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Türöffner für Malware: Federighi warnt vor EU-Gesetz

04.11.2021 | 12:40 Uhr |

Die EU will Apple und Co. dazu zwingen, Ihre Plattformen offener für externe Software-Quellen zu öffnen. Craig Federighi sieht darin eine Gefahr für die Integrität der Geräte, denn sie seien damit deutlich anfälliger für Schadsoftware. Doch auch finanzielle Interessen stehen im Raum.

Ein Gesetzesentwurf der EU soll Unternehmen wie Apple, Google und Meta (ehemals bekannt als Facebook) dazu zwingen, ihre Online-Plattformen für Drittanbieter zu öffnen. Im Falle Apples hieße das konkret, auf dem iPhone und iPad die Installation von Software auch außerhalb des App Stores zuzulassen. Auf dem globalen Tech-Event "Web Summit" äußerte sich Craig Federighi kritisch zu dem Vorhaben. Die EU würde damit "Pandoras Büchse" öffnen und Millionen Geräte anfälliger für Schadsoftware machen.

Das EU-Gesetz mit dem Namen "Gesetz über digitale Märkte" soll vor allem den Verbrauchern zugutekommen, indem es die Monopol-Stellung der Plattform-Anbieter außer Kraft setzt. Apple wäre davon besonders betroffen. Software-Entwickler, die Apps für das iPhone oder iPad anbieten möchten, können diese bislang nur über Apples App Store anbieten. Dafür muss zuerst ein Freigabe-Verfahren durchlaufen werden, indem die Software auf Malware und die Übereinstimmung mit Apples Software-Richtlinien überprüft wird. Anschließend können die Apps über den App Store distribuiert werden, für den entstehenden Umsatz wird allerdings eine Gebühr an Apple fällig, deren Höhe von verschiedenen Faktoren abhängig ist. Im Höchstfall müssen 30 Prozent des Umsatzes an Apple abgetreten werden. Dass eine Gebühr fällig wird, ist zunächst nicht ungewöhnlich, schließlich stellt Apple die Plattform zur Verfügung, durch die natürlich auch Kosten entstehen. Viele App-Entwickler kritisieren aber die Höhe der Abgabe.

Das EU-Gesetz würde Apple dazu verpflichten, sogenanntes "Sideloading" zu ermöglichen, also das Herunterladen und Installieren von Software über Drittanbieter. Bei Nichteinhaltung der Vorschriften drohen Unternehmen Strafen in Höhe von bis zu zehn Prozent des jährlichen globalen Umsatzes. Software-Entwickler könnten ihre Apps also über die eigene Website zum Download anbieten und müssten für den generierten Umsatz keine Gebühr an Apple zahlen. Gleichzeitig entfällt der Schutz vor Schadsoftware, da keine zentrale Überprüfung mehr stattfindet.

Genau davor warnt Federighi und nennt dabei Google als konkretes Beispiel. Das Smartphone-Betriebssystem Android lässt seit jeher die Installation von Quellen außerhalb des Google Play Stores zu, unerfahrene Nutzer können so aber deutlich einfacher Schadsoftware auf ihrem Gerät installieren. Federighi argumentierte, dass technisch versierte Nutzer zwar Malware erkennen könnten, ihre Kinder oder Eltern aber auf solche Software hereinfallen könnten.

"Tatsache ist, dass ein kompromittiertes Gerät, einschließlich eines Mobiltelefons, eine Bedrohung für ein ganzes Netzwerk darstellen kann", so Federighi. "Malware in heruntergeladenen Apps kann Regierungssysteme gefährden, Unternehmensnetzwerke und öffentliche Versorgungsunternehmen beeinträchtigen – die Liste ist endlos."

Apple wehrt sich seit jeher gegen jeden Versuch, das iPhone als Plattform für Software von Drittanbietern außerhalb des App Stores zu öffnen. Das Thema ist dabei sehr komplex. Apples Argumentation, die Integrität des iPhones und den Schutz vor Schadsoftware zu gewährleisten, ist dabei sicher ein legitimes Argument. Schließlich wird das iPhone intensiv damit beworben, eine sichere Plattform zu bieten und die Daten der Kunden zu schützen. Gleichzeitig stehen auch deutliche finanzielle Interessen hinter Apples Vorgehen. Der App Store hat allein im Jahr 2020 rund 72 Milliarden Dollar Umsatz generiert.

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