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"Tim Apple": Trump trotzig auf Twitter

12.03.2019 | 09:30 Uhr | Peter Müller, Halyna Kubiv

Anstatt einen verzeihlichen Versprecher mit Humor und Selbstironie zu nehmen, beruft sich der POTUS auf alternative Fakten.

Update vom 12. März 2019:  Er kann's nicht zugeben, dass er sich verhaspelt hat – Donald Trump liefert auf Twitter eine weitere Erklärung zu "Tim Apple" ab. Er wollte auf "Tim Cook von Apple" als "Tim / Apple", respektive "Tim + Apple" Bezug nehmen, um Zeit und Worte zu sparen, heißt es nun. Die "Fake News" hätten aber wieder mal eine große Geschichte daraus gemacht. Interessanter Weise wird diese kleine, an sich unwichtige Geschichte mit jeder Ausflucht und Lüge noch eine Nummer größer. Schon die Pressestelle des Weißen Hauses hatte in der Niederschrift der Rede zwischen "Tim" und "Apple" einen Gedankenstrich gesetzt, für den es an sich keinerlei phonetische Rechtfertigung gibt – und der zudem der Behauptung des Zeit sparen Wollens diametral gegenüber steht. Vorgestern hatte Trump noch behauptet, er habe "Tim Cook Apple" gesagt, das "Cook" sei nur zu leise gewesen. Wir sind mal gespannt, was die nächste Behauptung ist. Trump könnte etwa postulieren, dass der Herr aus Alabama in der Tat "Apple" hieße und bei "Cook" arbeite. Aber das wäre dann ein veritables Reality Distortion Field, das bekommt er wohl nicht hin. Meister darin war Steve App..., pardon, Steve Jobs, der verstorbene Gründer Apples.

Update vom 11. März 2019: Man könnte gewissermaßen behaupten, der POTUS 45 lüge wie gedruckt, doch würde man so in das gleiche Horn stoßen, das der Präsident nutzt, um die freie Presse zu desavouieren – und damit die Demokratie auszuhöhlen. Es scheint eher so, dass manche Zeitungen und einige TV-Sender im Sinne des Präsidenten lügen wie getrumpt – mittlerweile versucht sich der POTUS darin, die wahrheitsgemäße Berichterstattung des größten Teils der Presselandschaft selbst wider jedwede Beweisbarkeit als "Fake News" zu schmähen.

So ordnet er auch seinen Versprecher "Tim Apple" der letzten Woche ein, bei einer Spendengala in seinem Golf-Club in Mar-a-Lago in Florida. Dort behauptet er vor Freunden und Gönnern der Republikaner, er hätte "Tim Cook Apple" gesagt, aber so schnell, dass der Teil "Cook" eben kaum zu hören gewesen sei. Nun hat der Präsident wesentlich schwerwiegendere Lügen verbreitet, die ihm seine Anhänger auch noch glauben, der Lapsus Linguae scheint aber an seiner Eitelkeit zu rühren.

"Warum lügt er darüber, wenn das nicht einmal wichtig ist," zitiert Axios einen Gast der Veranstaltung . Selbst der falsch benannte Apple-CEO hatte den Versprecher mit Humor genommen und sich auf Twitter vorübergehend als Tim Apple bezeichnet. So richtet Trump nun selbst der Glaubwürdigkeit gegenüber seinen Unterstützern Schaden an.


Update vom 8. März 2019: Souverän: Seit dem Versprecher des POTUS 45 quillt das Internet über vor Memes rund um Tim Apple und seine Mitstreiter wie Angela Stores, Eddy Internet oder Luca Money. Der Apple-CEO selbst, der nicht wie seine Firma heißt, in der er aber eher Koch als Kellner ist ( Dabei haben wir an der Journalistenschule doch gelernt: Keine Namenswitze! Anm. d. Red. ) reagiert nun auch souverän und humorvoll auf den Faux pas des Präsidenten. Bei Twitter änderte Tim Cook seinen Namen zu Tim . Im offiziellen Transkript der Ansprache des Präsidenten versucht sich das Weiße Haus mal wieder an alternativen Fakten und setzt an eine entscheidende Stelle einen Gedankenstrich, der das gesprochene Wort im Sinn verändert: "We appreciate it very much, Tim – Apple."

Ursprüngliche Meldung vom 7. März 2019: Wer viel spricht, begeht auch viele Fehler der Art Lapsus Linguae , das ist soweit keine Nachricht. Interessant ist es aber dennoch, wie US-Präsident Donald Trump den CEO des Mac-Herstellers kürzlich nannte: Tim Apple. Zu seinem neuen Namen kam Tim Cook anlässlich der Ansprache des POTUS 45 am Advisory Round Table, seinem Beratergremium im Weißen Haus ( Youtube-Übertragung , Min 27:25). Trump lobte Cook und sein Unternehmen dafür, im Ausland gelagertes Geld unter für Apple erträglichen Steuern in das Land zurück geführt zu haben, um dort zu investieren, ganz im Sinne des "America first"-Gedankens. "Das gefällt uns sehr gut, Tim Apple," sprach Trump im Namen seiner Regierung oder gar im Pluralis Majestatits. Das wäre dann aber gleich ein zweiter, tief blicken lassender Lapsus gewesen.

Im Allgemeinen scheint die Rede des Präsidenten schlecht vorbereitet zu sein und gleicht eher einer Stammtischunterhaltung: Die Auseinandersetzung mit Mexikanern dauere seit Millionen Jahren (28:20 im Video), seitdem aber die südliche Grenze besser bewacht ist, habe die USA das beste Jahr im Hinblick auf Mord- und Totschlag-Zahlen gehabt (29:06 im Video). Im Vergleich dazu ist "Tim Apple" noch wirklich harmlos.

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