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Trends 2020: Apples Services

06.01.2020 | 08:00 Uhr | Peter Müller

Apples Services-Sparte wächst, im kommenden Jahr wahrscheinlich auch mit einem Bundle und der Ausweitung der Apple Card auf andere Länder. Es gibt aber noch mehr Ideen.

Im Jahr 2019 hat Apple hinsichtlich Services ein neue Niveau erklommen - hinsichtlich der Anzahl der Dienste und den damit generierten Umsätzen. Seit einigen Jahren stagniert bereits der Absatz von iPhones, seit dem Geschäftsjahr 2018/19 nennt Apple daher nur noch mehr Umsätze und verrät die Stückzahlen nicht. Denn diese waren zuvor schon rückläufig, da der durchschnittliche Preis anstieg, blieben die Einnahmen einigermaßen auf der gewohnten Höhe. Die Bilanz für das Weihnachtsquartal 2019 legt Apple Ende Januar vor, recht viel besser wird es nicht mehr, nur noch nicht schlimmer. Und ob die 5G-iPhones des kommenden Jahres den Weg zurück zum Wachstum weisen, darf man ruhig bezweifeln: Der Smartphone-Markt ist gesättigt.

Was auf den ersten Blick kein Schaden ist, Apple stagniert auf einem hohen Niveau und holt nach wie vor Margen um die 40 Prozent heraus – davon wagt die Konkurrenz nicht einmal zu träumen. Aber so funktioniert der Kapitalismus nicht, speziell von Börsen notierten Unternehmen erwartet er stetes Wachstum. Deshalb verweist Apple auch immer wieder auf seine Services-Sparte, die in den letzten Jahren solide und vor allem kontinuierlich gewachsen ist.

Apples Services wachsen kontinuierlich und weitgehend unabhängig von der Jahreszeit.
Vergrößern Apples Services wachsen kontinuierlich und weitgehend unabhängig von der Jahreszeit.

Hier kommt Apple natürlich die enorme Verbreitung seiner Plattformen zugute: Etwas mehr als eine Milliarde iOS-Geräte ist weltweit aktiv, die Besitzer verlangen natürlich nach Futter in Form von Apps oder Inhalten dafür. Apple kassiert 30 Prozent Provision für jeden Verkauf, bei Abos ab dem zweiten Jahr noch 15 Prozent. Auch wenn die installierte Basis nicht mehr stark wachsen wird, kommen jedes Jahr neue Nutzer hinzu, die Service-Umsätze wachsen mit.

Im Jahr 2019 hat Apple einige weitere Dienste aufgelegt, die teilweise noch gar noch nicht in den Bilanzen Niederschlag gefunden haben. So ist Apple TV+ für Käufer von Neugeräten ein Jahr lang gratis, auch Apple Arcade und Apple News+ konnte man einen Monat lang zunächst ausprobieren, ohne zu zahlen. Wobei die mit Apple News+ generierten Einnahmen ohnehin nicht besonders relevant für die Gesamtbilanz Apples sein dürften. Publisher wie Condé Nast evaluieren ihr Geschäft und werden entscheiden müssen, ob sie dabei bleiben. Die Reichweitensteigerung ist zwar für manche durchaus relevant, die damit generierten Umsätze aber nur ein kleines Zubrot.

Apple News+: Kein lohnendes Geschäft bisher

Vor allem, weil Apple News+ bisher auf den englischen Sprachraum beschränkt ist: USA, UK, Australien und Kanada – dort besteht in Quebec bisher auch die einzige Ausnahme. Wir erwarten für 2020 aber nicht, dass Apple seinen Dienst ausweitet, auf Frankreich etwa und später auf Deutschland, Österreich und die Schweiz. Bisher scheint dem Modell, Journalismus so wie Musik und Streaming-TV in der Flatrate zu verkaufen, kein besonders großer Erfolg beschieden.

Dabei warten Verlage doch auf tragfähige digitale Geschäftsmodelle: An Bezahlinhalte mag sich das Publikum nicht gewöhnen, auch weil es an einem Micro-Payment-Standard fehlt, mit dem man sich bequem und sicher einzelne Artikel kaufen könnte. Werbung ist verpönt, insbesondere personalisierte , doch nur dafür fließt noch nennenswert Geld. Apple hat schon einmal vergeblich versucht, dem Journalismus eine Plattform im digitalen Zeitalter zu geben, das mit Rupert Murdoch angestrengte Experiment "The Daily" ist aber schon nach nicht ganz zwei Jahren gescheitert .

Apple News+ ist aber auch nicht die Lösung, innerhalb der immensen Reichweite Apples sind Sprachbarrieren zu überwinden, welche die Musik nicht kennt und auch die Filmkunst nur bedingt. Verlage werden weiter ihre eigenen Bezahlmodelle finden müssen.

Apple News+ wird in Deutschland vermutlich über 2020 hinaus auf sich warten lassen.
Vergrößern Apple News+ wird in Deutschland vermutlich über 2020 hinaus auf sich warten lassen.

Würde Apple ähnlich wie Amazons Jeff Bezos als Mäzen auftreten und eine Zeitung oder einen ganzen Verlag aufkaufen, wie es mit der Washington Post der Fall war, hätten Verleger weltweit aber womöglich ein noch größeres Problem: Denn gegen die Reichweite Apples mit eigenen Angeboten auf deren Plattformen antreten, kann nur zum Scheitern führen. Immerhin dürfte in Cupertino nichts Derartiges geplant sein, Apple beschränkt sich mit seinen Redaktionen weiter nur auf das Kuratieren von Inhalten. Es ist schon bedenklich genug, dass Cupertino nach der Öffentlichkeit nicht bekannten Regeln bestimmt, was relevant und lesenswert aufgemacht ist. Doch die News-App auf Deutsch und Apple News+ im deutschen Sprachraum werden wir 2020 ohnehin nicht sehen.

Apple Card: Finanzen à la Apple – noch nicht in Deutschland

Einen weiteren 2019 gestarteten Dienst werden wir in Deutschland so schnell nicht sehen, vielleicht noch eher in der Schweiz: Die Apple Card. Streng genommen handelt es sich hier um eine Kreditkarte, die Goldman Sachs über seine Consumer-Tochter Marcus herausgibt, Apple steuert die Software für das iPhone bei . Diese mag zwar beeindruckend sein, aber Goldman Sachs setzt die Regeln bezüglich Kreditwürdigkeit und Zinsen. Das hat die Apple Card im Herbst ein wenig in Verruf gebracht : Anscheinend stecken tief in den Algorithmen Regeln, die Frauen diskriminieren, in dem sie ihnen geringere Bonität zusprechen.

Diskriminiert Goldman Sachs Frauen?
Vergrößern Diskriminiert Goldman Sachs Frauen?
© Apple

Die Algorithmen haben offenbar nicht ganz vorurteilsfreie Programmierer erstellt, es wird interessant zu beobachten sein, ob Goldman Sachs eine Anpassung gelingt. An sich sollten Algorithmen aber heute schon in der Lage sein, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe oder Religion zu entscheiden, frei von Diskriminierung werden sie aber niemals. Die Zukunft ist eine individuelle Diskriminierung, die Big Data und Machine Learning erlauben: Der Kreditrahmen für eine bestimmte Person ist dann eingeschränkt, weil sie eben diese Person ist und nicht, weil sie der Prüfalgorithmus einer bestimmten Gruppe zuordnet.

Über die Apple Card in Deutschland brauchen wir uns im Jahr 2020 aber nicht den Kopf zerbrechen, im Bargeldland Deutschland sind Kartenzahlungen immer noch eine Seltenheit . Zumal die Apple Card im Wortsinne eine Kreditkarte ist: Man gibt mit ihr geliehenes Geld aus, das man sofort, später oder irgendwann in einer gewissen Stückelung zurückzahlt. In Deutschland ist es aber üblich, den auf der Kreditkarte aufgelaufenen Betrag am Ende des Monats auszugleichen, notorische Disponutzer bekommen von ihrer Bank eh keine Kreditkarte ausgehändigt.

Die Prognose zur Apple Card in Deutschland 2020 fällt daher recht leicht: Nein, noch lange nicht. Schon allein, wenn man bedenkt, dass Apple Pay vier Jahre bis zu seinem Start hier gebraucht hat und die großen Bankverbände der Sparkassen sowie der Volks- und Raiffeisenbanken noch ein weiteres Jahr, bis sie sich zögernd anschließen. Aber die lange Wartezeit auf Apple Pay hatte auch andere Gründe.

Apple Pay: Weitere Überzeugungsarbeit notwendig

In den meisten Ländern gibt es einige wenige Großbanken, die landesweit agieren. Mit denen mögen die Verhandlungen Apples auch nicht immer leicht gewesen sein, aber wenigstens war die Zahl der Verhandlungspartner übersichtlich. In Deutschland ist das anders, über 2000 lokale, regionale und landesweite Banken musste Apple ansprechen, einige davon sind in Verbünden organisiert, andere nicht. Mit dem Beitritt der Sparkassen und der Volks- und Raiffeisenbanken im Dezember hat Apple Pay einen wesentlichen Schritt nach vorne gemacht, aber es ist noch ein weiter Weg zu gehen. Vor allem bei den beiden großen Verbünden, deren Kunden bisher eine Kreditkarte benötigen, um an Apple Pay teilnehmen zu wollen. Und darüber hinaus auch noch sichere Authentifizierungsmethoden wie chipTAN oder pushTAN. Die TAN auf Papier hat ausgedient und smsTAN ist nicht sicher genug – an sich sollte man die Maßnahmen der Banken schätzen, sie bedeuten unter Umständen noch ein bisschen Mehraufwand. Ein Konto bei den diversen Onlinebanken wie boon, bunq oder N26 ist da schneller eingerichtet.

Ende November hat die Verabschiedung eines Gesetzes Apples Modell tangiert : Die Umsetzung der EU-Geldwäscherichtlinie sieht nach einer Änderung in letzter Minute nun vor, dass Apple seinen Bezahldienst auch Dritten zur Verfügung stellen muss. Das ist genau das, was VR-Banken und Sparkassen immer wollten, den NFC-Chip des iPhone für ihre Bezahldienstleistungen nutzen zu können. Im Jahr 2020 werden wir die Angelegenheit weiter beobachten, es ist aber recht unwahrscheinlich, dass Giropay und andere Bezahlmethoden auch tatsächlich schon auf dem iPhone erscheinen. Dagegen sprechen mehrere Gründe: Apple kann bestimmen, wie seine Infrastruktur zu nutzen ist, also wie bisher über die Wallet von iOS und die Sicherung per Secure Enclave. Dabei kann Apple auch das fällige Entgelt festlegen, von dem es im Gesetz nur heißt, es müsse "vernünftig" sein. Doch vor allem verstößt das Gesetz (noch) gegen EU-Recht, da keine Notifizierung erfolgt ist.

Mit der Uhr bezahlen - immer noch ein seltenes Bild.
Vergrößern Mit der Uhr bezahlen - immer noch ein seltenes Bild.
© Apple

Bis Ende des Jahres 2020 werden aber noch weitere Banken zu Apple Pay hinzukommen, die Prognose ist auch nicht zu gewagt, dass Apple seinen Dienst auf noch mehr Länder ausdehnen wird. In Lateinamerika und dem Nahen Osten bestehen noch Lücken, Europa ist sehr gut abgedeckt .

Apple Music: High End als großer Wunsch

Jetzt schon praktisch weltweit aktiv ist Apple mit Apple Music, mehr als 60 Millionen Abonnenten bedeuten schon jetzt eine gewaltige Marktmacht. Spotify liegt noch vorne, ob und wie Apple den Konkurrenten aus Schweden, der im Markt einen Vorsprung von gut sieben Jahren hat, ist die Frage, die uns 2020 umtreiben wird. Apple versucht es einerseits mit einer gewissen Exklusivität:  Zwar kann es sich kein Künstler leisten, seine Songs nur bei dem einen Dienst streamen zu lassen – pro Stream fallen nur Bruchteile von Cents ab, die Masse muss es daher machen. Doch lässt sich kaum jemand einen lukrativen Auftritt bei einem Award entgehen. Anfang Dezember hatte Apple erstmals seine Apple Music Awards vergeben und zu diesem Anlass die Sängerin Billie Eilish im Steve Jobs Theater auftreten lassen – eine Reverenz an den Massengeschmack. Denn auch Spotify kürte ihr Werk "When we fall asleep, where do we go?" zum Album des Jahres. Kaum denkbar, dass Apple Musik in höchster Qualität produziert, die dennoch weltweit die Kunden erfreut, wie es bei den Serien von Apple TV+ der Fall ist. Musik ist eben anders als Film.

Neue Serien und Staffeln

Apple TV+ ist unter großen öffentlichen Interesse an den Start gegangen, die ersten Serien kommen gut an. Weitere Staffeln sind geplant oder schon in Produktion, auch wird es 2020 jede Menge neues Serienfutter geben - vermutlich in der ersten Jahreshälfte und nach einer Sommerpause wieder ab Herbst.

Apples Streamingservice hat harte Konkurrenz: Den Marktführer Netflix natürlich, das Großkaufhaus Amazon, die Mediatheken öffentlich-rechtlicher und privater Sender und jetzt ist in den USA auch noch Disney+ an den Start gegangen und wird sicher auch nach Europa kommen.

Apple hat jedoch einen immensen Vorteil in seiner Reichweite. Apple TV+ kostet gerade einmal fünf Euro im Monat und die Konkurrenz kann nicht wirklich schrecken. Denn Apple bindet die Angebote Dritter geschickt in seine TV-App ein, der eigene Sender ist nur einer von vielen. Und wer über Apple einen zusätzlichen Streamer ordert, spült weitere Dollars in Cupertinos Kassen.

Unter anderem auf folgende neue Serien, Filme und Dokumentationen darf man sich 2020 freuen:

  • The Banker (derzeit ungewiss)

  • Oprah Winfrey mit zwei Dokumentationen zu mentaler Gesundheit und sexuellem Missbrauch in der Musikindustrie

  • Amazing Stories nach Steven Spielberg (längst angekündigt)

  • Slow Horses (Spionagethriller mit Gary Oldman)

  • Foundation (nach Isaac Asimov)

  • Little America

  • False Falg

  • Masters of the Air

Doch jagt Apple nicht nur Spotify hinterher, sondern sieht sich weiterer Konkurrenz ausgesetzt. Da wäre vor allem Amazon mit seiner Flatrate Music Unlimited HD, die Musik in hoher Auflösung anbietet. Apple hat mit Apple Lossless selbst einen Codec im Angebot, doch liegen die Titel in Apple Music in AAC vor – auch ein starker Codec, aber auf guten Lautsprechern hört man mit guten Ohren die Unterschiede.

High-End-Klang für verwöhnte Ohren: Ein Vorbild für Apple?
Vergrößern High-End-Klang für verwöhnte Ohren: Ein Vorbild für Apple?
© Amazon

Und da Homepod und Airpods (Pro) ohne Zweifel gute Lautsprecher sind, mit denen man auch Flöhe husten hören könnte, wenn Aufnahme und Wiedergabe gut genug waren, läge ein Angebot wie Apple Music+ durchaus nahe. 15 Euro statt 10 Euro für Einzelne und 20 Euro für die Familie, dafür würde Apples Kernzielgruppe sicher zahlen. Zumal ja jetzt auch die Lautsprecher des neuen Macbook Pro 16 Zoll verdammt viel taugen .

Alles in einem Paket

Da wir schon bei Amazon als Konkurrenten waren: Apple könnte sich auch am Bündeln von Services ein Beispiel nehmen. Cupertino müsste das dann aber besser machen als der Versandhändler, bei dem man leicht mal den Überblick verlieren kann. Gut, bei Amazon Prime, dessen Versandkostenpauschale kein Äquivalent bei Apple findet, ist der Videodienst Prime Video dabei. Und Prime Music mit einem eingeschränkten Angebot. Kann man aber aufstocken, auf Wunsch sogar mit hochauflösender Musik – siehe oben. Dann gibt es da auch noch Prime Reading und Audible im Paket, mal ohne Aufpreis und mal mit. Und der richtet sich danach, ob man Prime-Mitglied ist, oder nicht. Prime kann man auch in der Familie teilen, aber nur, was die Freiheit von Versandkosten betrifft, die natürlich nicht für alle Artikel gilt. Mit einem Wort: Amazons Dienste sind keineswegs nach dem von Apple definierten "Ease of use" gebündelt. Kann es Apple selbst aber besser?

Service, gebündelt. Ease of Use nicht vernachlässigen.
Vergrößern Service, gebündelt. Ease of Use nicht vernachlässigen.
© shutterstock, Vector Goddess

Bloomberg ist der Ansicht , dass Apple das ab Frühjahr 2020 zumindest versuchen werde. Beliebig komplex ist Apples Angebot ja schon, aber was spräche gegen eine Medienflatrate mit News, Music und TV+? Zunächst einmal die an Apple News+ angeschlossenen Verleger, denn es ist kaum anzunehmen, dass der Preis von "Apple Prime" größer oder wenigstens gleich der Summe aus den bisherigen Angebotspreisen ist. Apple stehe mit den Medienhäusern in Verhandlungen. Hinzu kommen könnte noch zusätzlicher Speicherplatz in der iCloud, für eigene Inhalte wie Fotos und Videos.

Apple Arcade: Spieleflatrate

Wie viele Abonnenten Apple bereits für seine Spieleflatrate Apple Arcade gewonnen hat, verrät der Konzern nicht. Womöglich kann man Ende Januar aus der Bilanz für das Dezemberquartal aber erste Schlüsse ziehen. Fünf Euro für den Zugriff auf rund 100 Spiele, die meist recht gut gefallen, aber die ein oder andere Schwäche bei der Steuerung haben, solange man sie nicht an Mac, iPhone, iPad oder Apple TV mit einem Controller spielt - das ist ein Angebot, das man leicht mitnehmen kann. Im Lauf des Jahres 2020 werden weitere Titel hinzukommen, sofern Entwickler hier auch mehr Chancen als Risiken sehen. Sollte sich das Abo für Spiele für Entwickler, Kunden und auch Apple lohnen, wäre eine Ausweitung auf andere Bereiche des App-Universums denkbar, MacPaw hat das mit seiner Flatrate für Mac-Software  Set App bereits vorgeführt.

Seit acht Jahren stellt Apple mickrige 5 GB gratis bereit, 2 TB kosten akzeptable 10 Euro im Monat, aber in einem Apple-Service-Paket könnte das Upgrade günstiger kommen. Für die Apple Card schließlich könnten Kunden von Apples Servicepaket noch besondere Konditionen bekommen – wohl keine größeren Kreditrahmen und günstigere Zinsen, denn darüber bestimmt Goldman Sachs, aber höhere Rückzahlung speziell beim Erwerb von Apple-Produkten oder bei Zahlungen über Apple Pay wären denkbar.

Das Servicepaket wird kommen, dessen sind wir recht sicher. Die Frage wird nur sein, wie Apple die Sache ausgestaltet und ob es Cupertino gelingt, die Komplexität zu verringern.

Service für das Heim

Mehr iCloud-Speicher ist immer eine gute Idee, vor allem wenn man bedenkt, dass macOS auf Wunsch hin Schreibtisch und Dokumentenordner über seine Server von Mac zu Mac mit gleicher Apple ID teilt. Die schon im Juni 2019 angekündigte Möglichkeit, Ordner über iCloud auch an andere freizugeben , bringt Apple in Konkurrenzsituation mit Dropbox und anderen, nur eben mit besserem Datenschutz. Wenn womöglich mit macOS 10.16 im Herbst noch Time Machine für iCloud kommen sollte, sind 2 TB schon recht wenig, weitere Stufen oder der Ausbau der bestehenden unerlässlich.

Noch einen relevanten Einsatzzweck bietet die iCloud seit iOS 13 und macOS Catalina: HomeKit Secure Video . Die Idee: Hersteller von IP-Kameras speichern die von ihnen erstellten Aufnahmen nicht lokal, von wo sie aus mitsamt Kamera und Speichermedium und dem restlichen Hausrat abhanden kommen könnten, sondern in der Cloud. Zweiter Vorteil: Man hat auch von außen stets Zugriff auf die Fotos und Videos. Macht im Prinzip ein jeder Hersteller – immer wieder fragt man sich als Kunde aber: Sind die Daten auf den Servern des Anbieters sicher? Wo stehen die Server überhaupt, welchen Datenschutzregeln folgen sie?

Das Vertrauen, dass Apple mit den sensiblen Daten sorgsam umgeht, ist groß . Doch hat bisher nur ein einziger Hersteller – Logitech – mit einem Modell dieses Angebot angenommen. Klar, die anderen wollen sich das Geschäft nicht entgehen lassen. Denn mit der Vermietung von Cloudspeicher verdienen sie auch nach dem Verkauf der Kamera noch Geld, warum sollten sie das Geschäft also Apple überlassen? Wenn Apple HomeKit Secure Video ernsthaft etablieren wollte, müsste es einen Hersteller von IP-Kameras aufkaufen oder zumindest eng mit ihm kooperieren. Sonst wird der Dienst ein Rohrkrepierer.

Die gleiche Gefahr droht auch dem Prinzip HomeKit-Router. Auch hier ist die Idee brillant: Höchste Sicherheitsstandards à la Apple schon im zentralen Internetgerät im Haushalt. Nie wieder veraltete Firmware für die angeschlossenen Geräte, Sicherheitslücken schnell geschlossen. Wir wollen ja nicht, dass versierte Hacker unsere Haustür öffnen, weil der Kühlschrank kein Update laden kann. Nur ist es bei Ankündigungen bisher geblieben, das sollte sich 2020 ändern. Es rächt sich womöglich, dass Apple sein Geschäft mit Airport-Hardware aufgegeben hat.

5G – Apple nur ein Kunde

Pflegt man wie der US-Präsident ein einfaches Weltbild, ist die Sache klar: Huawei ist böse, 5G-Infrastrukturen muss daher Apple bauen. Die haben das Geld, die Leute und das Talent,  um das zu schaffen. Es ist nicht überliefert, ob Tim Cook noch Nackenschmerzen vom Kopfschütteln hat oder auf seiner Stirn noch Abdrücke seiner flachen Hand erkennbar sind, aber die Antwort auf das Ansinnen des POTUS muss lauten: Nein, nein und nochmals Nein.

Gewiss sind Mobilfunkinfrastrukturen im höchsten Maße sicherheitsrelevant und Misstrauen gegenüber der Volksrepublik China und der von dort stammenden Unternehmen angebracht, es gibt aber andere Maßnahmen, um Netze gegen feindliche Spionage sicher zu machen. Zumal man auch nur leise ahnen darf, welche Drittstaaten welchen Einfluss auf das Weiße Haus haben.

Apple wird schon seit Beginn der mobilen Ära nachgesagt, ein eigenes Funknetz aufbauen zu wollen. Bisher ist nichts dergleichen geschehen und es ist völlig absurd zu denken, Cupertino könnte im kommenden Jahr die Technologie für 5G bereitstellen, am Besten noch landesweit. Im Gegenteil wird Apple nur die allmählich aufgebauten Strukturen als Kunde nutzen.

Und wenn Trumps Hintergedanke war, nicht die Chinesen sollten Mobilfunknutzer und die Industrie ausspionieren dürfen, sondern die Behörden der USA, da hätte er sich bei Apple ohnehin kräftig geschnitten. Macphisto

Das Thema Router ist allerdings komplex: Der Router-Zwang ist zwar aufgehoben und nicht nur die von den Providern vermieteten Geräte holen sich die Zugangsdaten selbständig, sondern auch Fritzbox und Co. Was Apples Airport-Hardware aber fehlt, müsste ein sicherer Apple-Router an Bord haben: Ein Modem. Nur ist die Technik hier im Internetneuland eine ganz andere als in Apples Heimat, Apple müsste die unterschiedlichsten Lösungen anbieten. Da fallen Kooperationen mit etablierten Herstellern und Zulieferung der Software bedeutend leichter.

Sound für daheim

Ein anderer Konkurrent könnte Apple aufzeigen, wie man das mit der Heimvernetzung hinbekommt. Google, respektive Nest, koppelt nun den smarten Lautsprecher mit einem Meshgerät . Auf jedem Stockwerk einen Homepod Mini mit seinem feinen Sound, der gleichzeitig das Signal vom Router im Keller im ganzen Haus verteilt, das hätte etwas. Vor allem, wenn das Apple TV am Fernsehapparat im Wohnzimmer in gleicher Weise agiert. Die Herausforderung an Siri: Der digitale Assistent müsste wissen, welche Instanz angesprochen ist. Auf Apple Watch, iPhone, Apple TV, Homepod (Mini), Airpods? Vielleicht braucht es allein dafür schon einen Apple-Router.

Neue Allianz für das smarte Heim

Interessant zu beobachten sein dürfte im Jahr 2020 aber die CHIP-Entwicklung. Also die jenes Standards, den Apple, Amazon, Google und die Zigbee-Allianz noch Ende Dezember 2019 auf den Weg gebracht haben . Die Idee dahinter: Die Kunden sollen all ihre Smarthome-Geräte miteinander verbinden können, egal, ob sie für Apples HomeKit, Amazns Echo oder Googles Home-Ökosystem gebaut wurden oder sich auf den Zigbee-Standard verstehen. Das schlaue Heim soll sich somit besser vernetzen können, Kunden sind nicht mehr darauf angewiesen, Geräte nur noch eines Standards zu nutzen. Connected Home over IP, wofür die Abkürzung CHIP steht, soll Open Source sein und vor allem auf das ebenso offene und sehr weit verbreitete IP-Protokoll aufbauen. Einen ersten Draft des Standards wird es im Laufe des Jahres 2020 geben, dann sollten auch erste Geräte miteinader kommunizieren und etwa der Homepod die Zigbee-Lampe ausschalten können.

Gesundheit

Die Apple Watch rettet Leben – wir kennen die Berichte von überraschend festgestellten Herzschwächen und Notrufen, die die Watch nach Stürzen selbständig tätigte. Die Uhr hat noch weiteres Potential, seit watchOS 6 kann sie vor zu lauten Umgebungen warnen, Frauen können mit Hilfe der Health App und ein paar schnellen Tipps auf dem Handgelenk einen Menstruationskalender führen. Erstaunliches Potential besteht darüber hinaus: Es gibt die Technologie, um mit spektroskopischen Methoden den Blutdruck und sogar den Blutzucker zu vermessen – und das (nahezu) in Echtzeit. Das muss Apple "nur noch" in ein Produkt packen, ob und wann das gelingt, ist aber völlig offen. Schon jetzt ist aber die Apple Watch ein Gerät, von dem man sich vorstellen könnte, es auf Krankenschein zu bekommen. Sorgen, dass die Kasse einen auf diese Art und Weise ausspionieren könnte, sind unbegründet. Die Daten, die die Apple Watch sammelt, werden in der Health App sicher verwahrt, das Processing geschieht zu großen Teilen direkt auf der Uhr oder dem iPhone. Der Patient, pardon, Kunde, bestimmt allein, mit wem er die Daten teilt. Mit dem Hausarzt, den Spezialisten, den Forschern der klinischen Studie oder am Ende eben doch mit der Krankenkasse, um Rabatte zu erhalten.

Letzteres ist aus Sicht des Gedankens der solidarischen Krankenkasse aber auch fatal: Gesunde zahlen für Kranke, in der berechtigten Hoffnung, selbst im Krankheitsfall von Gesunden die notwendigen Maßnahmen zur Genesung bezahlt zu bekommen. "Schau her, liebe Kasse, die Apple Watch beweist, dass ich mich viel bewege, mich gesund ernähre und auch sonst alles in Ordnung ist, also zahle ich weniger oder gleich gar nix!" – das ist ein Ansatz, der dem Gedanken der Solidarität widerspricht. Aber in den USA vermutlich gut angenommen wird. Und dort ist das Gesundheitswesen vor allem ein Multimilliardengeschäft, für Apple eine potentielle Goldgrube. Cupertino denkt aber global, so ist es zwar durchaus denkbar, dass Apple neben den zahlreichen Gesundheitsstudien mit US-Universitäten auch weitere Dienstleistungen rund um Gesundheit auflegen wird, und sei es, dass die Apple Watch als Abschlussprämie zu einer Versicherung ausgegeben wird. Eine Versicherung wie Apple Health Care+ wird es so schnell aber nicht geben, nicht einmal in den USA.

Fazit

Im Jahr 2020 baut Apple seine Services weiter aus und wird sie ab Frühjahr zumindest in Teilen zu einem Paket zusammenführen, an dem man als Apple-Kunde kaum wird vorbei können. Das smarte Home und das Gesundheitswesen bleiben eine Herausforderung, mit Apples hohen Ansprüchen an die Sicherheit ist das Vertrauen der Kunden gerade aber in diesen sensiblen Bereichen sehr groß. Aufgrund der Komplexität von Gesundheits- und Finanzwesen werden wir hierzulande aber erst einmal weniger davon haben.

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