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Verklag’ mich doch!

24.01.2009 | 00:00 Uhr

Verklag’ mich doch!

Quicktime, weit mehr als ein Player.
Vergrößern Quicktime, weit mehr als ein Player.

Nein, Quicktime ist weit mehr als der Quicktime-Player, Quicktime ist eine komplette Multimedia-Architektur für Mac-OS (X) und mittlerweile auch Windows mit Framework, Programmierschnittstellen und Dateiformaten. Die EU-Kommission hätte vielleicht dem Markt die Entscheidung über das Format der Wahl lassen sollen, anstatt Microsoft zu zwingen, Windows auch ohne Windows Media zu verkaufen - zum gleichen Preis wie "mit". Denn auch iTunes setzt auf Quicktime, die von Youtube für iPhone, iPod Touch und Apple TV kodierten Filme stehen im Quicktime-Format H.264 bereit. Selber schuld, wer heute nur Windows Media oder Real Media verwendet.

Auch aus dem professionellen Umfeld ist Quicktime nicht weg zu denken, in Musik- und Videoproduktion setzen Programme wie Logic oder Final Cut Pro auf Quicktime. 1991 wurde die Welt also bunt und klangfarbenreich.

Die vier Pilzköpfe. Mittlerweile sind aller Solowerke im iTunes Store erhältlich, der Beatles-Katalog fehlt aber weiterhin.
Vergrößern Die vier Pilzköpfe. Mittlerweile sind aller Solowerke im iTunes Store erhältlich, der Beatles-Katalog fehlt aber weiterhin.

Allerhand Unsinn kann man mit Farbe und Ton am Mac natürlich schon anstellen, versuchen Sie doch etwa einmal, sich von Ihrem Rechner die eingegangen iChat-Nachrichten vorlesen zu lassen. Zum Kringeln, diese amerikanischen Computerstimmen! Sinnvoll ist es sicherlich, diversen Aktionen wie eingehender Mail oder aufpoppenden Fehlermeldungen Klänge zuzuordnen. Mit System 7 führte Apple 1991 etwa den Systemklang "Sosumi" ein, kurz für "So sue me!" - "Verklag mich doch!" Wie Steve Jobs erst 2006 zugab, benannte er seine Firma bewusst nach dem Plattenlabel der Beatles, Apple Records. Als Briten waren diese jedoch "not amused", gewährten den jungen Kaliforniern aber die Markenrechte für den ausschließlichen Gebrauch im IT-Markt - Musik und Computer, das passte damals nicht zusammen. Mit System 7 änderte sich das radikal, erlaubte das System doch die Aufnahme eigener Systemklänge. Zuvor hatte Apple schon einige Musikhardware und -software veröffentlicht, die Beatles klagten, weil sie den Sinn der Vereinbarung verletzt sahen. Im Oktober 1991 einigte man sich in einem Vergleich, in dessen Rahmen Apple 26,5 Millionen US-Dollar zahlte. Frech schmuggelte man einen Xylophon-Dreiklang unter die Systemtöne und erklärte offiziell "Sosumi" hieße auf japanisch "fehlende Musikalität". Erst mit dem iPod und iTunes brandete der Streit erneut auf, um 2006 endgültig geschlichtet zu werden.

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