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Tweets über Sexismus in Cupertino: Apple-Managerin beurlaubt

05.08.2021 | 15:00 Uhr | Thomas Hartmann

Apple hat seine Senior Engineering Program-Managerin Ashley Gjøvik nach eigener Aussage für unbestimmte Zeit beurlaubt, nachdem sie sich in einem Tweet über Sexismus im Büro beschwert hatte.

Dies berichtet "The Verge" . Demnach untersucht der Konzern in Cupertino derzeit die Anschuldigungen von Gjøvik über ein feindliches Arbeitsumfeld. Die Apple-Mitarbeiterin informierte dem Bericht zufolge ihre Kolleg:innen per Abwesenheitsmitteilung darüber, dass das Team für Arbeitnehmerbeziehungen (Employee Relations Team) sie auf unbestimmte Zeit in bezahlten Urlaub geschickt habe.

Laut ihren in dem Artikel zitierten Aussagen hat Ashley Gjøvik sich über Monate immer wieder an das Team für die Angestellten bei Apple gewandt und diesen ihre jahrelangen Erfahrungen mit Sexismus, einem feindlichen Arbeitsumfeld, sexueller Belästigung, unsicheren Arbeitsbedingungen und sogar Vergeltungsmaßnahmen geschildert. Daraufhin habe man ihr ein EAP (Employee Assistance Program) , eine Art psychologischer Beratung für Mitarbeitende, angeboten sowie die Freistellung aus medizinischen Gründen. Dies lehnte die Managerin ab und schlug im Gegenzug ein Gespräch mit ihren Vorgesetzten vor sowie eine Supervision in dieser Angelegenheit. Notfalls würde sie bezahlten Verwaltungsurlaub (administrative leave) nehmen.

Während Untersuchung in Urlaub geschickt

Das Employee Relations Team wollte sich den Aussagen von Gjøvik zufolge darauf aber nicht einlassen, sondern beabsichtigte sie umgekehrt in den Verwaltungsurlaub schicken und aus dem internen Kommunikationssystem Slack auszuschließen, wo sie sich über ihre kritische Einschätzung über bestimmte Richtlinien der Firma geäußert hatte.

Sie solle sich auch nicht persönlich im Unternehmen mit anderen Frauen darüber unterhalten, die ähnliche Bedenken über Apples Richtlinien hatten, heißt es in dem Zitat weiter.

Laut "Verge" ist dies das zweite Mal, dass Apple Gjøviks Behauptungen über sexuelle Diskriminierung im Konzern in Cupertino untersucht habe. Das Team für Mitarbeiterbeziehungen schloss demnach eine frühere Untersuchung ab und kam angeblich zu dem Resümee, dass nichts falsch war. Daraufhin twitterte Gjøvik Twitter-Screenshots, die ihr zufolge nur einen kleinen Teil dessen zeigen, was sie in diesem Zusammenhang erlebt habe. Dabei ist unter anderem ein Zitat aus der "New York Times" enthalten, die durch Interviews ähnliche Vorkommnissen bei Google andeutet.

"The Verge" betont, das Apple sich derzeit mit weiteren Vorwürfen konfrontiert sieht, darunter von mehreren Frauen, die ebenfalls in Tweets ihre Unzufriedenheit mit der Unternehmenskultur öffentlich gemacht haben. Mitarbeitende von Apple forderten bereits im Mai in einem Brief, dass eine Untersuchung der Einstellung von Antonio García Martínez vorgenommen würde, der ein Buch über das Silicon Valley mit Beschreibungen von Frauen geschrieben hatte, die viele als beleidigend empfanden. In diesem Fall reagierte Apple schnell und im Sinne der Frauen: Wenige Stunden später wurde García Martínez demnach entlassen .

Apple reagierte "The Verge" zufolge bislang sofort auf eine Anfrage des Magazins mit der Bitte um eine Stellungnahme.

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