmen zu können. Tim Cook soll sein Nachfolger werden und Jobs auf dem neu geschaffenen Posten des Chairmans wirken.

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