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Voyager 1 sendet nur noch Datenmüll – NASA rätselt

05.08.2022 | 13:50 Uhr | Peter Müller

So weit wie die Voyager-Sonden hat sich noch nie ein von Menschen gemachtes Objekt von der Erde entfernt. Eine der beiden stößt nun offenbar an eine Grenze.

Am 20. August und am 5. September dieses Jahres ist es 45 Jahren her, dass die Weltraumsonden Voyager 2 und 1 sich auf ihre Reise an die Grenze des Sonnensystems begaben. Ihre ursprüngliche Mission haben die beiden Raumschiffe erfüllt und beeindruckende Farbfotos von Jupiter, Saturn, Neptun und Uranus sowie deren Monden zur Erde gesandt. Mittlerweile sind die beiden Sonden in den interstellaren Raum eingetreten, dort, wo der Sonnenwind nicht mehr spürbar ist und vom interstellaren Medium überlagert wird. Das sind in Kilometern über 20 Milliarden – Funkwellen zu den Sonden oder von ihnen zurück zur Erde sind fast einen Tag lang unterwegs. Nun bereiten die Daten, die die rund 23,4 Milliarden Kilometer entfernte Voyager 1 sendet, der NASA Kopfzerbrechen.

Denn wie unter anderem der Spiegel berichtet , empfängt das Kontrollzentrum nur noch unsinnige Daten. Konkret stammen diese vom Lagekontrollsystem an Bord, das für die Ausrichtung der Sensoren verantwortlich ist. Denn die Voyagers vermessen immer noch munter die kosmische Strahlung und die Magnetfelder des sie umgebenden Raumes und dokumentieren auch die Richtung, aus der die detektierten Teilchen kommen – nach wie vor wertvolle Daten. Die noch dazu ein schöner Bonus sind, denn für diese Aufgaben waren die Sonden nicht gebaut. Gegen 2030 erwartete bisher die Forschung den Kontaktabbruch zu den Außenposten der Menschheit.

Warum die Sonde nur noch Datenmüll sendet – zwei Theorien

Im Falle von Voyager 1 könnte dieser schon früher erfolgen, sollte das Problem nicht gelöst werden. Über die Ursachen rätselt die US-Weltraumbehörde NASA nach wie vor. Eine Möglichkeit wäre ein Computerfehler – den zu beheben wird nicht einfach, da man Feedback auf Steuersignale von der Sonde erst nach gut zwei Tagen erhält. Zudem ist die Technik aus den Siebzigern, die meisten der Ingenieure und Ingenieurinnen, welche die Computer seinerzeit bauten und programmierten sind schon pensioniert oder gar verstorben. Die über 45 Jahre alten Dokumentationen seien teils von Hand geschrieben, führt der Bericht weiter aus.

Eine zweite Möglichkeit wäre ein Energiemangel an Bord. So weit draußen helfen auch keine Solarpanels mehr, mit der etwa erdnahe Raumfahrzeuge sich mit Strom versorgen. Die Voyagers haben Plutonium an Bord – die Wärme, die das Element Pu 238 beim Zerfall erzeugt, wird von den Batterien in elektrische Energie gewandelt. ( Wer sich an das Buch und den Film „Der Marsianer“ erinnert: Mark Whatney nutzt eine abgelegte Plutonium-Batterie dazu, um seinen Rover zu heizen, Anm. d. Red. ) Mit der Zeit leistet die Batterie immer weniger, pro Jahr betrage der Verlust einige Watt – einige Geräte sind bereits unwiderruflich abgeschaltet.

Die Zukunft der Sonde

Auf welche Antworten die NASA auch immer kommt, Aliens sind nicht im Spiel. Das bleibt der Fiktion überlassen, etwa im ersten Stark-Trek-Film, als die fiktive Voyager 6 sich nach Jahrhunderten Richtung Erde aufmacht, um nach ihrem Schöpfer zu suchen. Wenn auch die Entfernung von mittlerweile einem Lichttag als riesig erscheint, sind die Sonden immer noch in unmittelbarer Nähe zur Sonne. Die Oort'sche Wolke etwa, das theoretische Gebilde, aus dem gelegentlich Kometen das Innere des Sonnensystems besuchen, ist geschätzt 1,6 Lichtjahre von der Sonne entfernt. Der nächste Stern Proxima Centauri 4,25 Lichtjahre. Voyager 1 wird in etwa 40.000 Jahren sich bis auf 1,6 Lichtjahre dem heute noch 17 Lichtjahre entfernten Stern Gliese 445 vorbeifliegen – dieser wird dann aber nur noch etwa 3,5 Lichtjahre von der Sonne entfernt sein. Unwahrscheinlich, dass je eine Zivilisation die goldene Schallplatte an Bord der Voyager hören wird. Dabei würden sich bestimmt auch Aliens an der Musik von Johann Sebastian Bach oder Chuck Berry erfreuen.

( Anm: In einer früheren Version des Artikels hatten wir die Entfernung zu Proxima Centauri versehentlich mit "4,6 Milliarden Lichtjahren" angegeben. Die korrekte Entfernung beträgt derzeit 4,246 Lichtjahre. Das sind etwa 40 Billionen Kilometer oder rund 270.000 Astromische Einheiten (1 AE = mittlere Entfernung der Erde zur Sonne).)

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