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Warum Apple auch beim iPhone 14 auf Touch-ID verzichtet

21.09.2021 | 13:30 Uhr | Peter Müller

Die Touch-ID ist seit bald zehn Jahren Bestandteil der iPhones - und hat einen neuen Platz in iPads gefunden. Die Spekulationen über eine Rückkehr in das Telefon sind vermutlich ohne Grundlage.

Das iPhone 13 (alle Infos) ist, wie von den meisten vernünftigen Leuten erwartet, eine evolutionäre Weiterentwicklung des Vorjahresmodells . Früher hatte Apple solche Iterationen mit einem "S" gekennzeichnet. So wie iPhone XS oder iPhone 5S – das wird vermutlich nicht mehr passieren. Der grundsätzliche Rhythmus mit kleineren Änderungen jedes Jahr und einigen bedeutenderen alle zwei bis vier Jahre dürfte bestehen bleiben. Dass Apple also in diesem Jahr die Notch nur geringfügig geändert hat und sie allenfalls im iPhone 14 abschafft, dürfte klar sein. Und ein anderes spekuliertes Feature kommt nicht vor dem nächsten Jahr: die Rückkehr der Touch-ID.

Das iPhone 13 ist offiziell: Apple hat sein neuestes Smartphone-Modell vorgestellt - besser gesagt, seine neuesten Smartphone-Modelle. Wie erwartet gibt es neben dem iPhone 13, drei weitere Versionen: Das iPhone 13 Mini, das iPhone 13 Pro und das dicke Flaggschiff iPhone 13 Pro Max. Wie sie sich unterscheiden, was sie können und was sie kosten, erfahrt Ihr in diesem Video. ► Zum Technikliebe T-Shirt-Shop: shop.spreadshirt.de/technikliebe/ ► Zum iPhone 13 im Preisvergleich der Kollegen von Macwelt.de: macwelt.de/preisvergleich/iPhone13

Der sonst recht treffsichere Analyst Ming-Chi Kuo, der jedoch in diesem Jahr bezüglich Apple Watch weit daneben lag, hat das Comeback des Fingerabdruckscanners schon länger auf dem Schirm, jetzt verschiebt er seine Prognose aber auf das Jahr 2023 . Vorher werde kein iPhone eine Touch-ID unter dem Bildschirm bekommen – so auch nicht das iPhone 14 (alle Infos) , für das wir mit dieser Technik gerechnet hätten. Mag sein, dass Kuo sogar damit Recht bekommen wird, aber wir meinen, dass er den Termin für "Touch-ID Reloaded"  oder gar "Touch-ID Revolutions" bis auf den St. Nimmerleinstag verschieben kann. 

Denn abseits aller technischen Möglichkeiten, die Apple immer gerne auslotet und nicht immer zum Abschluss bringt , hindert eine unbestechliche Logik aus der Endphase der römischen Republik um 50 v. Chr. Apple daran. Denn frei nach Marcus Tullius Cicero: "Cui bono?"

Wem eine Touch-ID nützt

Außer Frage steht, dass es Apple gelingen könnte, einen Fingerabdrucksensor unter ein Display zu montieren, der zuverlässiger arbeiten sollte als die bereits vorhandenen Lösungen der Konkurrenz. Aber zu welchem Zweck? Wem würde eine solche Authentifizierung nutzen?

Die Touch-ID, im Jahr 2013 mit dem iPhone 5S eingeführt, hatte Apple im Jahr 2017 mit dem iPhone X nicht in Rente geschickt, aber zunächst auf dem Flaggschiffphone und mittlerweile auf fast allen durch die Gesichtserkennung Face-ID ersetzt. Diese sei wesentlich sicherer und auch noch schneller als der Fingerabdruckscanner und in der Tat ist die Technik nur aufwendig auszutricksen - die wenigen Lücken kann Apple in der Regel schnell stopfen . Mit welcher Begründung also sollte man zurück zu einer unzuverlässigeren Technik?

Seitdem wir in der Öffentlichkeit Masken tragen, um uns und vor allem andere vor Infektion zu schützen, gibt es einen guten Grund, sich die Touch-ID zurückzuwünschen, zumindest optional. Mit einem alternativen Gesicht, das man teils mit Maske, teils ohne aufnimmt, kann man die Beschränkung nur schlecht umgehen, Apple erfand jedoch für iOS 14.5 den Trick , die Apple Watch zur Authentifizierung der Maskierten heranzuziehen. Ist diese mit dem iPhone verbunden und entsperrt an das Handgelenk gebunden, schaltet sich das iPhone frei, wenn es das bekannte Gesicht (und nur dieses!) teilweise erkennt. Problem gelöst – zumindest für die Apple-Watch-Träger unter den iPhone-Besitzern.

Keine Pandemie währt ewig

Man kann sich gut vorstellen, wie im leeren Apple Park sich vor etwa anderthalb Jahren Ingenieure Gedanken über die plötzliche Unzulänglichkeit der Face-ID machten und womöglich wieder Konzepte hervorholten, die man bei der Entwicklung des iPhone X schon mal verwarf – wie die Touch-ID unter dem Bildschirm oder an anderen Stellen. Die Kollegen aus der iPad-Entwicklung haben immerhin für den Fingerabdruckscanner auf iPad Air und iPad Mini einen Platz im Einschaltknopf gefunden. Das dürfte aber vorweg der Unterscheidung zum iPad Pro dienen und könnte schon in Entwicklung gewesen sein, als Corona nur der Name eines mexikanischen Leichtbiers war.

Kuo mag damit richtig liegen, dass das kommende iPhone 14 keine Touch-ID bekommt, denn schon bald sollte Apple festlegen, was alles in die nächste Generation kommt und was nicht. Die Entscheidung gegen den Fingerabdrucksensor könnte aber schon über das Jahr 2022 hinaus gefallen sein.

Denn wenn wir vor allem in den Wintermonaten der verbleibenden Zwanziger im ÖPNV oder im stark frequentierten Supermarkt weiter Maske tragen werden, sollte im Großen und Ganzen im Herbst 2023, wenn das iPhone 15 kommt, die Pandemie ausgestanden sein und kaum noch jemand den Fingerabdruckscanner vermissen. Denn der funktioniert auch nicht immer: Nicht mit nassen Fingern, nicht mit zu trockener Haut und auch nicht mit Handschuhen. Die man im Winter auch abseits jedweder Infektionsgefahr recht häufig trägt.

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