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Warum Apple vor China kuscht

11.10.2019 | 09:35 Uhr | Peter Müller

Nach HKlive ist nun auch Quarz-App aus dem chinesischen App Store geflogen. Das Magazin hat über die Proteste in Hong Kong berichtet.

Gekuscht: Apple wagt offenbar weiterhin keine Konfrontation mit den Machthabern in China. Nachdem die App HKLive.map wieder aus dem App Store verschwunden ist, weil Demonstranten in Hongkong angeblich die Polizei nonverbal darüber angriffen (mit einem Hunde-Emoji), hat es laut einem Bericht von "The Verge" nun auch die App der Publikation Quartz erwischt. Grund seien Berichte über die Proteste in Hongkong gewesen, auch die Quartz-Website sei von der Volksrepublik China nicht mehr zu erreichen. Die App enthalte "in China illegale Inhalte" und sei deshalb aus dem App Store geflogen, hieß es laut des Berichts zur Begründung. Quartz-CEO Zach Seward sagt gegenüber "The Verge": "Wir verabscheuen diese Art von staatlicher Zensur des Internets und haben eine große Reichweite darüber, wie man solche Verbote auf der ganzen Welt umgehen kann."

Ausflüchte: In einem internen Memo an die Mitarbeiter hat Tim Cook die Entscheidung verteidigt, die App HKLive.map wieder aus dem App Store zu entfernen. John Gruber jedoch hat Fragen an den Verfasser des Schreibens über die darin aufgestellten Behauptungen. Denn es fehle der Beweis, dass HKLive.map dazu genutzt worden war, individuell Polizisten aufzuspüren und ihnen Gewalt anzutun – die App zeigt nur Konzentrationen von Polizeikräften an, aber keine einzelnen Personen. Ebenso fehle der Beleg für die Behauptung, Demonstranten hätten die App dazu genutzt, dort zu plündern und Gewalt gegen Personen auszuüben, wo keine Polizei zugegen war.  Zuletzt fragt sich Gruber, welche lokalen Gesetze Hongkongs denn die Anwendung verletze – schließlich sind bis 2047 Versammlungsfreiheit und Pressefreiheit per Abkommen zwischen der Volksrepublik China und dem ehemaligen Kolonialherren Großbritannien garantiert. Gruber zeigt sich enttäuscht: "Ich kann mich nicht an ein Apple-Memo oder eine Erklärung erinnern, die unter genauer Prüfung so schnell in sich zusammenfällt. Für ein Unternehmen, das normalerweise gründlich abwägt, bevor es etwas entscheidet, ist das sowohl traurig als auch überraschend."

Hintergrund: Apple hat jedoch eine lange Geschichte mit und in China, was das Wohlverhalten gegenüber dem Regime erklärt, legt CNBC in einem ausführlichen Bericht dar. Apple pflege eine tiefere Beziehung mit Peking als andere Technologiefirmen, wie etwa Facebook und Google, deren wichtigsten Produkte im Land blockiert sind. Apples Hauptinteresse besteht darin, seine Produktionskette zu schützen, fast alle Hardware lässt Apple in China bauen, unter anderem eben 200 Millionen iPhones im Jahr. China ist aber auch zu einem wichtigen Absatzmarkt für Apple geworden, 51 Milliarden US-Dollar Umsatz erzielte Apple im Jahr 2018 in "Greater China", wozu neben der Volksrepublik auch Hongkong und Taiwan gehören. Bereits im Jahr 2017 war Apple in die Kritik geraten, als es diverse VPN-Apps aus dem chinesischen App Store entfernte . In einem offenen Brief drückten die Senatoren Ted Cruz und Patrick Leahy ihre Sorge aus, Apple würde die Zensur der Diktatur damit unterstützen. Apples Antwort war die Aussage von Cynthia Hogan, VP for Public Policy: "Wir glauben, dass Apple die Grundrechte, einschließlich des Rechts auf freie Meinungsäußerung, am besten fördern kann, indem es sich engagiert, auch wenn wir mit dem Gesetz eines bestimmten Landes nicht einverstanden sind". An die jeweiligen Gesetze muss man sich aber halten, will man in einem bestimmten Land Business betreiben.

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