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Trend 2020: iPads mit neuen Displays und AR

30.12.2019 | 08:30 Uhr | Stephan Wiesend

Was wird 2020 aus dem iPad? Ersetzt es das Macbook oder erhält „nur“ Mini-LED-Displays? Und was passiert mit iPadOS?

Eigentlich hatten wir schon 2019 neue iPad Pro-Modelle erwartet, hatte doch Apple seine Pro-Reihe sonst im Jahres-Rhythmus erneuert. In diesem Jahr gab es aber nur neue Consumer-Modelle zu sehen – und zwar gleich drei: Das günstige iPad 10,2-Zoll, die überraschende Neuauflage des iPad Mini und ein wirklich attraktives iPad Air als Mittelklasse. Wirklich neue Modelle waren es aber in diesem Jahr nicht: Eigentlich handelt es sich nämlich bei diesen drei Modellen um Upgrades. Das Standard-iPad bekam im Wesentlichen nur ein größeres Display mit 10,2-Zoll statt 9,7-Zoll, das iPad Mini 5 aktualisierte Hardware und das iPad Air ist ja eigentlich ein neu verpacktes iPad Pro 10,5-Zoll! Auch ohne Aktualisierung blieb so aber der Abstand der innovativen Pro-Modelle noch deutlich gewahrt. 2020 wird aber wohl für diese Modelle einige interessante Neuerungen bringen.

A13-Generation

Zumindest bei den Chips gibt es eine kontinuierliche Weiterentwicklung: Die in den aktuellen Top-iPhones verbauten Chips werden jedes Jahr schneller und landen kurz darauf im iPad Pro - wenn auch in einer schnelleren Version mit höherer Leistung. So ist es fast ausgemacht, dass die kommenden iPads einen leistungsgesteigerten Ableger des A13 Bionic erhalten werden – der nicht nur schneller als der A12 ist. Er bietet auch bessere Stromsparfunktionen und kann gegenüber dem Vormodell bestimmte AI-Berechnungen um den Faktor sechs beschleunigen. Die letzteren beiden Funktionen sind dabei wohl wichtiger als die höhere Rechenleistung – ist doch das iPad Pro 2018 immer noch das unbestritten schnellste iOS-Gerät und sehr nah an der Leistung eines Macbooks.

iPad Pro-Modelle: Vielleicht mit AR?

Die iPad-Pro-Modelle blieben 2019 unverändert. Nicht einmal neue CPUs spendierte Apple den Oktober 2018 vorgestellten Tablets. Laut Bloomberg und andern gut Informierten Kreisen ist es aber in der ersten Jahreshälfte soweit und Apple aktualisiert seine Top-iPads. Der seine Informationen aus Zuliefererkreisen beziehende Analyst Ming-Chi Kuo tippt zwar auf das vierte Quartal 2020, bei Informationen wie Erscheinungsdatum und Software hat sich Kuo allerdings schon öfter geirrt, sind diese Daten Zulieferern doch meist nicht bekannt. Wir glauben in jedem Fall, dass die iPads Pro vor den neuen iPhones Pro erscheinen werden.

Wichtigste Neuerung Mini-LED

Schon längere Zeit fragt man sich, ob Apple bei seinen iPads Pro bald auf OLED-Technologie setzen wird, statt den bisher verbauten LCD-Panels. Dem Analysten Kuo zufolge hat sich aber Apple für eine dritte Technologie entschieden: Mini-LED-Displays, eine neue Technologie, die viele Vorteile der OLED-Displays bietet, aber günstiger ist und in kommenden Macbooks ebenfalls verwendet wird. Micro-LEDs oder auch MikroLEDs haben ähnliche Vorteile wie OLEDs, da die Pixel selbst leuchten: Der Kontrast ist höher und auch die Farbtreue. Nur sind Micro-LEDs noch energieeffizienter und lassen sich noch dünner bauen. Der hier verwendete Halbleiter Gallium-Nitrid soll auch eine längere Lebenszeit im Vergleich zu den organischen Materialien bieten. So vermutet Kuo, dass die iPad- und MacBook-Displays jeweils über etwa 10.000 LEDs verfügen. Zum Vergleich: Dem neuen Pro Display XDR spendiert Apple nur 576 LEDs. Jede LED soll laut Kuo weniger als 200 Mikrometer groß sein, deutlich kleiner als die im Pro Display XDR.

Die neue Technologie bietet viele Vorteile
Vergrößern Die neue Technologie bietet viele Vorteile
© Martin Kraft

Kuo spekulierte bereits, dass die iPad- und Macbook-Modelle jeweils in zwei verschiedenen Größen erscheinen werden: 10-12 Zoll bzw. 15-17 Zoll. Kuo glaubt außerdem, dass die Mini-LED die erste Wahl von Apple sei, um Burn-in-Probleme zu vermeiden und gleichzeitig weniger abhängig von Samsung in Bezug auf die Versorgung mit OLED-Displays zu sein. Die Mini-LED-Displaypanels sollen von LG kommen, während andere Komponenten von Epistar, Zhen Ding, Radiant Opto-Electronics, Nichia, Avary Holding oder TSMT kommen könnten. Die Mini-LED-Displays bieten darüber hinaus einen weiteren Vorteil: Kuo glaubt, dass damit dünnere und leichtere Produktdesigns möglich seien. Ein Problem ist aber die Markttauglichkeit, der Hersteller AU Optronics erwartet die Markttauglichkeit erst in ein oder zwei Jahren.

Glaubt man Kuos Spekulationen, dann plant Apple das iPad zwischen dem vierten Quartal 2020 und dem ersten Quartal 2021 zu veröffentlichen, gefolgt vom Macbook zwischen dem ersten Quartal und dem zweiten Quartal 2021.

AR-Funktion

Das iPad Pro 2020 wird nach Informationen von Mark Gurman mit einer weiteren spannenden Neuerung auf den Markt kommen: Der Unterstützung für Tiefenmessung. Zwei Kamerasensoren inklusive 3D-System ermöglichen dann die dreidimensionale Erfassung von Räumen und Objekten. Im Prinzip funktioniert dies wie das schon vom iPad 2018 unterstützte Face-ID – statt einem Gesicht kann das System aber Objekte in einem Raum erfassen und eine 3D-Map erstellen. Wichtig ist dies vor allem für Augmented Reality-Anwendungen, mit einer herkömmlichen Kamera sind nämlich nur eingeschränkte Erfassungen möglich – die Entfernung eines Objektes kann man erst mit Hilfe von mehreren Kameras bestimmen. AR bleibt auch 2020 eine Zukunftstechnologie, in die Apple seit Jahren sehr stark investiert. Laut Bloomberg sollen ja über 1000 Entwickler unter Mike Rockwell an AR-Anwendungen forschen.

Ganz klar ist die Aufgabe, die diese Technologie auf der iPad-Plattform erfüllen wird aber noch nicht. So wird eine AR-Brille von Apple erst 2022 erwartet, vermutlich will Apple aber erste Hardware-Grundlagen schaffen – beispielsweise für die Erstellung von den dann notwendigen 3D-Maps. Für den Käufer gibt es deshalb Mitte 2020 vielleicht trotz Unterstützung noch sehr wenig AR-Funktionen zu sehen. Das galt ja bereits für den U1-Chip in den neuen iPhone. Ebenfalls in den iPads landet ja vielleicht der erstmals im iPhone 11 verbaute und recht mysteriöse U1-Chip, ein Ultrabreitband-Chip. Auch dieser verbessert Ortungsfunktionen, da er die präzise Ortung von anderen Geräten mit U1-Chip ermöglicht.

Neues Kamerasystem

Ein Drei-Kamera-System ist nicht zu erwarten. Die Top-Modelle des iPhone Pro erhielten zwar drei Kameras, hier will aber Apple eher Filmer und Fotografen ansprechen. Wie beim iPhone 11 tippen wir eher auf eine zweite Ultraweitwinkel-Kamera. Das Gehäuse des iPad Pro ist außerdem so konzipiert, dass für eine zusätzliche Tele-Kamera nur sehr wenig Platz bleibt. Bei den meisten iPad-Nutzern hat die integrierte Kamera außerdem nur eine sekundäre Funktion – sie wird wohl eher für Schnappschüsse, Dokumenten-Scans oder Video-Telefonate genutzt.

Neues iPad Pro mit größerem Bildschirm?

Liegt das iPad neben einem Macbook Pro mit 16-Zoll-Display wirkt auch das größte aktuelle iPad relativ klein. Ein größeres iPad Pro mit 16-Zoll-Display erwarten wir aber nicht. Für manche Aufgaben wie Fotografie oder Grafik wäre es zwar eine tolle Alternative zum Macbook, für den Massenmarkt ist eine solche XXL-Bildschirmgröße aber wenig sinnvoll – ein zusätzliches Spezial-Modell ist das sehr unwahrscheinlich. Stärke eines iPad ist außerdem die Mobilität: Schon das 12,9-Zoll-Modell ist weniger handlich als das 11-Zoll-Modell und Handlichkeit und mobile Nutzbarkeit ist das Alleinstellungsmerkmal des iPads.

iPad Air mit Face ID?

Immer wieder gibt es Spekulationen, dass auch die anderen iPad-Modelle Face ID erhalten. Allerdings wird dies 2020 wohl nicht mehr kommen. Das sichere Anmeldesystem Face ID macht nicht nur das iPad etwas teurer, es ist auch ein gutes Verkaufsargument und Distinktionsmerkmal für die Pro-Modelle. Kleinere Updates sind sehr wahrscheinlich, etwa eine neue CPU für das iPad Air. Das iPad Air ist aber bereits der größte Konkurrent der teuren Pro-Modelle – das wird Apple nicht noch verstärken wollen.

Ersetzt das iPad nun das Macbook oder nicht?

Seit dem Erscheinen des iPad gibt es eine fast schon ermüdende Diskussion, ob das iPad ein Macbook ersetzten kann. Diese ist aber wohl müßig, bleibt man doch bei dieser Fragestellung alten Denkgewohnheiten verhaftet – für manche Aufgaben ist ein Tablet mit Touchscreen ideal, für andere ein Notebook mit Tastatur und Top-Hardware. Muss man mit vielen offenen Programmen arbeiten, viele Daten eingeben und gleicht Daten zwischen offenen Fenstern aus – dann ist schon das Macbook die Notlösung, weil ein Desktop mit mehreren Displays, Maus und Tastatur viel bessere Eingabemöglichkeiten bietet. Für Touch-Funktionalität soll auf dem Macbook die Touchbar sorgen (von der wir persönlich allerdings immer noch nicht ganz überzeugt sind). Läuft man in einem Gebäude herum, sitzt auf einer Couch oder in einer U-Bahn ist das iPad ideal, ebenso wenn man Daten vor allem abrufen oder sichten muss. Nicht ohne Grund erhalten EU-Parlamentarier ein iPad ausgehändigt um zahllose Dokumente, Termine, Nachrichten und Protokolle sinnvoll organisieren zu können.

Mit Tastatur erfüll das iPad viele Aufgaben eines Notebooks.
Vergrößern Mit Tastatur erfüll das iPad viele Aufgaben eines Notebooks.

Bei vielen Ortsänderungen, ständigem Wechsel zwischen persönlichem Gespräch und Abruf von Informationen – da lässt sich wiederum ein Nur-Display-Gerät bequemer und komfortabler. Das sieht offensichtlich auch Apple so. Die Folge: Es wird auch in den nächsten Jahren zwei separate Modell-Kategorien geben: Macbooks und iPads. Blickt man über den Tellerrand, gibt es schließlich auch auf anderen Plattformen kaum Alternativen. Wirft man einen näheren Blick auf das Design des iPad Pro, hat zwar mancher den Eindruck, dass es immer mehr Parallelen zu Microsoft Surface Face-Geräten gibt. Das täuscht aber – es handelt sich um komplett unterschiedliche Konzepte von Apple und Microsoft. Während die Surface-Linie weitaus mehr Ähnlichkeiten mit einem herkömmlichen Notebook hat, ist das iPad Pro eine komplett eigenständige Modell-Kategorie. Größter Unterschied ist beim iPad die völlige Auslegung auf Touch Bedienung, während die Surfacegeräte immer noch viel Altlasten vom Desktop mit sich herumtragen. Zusätzlich hat Microsoft ganz eigene Probleme, etwa dass auf seinen ARM-Modellen (es gibt Geräte mit ARM und mit Intel-CUP) nur noch 32 Bit Anwendungen laufen. Es gibt also keinen Grund, allzu neidisch auf die schicken Surface Geräte zu blicken.

Eine Stärke der iPads ist aber in jedem Fall die Flexibilität. Es gibt zahllose Möglichkeiten, sie zu erweitern. Schon das Anschließen eines Monitors per USB-C ist eine Bereicherung, Unterstützung für den Apple Pencil eine Stärke gegenüber Macbook und iMac. Es sind die vielen kleinen Details in der praktischen Nutzung, die man nicht unterschätzen soll: So kommt uns die Nutzung von Siri am iPad immer noch selbstverständlicher vor als an einem iMac und will man bei einem Videochat etwas zeigen, blendet man einfach die Rückenkamera ein – versuchen sie das einmal bei einem iMac! Nicht ohne Grund verbringen viele Anwender mittlerweile oft mehr Zeit an ihrem iPad als an ihrem Mac.

Bei den iPads kann man außerdem die beiden Modelle mit 11 und 12,9 Zoll Bildschirm als eigenständige Produktlinien verstehen: Während beim 11-Zoll Modell die Mobilität im Vordergrund steht, stellt man bald fest, dass das 12,9 Zoll Gerät vor allem bei Profi Anwendungen ganz neue Anwendungsbereiche erschließt. Schließt man eine externe Tastatur an das 12,9 Zoll Gerät an, wirkt es auf den ersten Blick wie ein vollwertiges Notebook.

iPad OS

Erst seit September ist das neue iPad-Betriebssystem iPad OS 13 verfügbar – das erste komplett eigenständige System für iPads. Es hatte sich gezeigt, dass es eben doch einige Unterschiede zwischen einem einhändig bedienbaren Smartphone und einem Tablet gibt. Schon zuvor gab es unter iOS einige Darstellungsmodi oder Funktionen nur auf iPads, ein eigenständiges System neben iOS ist aber langfristig sehr sinnvoll – um dem beiden Plattformen mehr Freiraum zu lassen.

Das System selbst bietet bisher eigentlich nur wenig Unterschiede zur iPhone-Version, die Systemeinstellungen und das Design sind so gut wie identisch. Hat man schon ein iPhone, ist der Wechsel zum iPad kein Problem. Kleinere Unterschiede wie die Widgets sind dabei aber eher Nebensache.

Es sind immer größer werdende Unterschiede zwischen den iPhone und iPad-Versionen, die eine Separierung sinnvoll machen. Eine iPad-Version einer App ist nicht nur einfach größer, durch die größere Arbeitsfläche wird sie oft völlig anders benutzt. Man vergleiche nur die Ansicht einer Webseite auf dem iPad- und iPhone oder die beiden Versionen von Keynote. Die andere Hardware und der größere Bildschirm sorgen außerdem dafür, dass man mit dem iPad andere Aufgaben erledigen kann oder will als mit einem iPhone – etwa Fotos verwalten und bearbeiten oder per Apple Pencil eine Zeichnung erstellen. Über die Produktivfunktionen eines Smartphones geht ein iPad weit hinaus, zugleich eignet es sich aber auch besser für Medienkonsum und Präsentationen. Dazu kommen Funktionen wie USB-Hardware, Multitasking und Sidecar, die es weiter vom iPhone abgrenzen. Funktionen wie Drag-and-Drop finden wir auf dem iPad ebenfalls weit sinnvoller als auf dem iPhone. Es gibt aber noch andere Unterschiede: Allenfalls Nerds nutzen ein iPhone mit externer Tastatur, während vor allem Apples iPad-Tastaturen eine echte Erweiterung des iPads sind und recht oft zu sehen sind.

Was hat der Nutzer aber 2020 zu erwarten?

Vorerst nur kleine Verbesserungen des Systems, weit mehr Neuerungen könnten aber unter der Haube und im App-Bereich entstehen. Für 2020 wird vor allem die neue Funktion Catalyst viele neue iPad-Apps auf den Mac bringen. Gleichzeitig ist zu hoffen, dass es auch viele neue Desktop-Apps für das iPad geben wird. Eine Photoshop-Version für das iPad ist da erst der Anfang, wenn auch der Umstieg für Adobe nicht ganz reibungslos verlief. Ein neues Problem sehen wir auf Apple-Anwender aber zukommen, sind doch Catalyst-Apps oft eine Bereicherung – speziell für den Mac entwickelte Programme sind aber doch meist funktional und technische überlegen. Wenn ein Softwarehersteller aber eine Anwendung für  Apple-Anwender erstellen wollte, musste er bisher sowohl eine Mac-App und eine iOS-App entwickeln lassen – wobei die Mac-App oft außen vor blieb. Mit der einfachen Portierung von iPad-Apps könnte es aber zwar häufiger eine Catalyst-Version geben, aber noch seltener eine „echte“ Mac-App – langfristig vielleicht ein Nachteil für die Mac-Plattform.

Fazit:

Für 2020 erwarten wir iPad Pro mit besseren Displays und Zukunftstechnologie. Vor allem die neue Display-Technologie klingt vielversprechend – auf die AR-Revolution werden wir aber weiter warten müssen. Bei den Consumer-iPads wird sich Apple wohl Zeit lassen. Verkaufen sich diese Modelle doch weiter hervorragend.

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