2666042

Warum Apple keine Waschmaschinen, Autos & Co. baut

20.06.2022 | 10:40 Uhr | Stephan Wiesend

Noch immer ist Apple von einem einzigen Produkt abhängig, dem iPhone. Statt aber bald auch Autos und Waschmaschinen herzustellen – wie Samsung oder Sony – geht Apple einen komplett anderen Weg.

Nutzt man Apple-Geräte wie iPhone und Macbook Air, gefällt einem nicht nur das tolle Design und hohe Leistung, auch die Bedienung ist ausgereift und übersichtlich. Und das sollte man nicht unterschätzen. Wie wertvoll diese „Usability“ ist, wird einem bei der Nutzung weniger gelungener Geräte klar: Etwa beim Konfigurieren einer Systemkamera von Panasonic mit kontextabhängigen Sub-Submenüs und beim Versuch die WiFi-Option eines Druckers von Epson zu aktivieren. Hier wünscht man sich schnell ein Gerät, das so einfach wie ein iPhone zu bedienen ist – und warum nicht auch eine Waschmaschine und einen Fernseher mit Apple-Logo? Nach unserer Einschätzung könnte Apple hier sogar wirklich aktiv werden, allerdings anders als von vielen erwartet.

Warum auch nicht? Der Apple-Konkurrent Samsung bieten neben Smartphones die komplette Palette an Haushaltsgeräten und hat neben zahllosen anderen Produkten sogar Kampfroboter im Programm. Auch die Breite des Produktangebots von Sony ist beeindruckend, so gibt es Kameras, die Playstation, Audio-Geräte aller Art, Fernseher, Chip-Fabriken und mit Sony Financial Services einen Finanzarm inklusive Versicherungen und Bank. Vermutlich wäre es für Apple kein Problem, mit einem Partner wie Foxconn einen genialen Kühlschrank oder ein anderes besonders hochwertiges Premium-Produkt, wie einen Fernseher, auf den Markt zu bringen. Selbst Miele fertigt schließlich längst in China.

Gebrannte Kinder scheuen allerdings das Feuer: Vor knapp 25 Jahren war Apple nämlich schon einmal eine Art „Vollsortimenter“ der seinen Kunden ein komplettes IT-Angebot anbot. Neben Macs waren Kameras, Drucker, Scanner, Server, PDA und Monitore aller Art im Angebot. Apple stand aber 1996 kurz vor der Pleite. Erst nach einer rigiden Verschlankung des Angebots wurde Apple wieder profitabel, was wohl eine Lektion war, die lange nachwirkte. Auch die Börse sieht einen Wildwuchs an Geschäftsfeldern nicht gerne, wie man an den vergleichsweise niedrigen Aktienbewertungen von Samsung und Sony sieht.

Keine Gewinnaussichten

Apple würde heute nur ein Produkt auf den Markt bringen, mit dem es hohe Margen erzielen würde. Immer mehr Elektronikprodukte erzielen aber immer schmalere Gewinne – vom Monitor, TV-Geräten bis zum Staubsauger. Firmen wie Dyson sind da eine seltene Ausnahme. Auch bei vielen anderen Geräten hat die sogenannte „ Commodity-Falle“ zugeschlagen, vor allem bei Fernsehern, Küchengeräten, aber auch Staubsaugern. Gemeint ist mit dieser Falle, dass durch Normierung und technische Entwicklung ein einst innovatives Produkt so weit verbreitet und zu Ende entwickelt ist, dass ein Käufer kaum noch Unterschiede sieht. Immer mehr Unternehmen ziehen sich aus diesen unprofitablen Hardware-Bereichen zurück.

Die profitablere Lösung

Unserer Meinung nach hat Apple eine profitablere Lösung gefunden, um neue Geschäftsbereiche zu erschließen: Software und Dienste, die Apple auch in den folgenden Jahren ausbauen könnte und das iPhone und iPad als Steuerzentrale für alle anderen Geräte. Statt Fernseher herzustellen, setzt Apple lieber auf Apple TV+ und den Apple TV, über die der Fernseher bedient und gesteuert wird. Statt Kameras zu produzieren, versucht man Kunden die iPhone-Fotografie schmackhaft zu machen und statt Autos zu produzieren, will man den Autoherstellern CarPlay schmackhaft zu machen – bei dem es längst um mehr als das Anschließen des iPhones geht. Und anstelle mit zahllosen Staubsaugerherstellern und anderen Herstellern wie Bosch, Miele und Dyson zu konkurrieren, verlegt sich Apple offensichtlich auf das, was sein Kerngebiet ist: die Einbindung und Bedienung mit HomeKit – und die Fernsteuerung per Apple-Hardware und -Software.

Nicht zu vergessen: Aktuell sind weder CarPlay noch HomeKit wirklich beeindruckend, in den nächsten Jahren wird Apple diese Software aber weiter ausbauen – und von einer steigenden Vernetzung zusätzlich profitieren. Die kommende Version von Homekit wird etwa das branchenübergreifende Protokoll Matter unterstützen, das von hunderten Herstellern von Smart Home-Hardware unterstützt wird. Für Apple könnte diese breite Hardware-Unterstützung endlich den Durchbruch beim Thema Smart Home bringen und die Rolle von iPhone und Mac weiter stärken. In hochwertiger, einfach bedienbarer Software sieht Apple wohl eher seine Berufung als beim Austüfteln innovativer Heimgeräte – und würde so auch deutlich höhere Profite als mit schnöder „Weißware“ einfahren.

Gibt es nicht bald ein iCar von Apple?

Offensichtlich unterhält Apple eine riesige Forschungsabteilung, die sich mit Autos beschäftigt. Auch die Kosten für diese Abteilung sollen hoch sein. Das bedeutet aber nicht, dass Apple bald ein eigenes Auto auf den Markt bringen wird. Autos sind wohl nur dann wirklich profitabel, wenn es sich um Luxusprodukte handelt – wie Porsche, Ferrari, aber auch Tesla. Nach unserer Einschätzung ist es deshalb sehr fraglich, ob Apple wirklich ein eigenes Auto auf den Markt bringen wird, wie immer wieder vermutet wird. Gut möglich, dass Apple in Zukunft eher auf Software für Autos setzen wird. Dass dagegen erfahrene Auto-Hersteller wie VW noch immer große Probleme mit Software haben, zeigen die Probleme mit der Tochterfirma Cariad . Eine der größten Überraschungen der WWDC war dagegen, dass zahlreiche Autohersteller CarKit unterstützen werden, was auch in der Auto-Presse für Aufsehen sorgte . Das spricht dafür, dass Apple sich eher als Hersteller von Auto-Software sieht – weniger als Autoschrauber.

Macwelt Marktplatz

2666042