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Vivendi kauft Musikplattform MP3.com

21.05.2001 | 00:00 Uhr |

Die weltgrößte Musikfirma Vivendi
Universal will nach dem geplanten Kauf der Internet-Musikplattform
MP3.com noch 2001 eine «ausgeglichene Bilanz» des kalifornischen
Internet-Musikhändlers erreichen. «Wir werden bei MP3.com sicherlich
bald 40 Millionen Abonnenten erreichen und noch 2001 ein finanzielles
Gleichgewicht erreichen», sagte Vivendi Universal-Chef Jean-Marie
Messier der französischen Tageszeitung «Le Figaro» (Montagausgabe).

Zu möglichen Auswirkungen auf den Börsenkurs von Vivendi Universal
sagte Messier, dass der Kaufpreis von fünf Dollar pro MP3.com-Aktie
«20fach unter dem Höchstkurs von 105 Dollar liegt». Der Konzern
erhofft sich von dem Erwerb von MP.3.com für 372 Millionen Dollar vor
allem Unterstützung für seine eigene Großhandels-Musikplattform Duet,
die Vivendi im Sommer im Internet starten will.

«MP3.com wird für Vivendi in den strategischen Bereichen Online-
Musik, Abonnement, Vermarktung, Technologie und Content sehr wertvoll
sein», stellte Messier fest. Mehr als die Hälfte der Aktionäre hätten
der Übernahme bereits zugestimmt, hieß es. Durch die Übernahme erhält
das Unternehmen Zugang zu 40 Millionen Abonnenten von MP3.com.

Mit der Übernahme reagiert Vivendi vor allem auf die jüngsten
Allianzen, die die großen Unternehmen der Branche für den Musik-
Vertrieb über das Internet geschlossen haben. So plant Bertelsmann
gemeinsam mit AOL Time Warner, RealNetwork und der EMI Group unter
dem Namen «MusikNet» den Start einer Internet-Großhandelsplattform
für den Online-Vertrieb von Musikstücken im Sommer. Zugleich will
Bertelsmann ebenfalls in den kommenden Monaten über die Plattform der
umstrittenen Tauschbörse Napster einen kostenpflichtigen Musik-
Service anbieten.

MP3.com zählte einst zu den ersten Internet-Lieblingen an der Wall
Street. Im Juli 1999 verbuchte die Musikplattform noch einen
Aktienwert von 63,61 Dollar. Zahlreiche Rechtsstreitigkeiten mit den
führenden Plattenfirmen hatten die kalifornische Firma an den Börsen
in die Knie gezwungen. Die Musikfirmen warfen MP3.com Verstöße gegen
das Urheberrecht vor. Der Service ermöglicht es, Musik-CDs online
anzuhören oder herunterzuladen, wenn der Nutzer mit Hilfe einer
speziellen Software und dem Einlegen der Original-CD nachweisen kann,
dass er im Besitz der der Aufnahme ist. Bereits im vergangenen Herbst
hatte sich MP3.com mit vier von ursprünglich fünf Prozessgegnern
außergerichtlich geeinigt. Lediglich Universal hatte an dem
Gerichtsverfahren festgehalten.
dpa

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