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WI-Charge: Belkin bremst Erwartungen an baldige ”On-air”-Geräteaufladung

02.05.2022 | 14:00 Uhr | Thomas Hartmann

Geräte wie Smartphones an öffentlichen Plätzen und bei der Arbeit zentral "über die Luft" aufladen zu lassen, das ist die Vision von WI-Charge.

Der Ansatz ist spannend und verspricht viele Erleichterungen für kabel-gequälte User, die auch mit drahtlosen Ladestationen nicht immer glücklich sind: Die Technologie von Wi-Charge, einem in Israel beheimateten Unternehmen , verwendet nach deren Auskunft  einen kleinen, montierten Sender, der in eine Wechsel- oder Gleichstromsteckdose eingesteckt wird, um "Strom in sichere Infrarotstrahlen umzuwandeln".

Dem Unternehmen zufolge lädt der Sender drahtlos mit einer Leistung von 1 Watt Strom Geräte, die mit einem Wi-Charge-Empfänger ausgerüstet sind und sich in einem Umkreis von 40 Fuß (gut 12 Meter) und in Sichtweite befinden ( nicht nur in Sichtweite, es muss auch eine Sichtverbindung bestehen, Anm. d. Red. ). Der Empfänger wandelt das Licht dann wieder in Strom um. Bei diesem Vorgang werden auch Informationen ausgetauscht, etwa über die Geräte selbst, über deren Ladestatus und anderes mehr. Ein kurzes Video auf der Website von WI-Charge und diverse Diagramme zeigen, wie es funktionieren soll. Im Grunde soll man sich das Verfahren ähnlich vorstellen wie ”Strom über WLAN”.

Technik noch lange nicht ausgereift

Wie Ars Technica berichtet, hatte Tech Crunch kürzlich den Mitbegründer und Chief Business Officer von Wi-Charge, Ori Mor, interviewed. Der Tech-Crunch-Reporter schrieb, dass Wi-Charge ihm von ”einem geheimnisvollen Vertrag mit Belkin” erzählt habe, den man abgeschlossen habe. Man könne nun erwarten, dass das erste kabellose Stromgerät noch in diesem Jahr von dem Zubehörhersteller auf den Markt komme. Mor sagte der Publikation, dass Belkin "super aggressiv bei der Zeitplanung" sei.

Mor befeuerte damit die Hoffnungen auf baldiges kabel- und padloses Laden, als er sagte, dass das in Arbeit befindliche Belkin-Produkt "ein zentrales Verbraucherprodukt" sei und dass Belkin "eine perfekte Anwendung" gewählt habe. Näher spezifiziert wurde das Belkin-Produkt jedoch nicht. Es soll aber in  Belkins typischem Geschäftsbereiche wie Ladezubehör, Smart-Home-Produkte und Powerline-Angebote liegen.

Belkin widerspricht baldiger Marktreife

Belkin hat davon und von dem aktuellen Fortschritt bis hin zur Marktreife allerdings offenbar andere Ansichten. So äußerte sich Jen Wei als Sprecherin des Unternehmens in Bezug auf Wi-Charge-basierte Produkte von Belkin: ”Derzeit sind wir durch unsere Vereinbarung mit Wi-Charge nur zur Forschung und Entwicklung einiger Produktkonzepte verpflichtet, daher ist es noch zu früh, um den Zeitplan für realisierbare Verbraucherprodukte zu kommentieren.“

Die ”Belkin-Methode” bestehe darin, die technologische Realisierbarkeit gründlich zu untersuchen und eingehende Usertests durchzuführen, bevor man sich auf ein Produktkonzept festlege. Bei Belkin müsse die technische Machbarkeit speziell im Blick auf die Verbraucher:innen noch bestätigt werden. Allerdings habe sich Belkin auch ”voll und ganz der Umstellung von kabelgebundenen auf kabellose Ladegeräte verschrieben” und glaube an eine Zukunft ohne Kabel.

Insofern kann man offenbar feststellen, dass die Entwicklung der Technologie schon weit fortgeschritten ist und in nicht zu ferner Zukunft auch marktreif sein dürfte – ob es in diesem Jahr allerdings schon so weit sein wird, ist nach diesen Worten eher zweifelhaft. Zudem stellt sich die Sinnhaftigkeit: Apples Magsafe-Adapter laden mit einer Leistung von 7,5 Watt und erledigen ihren Job sehr zuverlässig.

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