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Trend 2020: iOS 14 mit besserer Stabilität und AR

28.12.2019 | 08:00 Uhr | Stephan Wiesend

Mit dem kommenden iOS 14 wird Apple bessere Stabilität und Performance, aber auch neue Technologien im Bereich Ortung und Kamera liefern.

Das dreizehnte Stockwerk oder der Flugzeugsitz mit der Zahl Dreizehn wird gerne gemieden, auch bei iOS 13 ist Apple nicht gerade ein Publikumserfolg gelungen . Die dreizehnte Systemversion war eines jener missglückten Systemupdates, bei dem man Freunden und Bekannten riet, lieber auf das erste Update zu warten. Für viele Anwender eine große Enttäuschung im Vergleich zum stabilen iOS 12, das noch auf vielen Geräten läuft. Der Vorgänger hatte zwar weniger neue Funktionen aber erstklassige Stabilität und beste Performance geboten hatte. Bei iOS 14 wird es Apple aber besser machen.

Wird das SE weiter unterstützt?

Welche Geräte werden das kommende iOS 13 aber noch unterstützen? Mit iOS 13 war ja das lang erwartete Aus für iPhone 6 und iPhone 5s gekommen. Mancher Besitzer eines iPhone 6s und iPhone SE wird bei iOS 14 da wohl schon nervös. Vermutlich wird es aber für diese Geräte auch 2020 noch ein Systemupdate geben, hat doch Apple in Indien erst vor einem halben Jahr den Verkauf des iPhone 6s gestoppt. Das Modell erschien zwar schon 2015, ist aber immer noch alltagstauglich und auch in Deutschland noch im Handel erhältlich. Beim iPhone SE sind wir uns da weniger sicher, ist doch die Bildschirmauflösung nicht mehr zeitgemäß. Bedauerlich wäre dies für viele junge iPhone-Nutzer, sind doch viele SE mittlerweile bei jüngeren Familienmitgliedern angekommen.

Für das iPhone SE könnte es knapp werden.
Vergrößern Für das iPhone SE könnte es knapp werden.
© IDG

Siri und iCloud

Fast schon selbstverständlich: iOS 14 wird verbesserte Siri- und iCloud-Funktionalität bieten, hier hatte Apple schon in Hintergrund viel nachgebessert und muss gegenüber Konkurrenten wie Google und Amazon aber aufholen. Apple investiert in diesen Bereichen viel Geld, die Ergebnisse werden sich aber wie bisher vor allem im Hintergrund weiter verbessern. Große Sprünge sollte man nicht erwarten. Die Ergebnisse von Siri werden kontinuierlich jedes Jahr besser, viele von alten Siri-Versionen enttäuschte Nutzer kriegen dies leider nur eingeschränkt mit. An mangelnder Manpower liegt es nicht: Mitte letzten Jahres wurde bekannt, dass Apple seinen Forschungs-Standort in Seattle stark ausbaut – nur einer von mehreren Standorten . Zu den bestehenden 500 Angestellten sollen in den nächsten Jahren weitere 2000 dazukommen, ein Gebäude mit über 6 Hektar Fläche wird dazu angemietet. Aufschlussreich sind hier auch einige der Stellenanzeigen, so werden auffallend viele Entwickler für Bereich wie Siri Maps, iCloud und Machine Learning gesucht. Nicht zuletzt für die Zusammenarbeit von Siri und Maps wird sich in den nächsten Versionen wohl viel verbessern.

Apple scheint stark in die Weiterentwicklung von Siri zu investieren
Vergrößern Apple scheint stark in die Weiterentwicklung von Siri zu investieren

Ortung: Eine unterschätzte Funktion

Die neuen iPhones kamen mit einem neuen Funkmodul, das zur Überraschung vieler Anwender wenig Funktionen bietet - und vielleicht auch erst unter iOS 14 bieten wird.  Als erste Apple-Produkte erhielten die iPhone 11-Modelle nämlich einen Chip für sogenanntes UWB, der auf den Namen U1 hört. Er erfüllt aktuell nur eine recht exotische Funktion: Laut der Produktseite zum iPhone 11 kann man per Ultraweitband die Position eines anderen iPhone 11 im Raum identifizieren und gezielt und schneller per Airdrop Daten an dieses Gerät senden. Eine sogenannte Spatial Awareness, die auf knapp zehn Zentimeter genaue Positionsbestimmungen erlaubt. Verdächtig viel Aufwand für eine eher nebensächliche Funktion. Warum dafür einen eigenen Chip? Der Grund sind die besonderen Fähigkeiten: Die Reichweite liegt bei 290 Meter und man erreicht eine um den Faktor hundert genauere Ortsbestimmung als mit Bluetooth oder WLAN – er ist außerdem sehr stromsparend und um den Faktor 50 schneller als eine GPS-Ortsbestimmung. Wie auf Quora Brian Roemmele hervorhebt, folgt ja ein Nachsatz auf der Produktseite: „And that´s just the beginning“. Die Nutzungsmöglichkeiten sind äußerst umfangreich, wie Roemmele in seinem sehr ausführlichen Artikel ausführt. Die Technologie UWB kann für zahlreiche Anwendungen genutzt werden, ideal ist sie aber wohl für Anwendungen aus dem AR-Bereich und die lang erwarteten Apple Glasses, da sie eine präzise Ortsbestimmung ermöglicht – eine Schwäche aktueller Geräte, die bei Laser und Infrarot-Sensoren an ihre Grenzen stößt. Anwendungsgebiete liegen laut Roemmele aber nicht nur in der Ortsbestimmung in Innenräumen, sondern für AR/MR/VR-Anwendungen aller Art, Automotive, Drohnen und Robotik. Kollisionswarnung für Autos oder gar Fußgänger wären etwa ein Anwendungsbereich, eine Art Personal Radar System.

Als eine Aufgabe des U1-Chip nennt Apple eine zielgerichtete AirDrop-Nutzung
Vergrößern Als eine Aufgabe des U1-Chip nennt Apple eine zielgerichtete AirDrop-Nutzung
© Apple

Erinnern sollte man hier an die Unsummen, die Apple in die Weiterentwicklung von Maps investiert. Vielleicht kann man ja bald auch Ultraweitband für die Ortung nutzen? Interessant wäre es, wenn der Chip auch in anderen Apple-Geräten verbaut würde, etwa in Airpod oder Airpod-Hüllen, iPads oder den angeblich geplanten Standalone-Geräten. Ein verloren gegangener Airpod wäre dann schnell aufgespürt. Viele Spekulationen gab es vor der Keynote über von Apple anscheinend geplante Standalone-Ortungsgeräte – Produkte ähnlich dem Schlüsselfinder Tile – mit denen man ja beispielsweise auch Haustiere oder sein Gepäck orten könnte. Anbetracht des niedrigen Stromverbrauchs des kleinen Chips könnten diese Ortungs-Disks kleiner als fünf Zentimeter sein.

Mit dieser Technologie ist es übrigens auch möglich, die eigene Wohnung zu erfassen, also eine Karte der Umgebung zu erstellen. Möglicherweise wird Apple aber die Technologie bald für Entwickler öffnen, um App-Entwicklern neue Möglichkeiten zu erschließen – schon auf der WWDC 2020 gibt es hier vielleicht mehr darüber zu hören. Das iPad Pro 2020 soll ja nach Informationen von Mark Gurman mit einer weiteren spannenden Neuerung auf den Markt kommen: Unterstützung für Tiefenmessung. Zwei Kamerasensoren inklusive 3D-System ermöglichen dann die dreidimensionale Erfassung von Räumen und Objekten. Im Prinzip funktioniert dies wie das schon vom iPad 2018 unterstützte FaceID – statt einem Gesicht kann das System aber auch Objekte in einem Raum erfassen und eine 3D-Map erstellen. Wichtig ist dies vor allem für Augmented-Reality-Anwendungen: Mit einer herkömmlichen Kamera sind nämlich nur eingeschränkte Erfassungen möglich – die Entfernung eines Objektes kann man erst mit Hilfe von Kameras bestimmen. AR bleibt auch 2020 eine Zukunftstechnologie, in die Apple seit Jahren sehr stark investiert. Laut Bloomberg sollen ja über 1000 Entwickler unter Mike Rockwell an AR-Anwendungen forschen.

Eine AR-Brille von Apple gilt als gesichert – wenn auch erst für 2022 –hier könnte Apple UWB-Technologie für Funktionen wie Augmented Reality und Mixed Reality verwenden.

Neue Kamera-Technologien

Die Smartphonehersteller haben das Thema Foto und Video als gutes Verkaufsargument erkannt und überbieten sich mit immer mehr mit neuen Kamerafunktionen. Apple ist hier vorn mit dabei und gerade erst mit Spectral Edge ein weiteres Softwareunternehmen in diesem Bereich übernommen. Hier handelt es sich zwar um Technologien, die wohl erst für kommende iPhones interessant werden, schon für iOS 14 sind aber weitere Verbesserungen zu erwarten – sowohl für die Kamerafunktion selbst, als auch für die  Bearbeitungsfunktionen. Bedauerlich: Viele neue Funktionen sind allerdings weniger an das Betriebssystem als an Hardware gebunden. Wie schon beim iPhone 11 wird wohl das iPhone 12 einige exklusive Kamerafunktionen bieten.

Versprochen: Ein stabileres System als iOS 12

Für viele Anwender ist aber wohl weniger der Funktionsumfang von iOS wichtig, als die Stabilität. Mangelnde Performance und kurze Akkulaufzeit sind ja oft Folgen von Mängeln im System, etwa wenn ein abstürzendes Hintergrundtool den Akku leert. Der Hintergrund für Apple iOS-Probleme ist aber nicht neu: Apple hat offensichtlich über Jahre entstandene Probleme im Projektmanagement, die ein enttäuschter Entwickler in einem Artikel kürzlich recht gnadenlos sezierte. Apple zeigt offenbar Einsicht, dass es so nicht weiter geht, und soll die Softwareentwicklung komplett umgestellt haben. Dazu war auch an der Zeit: Kurz nach Erscheinen von iOS 13.0 kam schon das Update iOS 13.1, das viele Funktionen nachlieferte. Apples Entwickler hatten nämlich anscheinend bereits auf der WWDC im Juni dieses Jahres eingesehen, dass iOS 13 zum iPhone-Start nicht rechtzeitig fertig wird. Deswegen wurden mehrere Funktionen auf iOS 13.1 verschoben , Apple selbst hat iOS 13.1 als die finale Version gesehen, die sich qualitativ an iOS 12 messen könnte – was aber nicht ganz stimmte, auch iOS 13.1 hatte noch ärgerlich viele Probleme.

Der für iOS verantwortliche Craig Federighi hat deshalb die Projektverwaltung bei Apple verändert. Auf dem Kickoff-Meeting für iOS 14 habe Federighi laut Bloomberg neue Maßnahmen vorgestellt – neu zumindest für Apple. So genannte Flags in der Software sollen verhindern, dass fehlerhafte oder noch nicht fertig entwickelte Features zur Auslieferung kommen. Weiterhin gibt es so genannte „Daily Builds“, hier sind geflaggte Bestandteile aber ab Werk deaktiviert – Entwickler können sie aber bewusst einschalten, um sie in Beta-Test zu überprüfen. Diese „Daily Builds“ mit möglichst vielen neuen Funktionen hatten nämlich dazu geführt, dass Apple keinen Überblick mehr hatte, im welchen Zustand das iOS ist und welche Features stabil laufen und welche nicht. Für das künftige Update auf iOS 14 wollte Apple viel neue Funktionen bringen, doch schon jetzt wird laut Bloomberg klar, dass manche davon auf iOS 15 verschoben werden. Für die Nutzung der Ressourcen sollte das neue System viele Verbesserungen bringen: Die Entwickler werden sich vermehrt auf Funktionen konzentrieren, die wirklich Aussicht haben, fertig zu werden. Folge: Ein stabiles System, bei dem die versprochenen Funktionen funktionieren.

Fazit

Mit iOS 14 erwarten wir vor allem im Bereich Stabilität und Performance Verbesserungen. iOS 13 brachte viele neue Funktionen, mit iOS 14 muss Apple aber viel nachbessern. Schade: Manche neue Funktionen wie Ortung und AR werden wohl nur Nutzern der neuesten iPhones oder iPads zur Verfügung stehen.

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