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Wall Street Journal: Neuer Skandal um Facebook und iOS-Apps

25.02.2019 | 10:19 Uhr | Thomas Hartmann

Nach einem investigativen Zeitungsbericht senden Apps beispielsweise sensible Gesundheitsdaten ohne Kundenwissen an Facebook.

So berichtet 9to5Mac im Anschluss an einen Artikel des Wall Street Journal (Bezahlschranke), dass Dritthersteller-Apps ohne Zustimmung des Users Ă€ußerst persönliche Daten an Facebook verschicken, kaum, dass die Apps in Betrieb genommen wurden. Dies können Smartphone-Programme zum Abnehmen sein, fĂŒr den Blutdruck, das Körpergewicht oder Schwangerschaft und Menstruationszyklen. Aber auch Daten ĂŒber Preise fĂŒr Wohnungen oder HĂ€user und Ähnliches, ĂŒber die man sich zuletzt mittels der App informiert hat, wandern teilweise praktisch ungefiltert zum grĂ¶ĂŸten sozialen Netzwerk. Dies funktioniert mittels Schnittstellen zu diversen Analytics-Firmen , nur statt Clicks und Links werden Kilos und Zyklen ausgewertet. Manche Apps behaupten sogar in eigenen DatenschutzerklĂ€rungen, die Daten werden absolut diskret behandelt und werden nicht an Dritte weiter gegeben.

Dies betrifft auch User, die ĂŒberhaupt keinen Facebook-Account besitzen oder dort nicht eingeloggt sind. Das WSJ hat dabei nach eigener Auskunft mindestens elf von 70 untersuchten populĂ€ren Apps gefunden, die auf bislang undokumentierte Weise sensible Daten an Facebook schicken. Dies ist von den Entwicklern offenbar so eingerichtet, dass weder Apple noch bei Android-Apps Google zustimmen muss. Eine Möglichkeit, den Datenversand zu umgehen, gibt es bei diesen Apps nicht. ErwĂ€hnt werden beispielsweise Instant Heart Rate: HR Monitor, Flo Period & Ovulation Tracker oder Realtor.com, die jeweils viele Millionen User besitzen. WĂ€hrend einige Entwickler bereits Besserung versprechen, meint Facebook dem Bericht zufolge, man nutze die Daten, um Werbung und Inhalte auf Facebook zu personalisieren und fĂŒr die allgemeine Marktforschung, unter anderem... Facebook soll inzwischen erklĂ€rt haben, dass einige der fraglichen DatenĂŒbermittlungen gegen GeschĂ€ftsbedingungen verstoßen. Man habe die Entwickler der Apps gebeten, dies einzustellen.

Apple selbst werde Maßnahmen ergreifen, sobald man von einem Entwickler höre, der gegen die strengen Datenschutzbestimmungen und -richtlinien verstoße. Google verwies fĂŒr die betroffenen Android-Apps auf die allgemeinen GeschĂ€ftsbedingungen im Play Store.

Fazit: Auch wenn man im besten Glauben Apps benutzt, die intern die eigene Gesundheit oder finanziellen PlĂ€ne statistisch festhalten, darf man nicht zu sicher sein, dass nicht doch ungefragt sensible Daten an Facebook & Co. verschickt werden. Das erschĂŒttert das Vertrauen in an sich fĂŒr seriös gehaltene Apps und auch unter iOS weiter. Es bleibt zu hoffen, dass sowohl die Entwickler als auch Facebook sowie die Plattformen von iOS und Android sich schnellstens und gemeinsam um Abhilfe bemĂŒhen, damit User sicher sein können, was mit ihren Daten passiert. Und das darf nicht mehr sein, als wozu sie ausdrĂŒcklich ihre Zustimmung gegeben haben.

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