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Versteigerung der UMTS-Lizenzen

31.07.2000 | 00:00 Uhr |

Das Pokerspiel um die Versteigerung der UMTS-Lizenzen hat in Mainz begonnen. Glaubt man Insidern, haben die Deutsche Telekom und D2/Mannesmann die besten Karten in der Hand.

In Mainz versteigert heute die dem Bundeswirtschaftsministerium unterstellte Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post die neuen Handy-Mobilfunklizenzen. Um
die Konzessionen bewerben sich sieben in- und ausländische Konsortien
und Unternehmen. Mit dem neuen Mobilfunkstandard UMTS können Kunden
ab 2002 mit hoher Geschwindigkeit Daten per Handy übertragen und im
Internet surfen. Um die vier bis sechs Lizenzen erwarteten Experten
ein hartes Bietergefecht und Auktionserlöse in zweistelliger
Milliardenhöhe.

Die Einnahmen fließen in die Staatskasse. Bundesfinanzminister
Hans Eichel will die Versteigerungserlöse zur Schuldentilgung
verwenden. Den jeweils aktuellen Stand des Bietergefechts will die Regulierungsbehörde auf ihrer Website unter der Adresse www.regtp.de veröffentlichen, der Server scheint jedoch derzeit (Montag vormittag) dem großen Ansturm nicht gewachsen zu sein.

Die sieben Bewerber im Profil

DEUTSCHE TELEKOM: Die Mobilfunktochter T-Mobil (D1) ist der einzige
rein deutsche Bewerber. Konzernchef Ron Sommer kann sich keine
Schlappe erlauben. Das Unternehmen, das ohne Partner antritt, hatte
in Großbritannien über die Tochterfirma One2One eine UMTS-Lizenz
ersteigert, war in Spanien aber leer ausgegangen. T-Mobil gilt als
gesetzt.

MANNESMANN MOBILFUNK: Eine UMTS-Lizenz ist für den deutschen
Marktführer (D2) ebenfalls ein Muss. Seit der Übernahme von
Mannesmann durch Vodafone AirTouch gibt es kaum Zweifel, dass sich
der Bewerber bei der Auktion durchsetzen wird. Vodafone ist bereits
in Spanien und Großbritannien dabei.

MOBILCOM: Die Telefongesellschaft hat mit France Telecom einen
starken Partner. Auf dem deutschen Markt stehen die Franzosen unter
Erfolgsdruck. Bei der UMTS-Vergabe waren sie bislang wenig
erfolgreich. In Großbritannien kam France Telecom durch den Kauf von
Orange aber doch noch zum Zuge. MobilCom gilt als ein UMTS-Favorit.

E-PLUS/HUTCHISON: Als ein aussichtsreicher Anwärter gilt auch die
niederländisch-asiatische Allianz. E-Plus ist eine Tochterfirma der
KPN. Sie hatte ihre eigenständige UMTS-Bewerbung vor gut einer Woche
zurückgezogen und wird gemeinsam mit Hutchison antreten; mit im Boot
sitzt der japanische Mobilfunkriese NTT DoCoMo.

VIAG INTERKOM: Hauptaktionäre des E2-Netz-Betreibers sind der
Energiekonzern E.ON und die British Telecom (BT). Um den Anschluss an
die mobile Internetwelt nicht zu verpassen, kann sich BT keinen Flop
leisten. Unklar ist, inwieweit sich E.ON bei UMTS noch finanziell
engagieren will. BT war in Spanien und Großbritannien erfolgreich.

DEBITEL: Dem größten netzunabhängigen deutschen Mobilfunbetreiber
wird nur eine Außenseiterchance eingeräumt. Die Tochterfirma der
schweizerischen Swisscom hat keine finanzkräftigen Partner, nachdem
Gespräche mit dem US-Telefonkonzern MCI Worldcom scheiterten.

G3: Als ein reiner Zählkandidat wird G3 betrachtet. Nach dem Rückzug
des britischen Mobilfunkbetreibers Orange besteht die Gruppe noch aus
der spanischen Telefonica und der finnischen Sonera. Das Konsortium
müsste als Neuling eine komplette Infrastruktur aufbauen und einen Kundenstamm generieren.

Stimmen zur Versteigerung

Gerd Tenzer, Deutsche Telekom: "Wir sind hervorragend
vorbereitet auf diese Auktion, die sicher nicht einfach sein wird, so
dass wir davon ausgehen, dass wir zu einem derjenigen gehören, die
hinterher überbleiben."

VIAG Interkom:

"Mit 100-prozentiger
Sicherheit werden wir eine Lizenz mit nach Hause nehmen. Die Versteigerung kann drei Tage, aber auch
sechs Wochen dauern. In der Zentrale in München
haben wir einen wasserdichten und versiegelter Raum eingerichtet, in
dem die Spitzen des Unternehmens und der Gesellschafter die Gebote
erörtern. Mit Spieltheoretikern und anderen Beratern haben wir in den
letzten Wochen und Monaten mögliche Szenarien der Versteigerung
diskutiert."

dpa/pm

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