2453071

USB4: Begrenzte Kompatibilität mit Thunderbolt 3

04.09.2019 | 13:21 Uhr | Stephan Wiesend

Auf den ersten Blick könnte man das neue USB4 mit Thunderbolt 3 verwechseln, es gibt aber einige Unterschiede und die Kompatibilität ist begrenzt.

Das USB Implementers Forum hat jetzt die endgültigen Spezifikationen des kommenden USB-Standards USB4 veröffentlicht, für Nutzer von Thunderbolt 3 gibt es hier leider einige Enttäuschungen. Auf den ersten Blick gibt es viele Parallelen zu Thunderbolt: Das Konsortium USB IF setzt auf eine USB-C-Schnittstelle, es wird die maximal mögliche Datenrate von 20 Gbps (Gen 2 x3) von USB 3.2 nun auf 40Gbps verdoppelt. Die Schnittstelle kann unter anderem auch den Anschluss von Displays (Display Port Alt Mode) und das Aufladen von Geräten ermöglichen.

Ob der so genannte Host Thunderbolt 3 unterstützt, bleibt dem Hersteller überlassen.
Vergrößern Ob der so genannte Host Thunderbolt 3 unterstützt, bleibt dem Hersteller überlassen.
© USB IF

Thunderbolt-Kompatibilität

Wie die Spezifikation jetzt festlegt, ist die Kompatibilität mit Thunderbolt-Geräten aber nur optional, sowohl für Hosts (z.B. PCs) und  Peripheriegeräte. Wie das Konsortium schreibt: „A USB4 host or USB4 peripheral device can optionally support interoperability with Thunderbolt 3 (TBT3) products“. Die Kompatibilität bleibt also den Geräteherstellern vorbehalten. Ursprünglich sollte Thunderbolt 3 komplett integriert werden, dies wurde aber zurückgenommen. Ursache war offenbar, dass man nicht allen Herstellern den Aufwand zumuten wollte, den eine komplette Unterstützung von Thunderbolt 3 bedeuten würde – etwa Smartphone-Herstellern.

Thunderbolt 3 und USB-C: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

USB4-Hubs und -Docks

Vorgegeben ist Thunderbolt-3-Unterstützung aber zumindest für USB4-Hubs und -Docks, diese müssen das Protokoll unterstützen. Diese Hubs müssen zudem weitere Vorgaben erfüllen, etwa zwingend die volle Geschwindigkeit von 40 Gbps unterstützen, einen PCIe-Switch bieten und an jedem Port DisplayPort-Signale ausgeben. Kleine technische Unterschiede gibt es ebenfalls, so ist die Weitergabe von PCIe-Paketen für die Geräte nur optional, anders als bei Thunderbolt 3. Auch Daisy-Chaining – der Betrieb mehrerer Geräte in einer Kette – ist bei USB4 nicht vorgesehen, nur eine Baumstruktur per Hub. In der Praxis bedeutet das nach unserer Einschätzung: Schließt man eine Thunderbolt-3-Festplatte an einen kommenden Rechner mit USB4 an, ist die Kompatibilität ohne nähere Angaben des Herstellers ungewiss, ebenso die Kompatibilität einer eGPU. Wird das Laufwerk unterstützt, ist außerdem die Leistung unter Umständen reduziert.

Neue Notebooks und Peripheriegeräte mit der neuen Schnittstelle werden noch etwas auf sich warten lassen. Die Fülle an USB-Standards wird aber erst einmal noch verwirrender: So erschien erst seit kurzem der neuen Standards USB 3.2 (Gen 2 x 2), für den gerade erste Geräte auf den Markt kommen, etwa die WD Black P50. Hier werden erstmals per USB-C bis zu 20 Gbit/s erreicht oder in der Praxis knapp 2000 MB/s.

Fazit: Es wird noch einige Zeit dauern, bis sich der neue Standard durchsetzt. Vor allem für Hersteller von Peripherie ist der neue Standard interessant, allerdings wird Apple wohl weiterhin bei seinen Geräten auf Thunderbolt 3 setzen – wie beim kommenden Mac Pro.

Macwelt Marktplatz

2453071